Aaah! Herrlich, diese Ruhe –  meinem Kopfhörer sei Dank! Gerade noch habe ich mich durch den überfüllten Flughafen gekämpft, mich in meinen Sitz gequetscht, die Begrüßung des Kapitäns über die näselnden Lautsprecher gehört, Verständnis für das quengelnde Kind in der Reihe hinter mir bezeugt. Ein babylonisches Gewirr von Lärm und Geräuschen.
Jetzt hat es Ping gemacht. Die Anschnallzeichen sind aus und ich erobere mir meine akustische Privatsphäre zurück – unter meinem Kopfhörer ist es leise wie auf einer einsamen Insel. 

Abtauchen leicht gemacht: mit dem Kopfhörer

Ich beginne meinen Flug in den Urlaub mit einem zarten Klavierstück von Eric Satie. Nur ein paar Meter von meinem Platz entfernt fauchen die Triebwerke – und ich tauche ein in das verträumte Pianissimo der „Gymnopédies“. Früher konnte man im Flugzeug bestenfalls AC/DC hören, alles andere ging unter. Oder man drehte so laut auf, dass man bei der Landung einen schönen Tinnitus hatte. Die Technik, mit der ich gerade entspannt Musik höre, wurde tatsächlich für den Einsatz in Flugzeugen entwickelt. Zunächst allerdings für die Piloten. Sie hatten, besonders in Hubschraubern, ziemliche Verständigungsschwierigkeiten. 
Good News: Stylishe Kopfhörer
Der Kopfhörer macht's möglich: Abtauchen mitten im Trubel

Kopfhörer mit Schallschutz – für Piloten und Passagiere

Das Prinzip der Active Noise Control ist in der Theorie einfach, aber in der Praxis etwas komplizierter. Es basiert auf dem sogenannten Antischall. Man versteht es leicht, wenn man sich ein Geräusch als Wellenform mit Bergen und Tälern vorstellt: Für die Erzeugung von Antischall wird das Geräusch mit einem Mikrofon aufgenommen und dann in der Polarität – oder wie Techniker sagen: in der Phase – umgedreht. Wo vorher ein Berg war, ist dann ein Tal. Ein kleiner Verstärker passt das umgedrehte Signal der Original-Lautstärke an und gibt es dann über die Lautsprecher hinzu. Berge und Täler neutralisieren sich gegenseitig, wenn sie zeitgleich am Ohr eintreffen.
Das funktioniert besonders gut bei tiefen Frequenzen wie dem Brummen von Motoren. Ganz ausschalten kann man den Lärm nicht, denn auch unser Schädel schwingt mit und überträgt direkt ans Innenohr. Aber es wird schon sehr erträglich.  
Die Coca-Cola Journey Playlist: Genieß die Stille!


Zeig, womit Du hörst! Eine Kopfhörer-Typologie

Früher dienten Kopfhörer hauptsächlich dazu, dass man seine Umwelt nicht belästigt. Heute ist es umgekehrt: Sie schützen vor der Umwelt. Seit der allgemeinen Mobilisierung der Hörgewohnheiten trägt fast jeder auf der Straße irgendwas am Ohr. Das war schon so kurz nach der Einführung des Walkman, 1979.
Dann kamen die weißen Kabel. Sie klingen zwar kaum besser als ein Telefon, aber sie zeigen, dass ihr Benutzer ein Gerät von Apple in der Tasche hat. Bis heute signalisiert ein Kopfhörer weniger Klangqualität als Lebensstil: Szeneviertelbewohner bevorzugen große Siebziger-Jahre-Muscheln, mit denen sie aussehen wie Marsmännchen, die im Nebenjob als DJ arbeiten. Die Beats von Dr. Dre sieht man häufig an männlichen Pubertierenden, die in der Lage sind, ihren Eltern zwei- bis vierhundert Euro aus den Rippen zu leiern. Gediegene, ledergepolsterte Modelle von Traditionsmarken wie Sennheiser oder AKG sagen: Ich kenne die Originalpartitur von „La Traviata“. 
Unterm Kopfhörer ist man überall allein und ganz bei sich, ob man Reggae am Strand hört oder mit Bach durchs Museum geht. Kopfhörer, die gut klingen, sehen meist nicht so schick aus. Sie haben innere Werte. Längst werden Kabel durch Bluetooth-Verbindungen ersetzt. Und bald sieht man Kopfhörer vielleicht gar nicht mehr, weil sie nicht mehr sind als ein Knopf im Ohr. Ein schwedisches Start-up hat sie bereits entwickelt und bringt sie im April auf den Markt.
Eines werden aber auch die besten Kopfhörer nie ersetzen: Live-Musik. Ich lehne mich zurück in meinem Sitz und freue mich auf den Flamenco in den Straßen von Sevilla. Der wird bis heute ohne Elektronik gespielt.