• Die „Coca-Cola Route“ gilt als leichtester Weg auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo. Klingt nach einem Abenteuer für jedermann...
  • Hier berichten ein Vater und seine Söhne von ihren Erfahrungen
UNTER DEN „Big Seven“, den sieben Gipfeln, die jeder Bergsteiger bezwungen haben muss, gilt der Kilimandscharo als der zugänglichste. Auch für Amateure geeignet, heißt es. Unter den verschiedenen Wegen wiederum, die zum Gipfel (5895 Meter) führen, gilt die „Coca-Cola Route“ als die leichteste. Doch auch wenn es so klingt: Der Weg ist alles andere als einfach. Denn er verführt durch seinen harmlosen Namen zu einem allzu raschen Aufstieg. Nur ein Drittel der hoffnungsfrohen Bergsteiger kommt tatsächlich oben an. Alle anderen drehen um, höhenkrank, erschöpft, enttäuscht.

Mit Coke auf den Kilimandscharo: Wie der Weg zu seinem Namen kam

Der Name „Coca-Cola Route“ klingt, als habe irgendein Hipster ihn gestern erfunden. Tatsächlich ist die Geschichte, die Coke und den Berg miteinander verbindet, über 100 Jahre alt. Der Marangu-Trail, wie der Weg offiziell heißt, weil er im Dorf Marangu seinen Anfang nimmt, war schon immer einer der beliebtesten Anstiege auf den Kilimandscharo. Die Einheimischen nutzten seine Popularität und begannen, den Bergsteigern am Wegesrand Snacks und Getränke zu verkaufen. Natürlich auch Coca-Cola. So wurde aus dem Marango-Trail nach und nach die „Coca-Cola Route“. Vielleicht hat dieser Spitzname dazu beigetragen, dass der Weg noch beliebter wurde. Heute machen sich pro Jahr etwa 20.000 Touristen auf in Richtung Gipfel, fast die Hälfte nimmt die Coca-Cola Route.
Coca-Cola Route auf den Kilimandscharo
ETWA 10.000 Wanderer pro Jahr nehmen die Coca-Cola Route

Der große Spaziergang

„Coca-Cola Route“ – das klang für eine Stephen, Paul und Joe Calardo verlockend. Stephen, ein 57-jähriger Anwalt aus Cincinatti hatte schon lange die Idee, mit seinen beiden Söhnen Paul und Joe den Kilimandscharo zu besteigen. Auslöser war für ihn der Film „Kilimanjaro. The Roof of Africa.“ Die Landschaft, der schneebedeckte Gipfel mitten in Ostafrika, diese Bilder ließen ihn nicht mehr los. Gleichzeitig gab es diesen Namen: „Coca-Cola Route“. Der Weg klang nicht nur freundlich, er hatte auch noch den Ruf, eher eine Wanderung als eine Kletterpartie zu sein und insgesamt nur sechs Tage in Anspruch zu nehmen. „Das kann ich schaffen,“ dachte sich Stephen. Doch es dauerte etwas länger. Paul arbeitet bei einer Videoproduktionsfirma in Kentucky, Joe hatte gerade sein Studium begonnen. So vergingen einige Jahre, bis Stephen und seine Söhne sich auf ein Datum festlegen konnten und die Zeit fanden, sich auf den Trip vorzubereiten.

Die Coca-Cola Route auf den Kilimandscharo: 40 Kilometer Hinweg, 40 Kilometer Rückweg, 1750 Höhenmeter


40 Kilometer Hinweg, 40 Kilometer Rückweg und insgesamt 1750 Höhenmeter zu überwinden. So sahen die Bedingungen für den großen Spaziergang aus. Die Calardos wollten diesen Strapazen nicht unvorbereitet begegnen und übten in ihrer Heimat schon einmal, mit den Höhenunterschieden umzugehen. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sie am Kilimandscharo erwarten könnte, bekamen sie schon auf dem Pikes Peak in den Rocky Mountains in Colorado: Paul wurde heftig von der Höhenkrankheit erwischt. Der Sauerstoffmangel äußerte sich mit Schwindel, Erbrechen und allgemeiner Übelkeit. Statt aufzugeben, beschlossen die drei erst recht, die Herausforderung anzunehmen.

Positiv denken hilft

Coca-Cola Route auf den Kilimandscharo
Paul auf dem Gipfel des Kilimandscharo

Angekommen in Tansania, begann Paul damit, sich systematisch darauf einzustellen positiv zu denken. „Ich sagte mir immer: ‚du bist nicht krank’ und konzentrierte mich auf Dinge, die mich glücklich machen. Ich dachte an meine Freundin zuhause und ließ gar keine schlechte Stimmung aufkommen.“ Einmal unterhielt er sich auf der Strecke mit anderen und rief plötzlich aus: „jetzt wären eine Pizza und eine kalte Coke gut!“. Sie lachten die Strapazen einfach weg. Es funktionierte. Die Calardo-Männer schafften es auf den Gipfel.
Sie hatten gute Ausrüstung, sie hatten trainiert. Aber sie waren nicht vorbereitet auf die Schönheit der Natur in Tansania und auf den freundlichen Geist seiner Bewohner. Sie sahen Bäume und Felsen „wie aus dem Märchenbuch.“

Immer mit der Ruhe – bis zum Gipfel

Positiv denken war das eine Mantra, das die drei auf der Coca-Cola Route begleitete. Das andere war der Gesang der Einheimischen. Pole, pole,  sangen die Träger und Führer, was auf Kisuaheli soviel wie „Immer mit der Ruhe“ bedeutet. Sie ermahnten die Gruppe immer wieder zur Mäßigung, wenn ihr Tempo zu hoch wurde. Je schneller der Wanderer die Höhenmeter hinter sich bringt, desto größer ist der Stress für den Körper. Lässt man sich etwas mehr Zeit für den Anstieg, kann der Körper sich besser an den Sauerstoffmangel gewöhnen und reagiert weniger intensiv. Die Calardos hielten sich an den Rat und kamen tatsächlich ohne den geringsten Anflug einer Höhenkrankheit am Uhuru-Peak an.
Am Tag der Gipfelbesteigung brachen sie bei Minusgraden im Dunkeln auf. Vor ihnen lagen 16 Stunden Aufstieg. Es war der Gesang ihrer Begleiter, sagt Paul, der sie nach oben trug.

Darauf eine Coke!

Das machte diese Wanderung für Stephen, John und Paul zu einem Erlebnis, an das sie ihr ganzes Leben lang zurückdenken werden. Paul war besonders glücklich, weil er die Höhenkrankheit überwunden hatte. Und weil er das positive Denken den ganzen Weg lang geübt hatte, wollte er sich auch oben noch einen Wunsch erfüllen. „Sechs Tage lang hatten wir uns von Wasser, Porridge, Kartoffeln und Brot ernährt. Dort oben sah ich einen Händler. Ich ging hin und kaufte eine Coke.“ Da standen die drei auf dem Gipfel und prosteten sich, wie Paul sich gerne erinnert, mit dem Getränk zu, das ihrem Weg den Namen gegeben hatte. „Das war der beste Drink, den ich jemals hatte!“
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