BEI DEN Nationalen Sommerspielen der Special Olympics Deutschland in Hannover gab es keine Verlierer. Jeder der rund 4.800 Sportler bekam eine Medaille, auch für den letzten Platz, bei Ausscheiden sogar für die Teilnahme. Doch es gibt auch heimliche Gewinner bei diesem Wettbewerb: all die Menschen, die sich für die Special Olympics engagieren und sportliche Ereignisse wie dieses ermöglichen. Die in den Stunden und Tagen ihres Einsatzes unvergessliche Begegnungen erleben – und nicht selten mit einer Lektion fürs Leben nach Hause fahren.

Zehn Mitarbeiter von Coca-Cola waren in Hannover dabei. Nicole Spiewok, HR Coordinator bei der Coca-Cola GmbH, und Maik Nickel, Verkaufsberater bei der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH, haben vor Beginn der Spiele über ihre Erwartungen und Berührungsängste gesprochen. Jetzt, eine Woche später, erzählen sie erneut: von ihrem Einsatz bei den Kanufahrern, von überschwänglichen Gefühlen und von einer Frage, die sich den beiden gar nicht stellt: Würdet ihr es wieder tun?

Seite an Seite mit Kanuten und Schwimmern

Nicole Spiewok und Maik Nickel waren wie alle anderen Helfer von Coca-Cola am Maschsee bei den Kanufahrern und Freiwasser-Schwimmern eingesetzt. Dort haben sie die Siegerehrungen vorbereitet, Medaillen bereitgelegt und die Musik eingespielt, die sich jeder Teilnehmer aus einer Liste von sechs möglichen Songs ausgesucht hat. Sie haben die Kanuten zu ihren Booten und die Schwimmer ans Wasser begleitet. Bei der Preisverleihung waren sie an der Seite der Sportler auf der Bühne, haben Medaillen überreicht und mit den Gewinnern gejubelt.

Nicole Spiewok bei den Special Olympics in Hannover

HELFENDE HAND: Nicole Spiewok begleitet einen Gewinner


Nicole, deine größte Sorge war, dass das Wetter nicht mitspielt. Dann kam eine Woche Sonnenschein. Gab es trotzdem einen Wermutstropfen für dich?

Nicole: „Das Wetter war fantastisch, fast schon zu gut, aber ich will mal nicht meckern. Es war wichtig, die Athleten zwischen ihren Einsätzen immer wieder in den Schatten zu bringen und darauf zu achten, dass sie viel trinken. Schade fand ich, dass ich selbst nicht Kanu fahren kann. Es gab nämlich auch Helfer, die auf dem Wasser eingesetzt waren und hinterhergepaddelt sind. Jeder Sportler wurde begleitet, damit er keine Angst hat und sicher ist, falls er reinfällt. Das war ein toller Job, den hätte ich auch gern gemacht.“

Es ist eine tolle Erfahrung. Ich würde es immer wieder machen. Egal wo.


Maik, für dich war es ja der erste Einsatz als Helfer bei den Special Olympics. Wie war’s?

Maik: „Ich bin begeistert, die Stimmung war sensationell. Meine Tochter arbeitet beim Landeswohlfahrtsverband Hessen und hat mir vor meinem Einsatz ein bisschen darüber erzählt, was mich erwartet. Es ist alles so eingetroffen – und meine Erwartungen sind weit, weit übertroffen worden. Herzallerliebste Menschen. Wir waren wie eine Familie, ein ganz toller Zusammenhalt. Man schließt da richtig kleine Freundschaften. Ein Sportler, der am Dienstag eine Medaille gewonnen hatte, stand am nächsten Tag beim 5-km-Spendenlauf in der Innenstadt am Streckenrand und hat mich angefeuert: ‚Grüß dich, Maik, und Glückwunsch!‘. Sogar am nächsten Morgen hat er nachgefragt, ob ich wieder fit bin. Das waren herrliche Augenblicke, wirklich wunderbar. Ich würde es immer wieder machen. Egal wo. Es ist eine tolle Erfahrung.“

Was hat euch am meisten beeindruckt?

Nicole: „Wie sehr die Athleten sich über ihre Platzierung freuen, egal welchen Platz sie erreicht haben. Selbst auf den letzten Platz waren einige Teilnehmer total stolz. Ist das nicht toll? Davon können wir uns echt eine Scheibe abschneiden. Wir freuen uns nur über erste Plätze und nicht mehr darüber, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind.

Da wir die Siegerehrung durchgeführt haben, durften wir die besten Momente überhaupt erleben: Wir konnten die Erfolge mit den Athleten feiern. So eine Lebensfreude! Wenn man sich darauf einlässt, steckt einen das richtig an. Sich auch über kleine Dinge wie einen Getränkenachschub zu freuen, nicht alles für selbstverständlich zu nehmen.“

Wir freuen uns nur über erste Plätze und nicht mehr darüber, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind.


Maik: „Wir waren ja ein bisschen abseits vom Stadion am See. Bei den Siegerehrungen hab ich mir einfach das Mikro genommen und gesagt, jetzt machen wir hier auch mal Stimmung. Mit La Ola und allem. Das war prima. Eine Athletin hat ein Rad geschlagen, als sie im Vierer-Kanu Gold geholt hat. So eine Freude sieht man sonst im Profisport nicht. Ein anderer hat sich so gefreut, dass er alle umarmt und geküsst hat. Und am letzten Tag gab’s Tränen, da kam er und fragte mich: ‚Biste auch traurig? Ich bin auch traurig, muss wieder nach Hause‘. Das war herzergreifend.“

Ein Wort zu den sportlichen Leistungen?

Nicole: „Die Athleten sind wahnsinnig diszipliniert, man muss auf keinen warten. Alle sind pünktlich, wollen starten, sind fokussiert auf die Wettkämpfe. Und die Leistungen, wirklich irre. Die Leichtathleten haben mich wahnsinnig beeindruckt. Wie schnell manche gelaufen sind, und das bei der Hitze! Hätte ich nicht gewusst, dass das Special Olympics sind, hätte ich nicht erkannt, dass da Menschen mit Behinderung laufen.

Im Maschsee haben ja auch die Open-Water-Wettkämpfe stattgefunden. Die Sportler mussten dort 1500 Meter im freien Wasser schwimmen. Das war unglaublich. Überleg mal, wie lange du für diese Strecke brauchen würdest. Dreißig lange Bahnen im Schwimmbad.“

Maik Nickel bei den Special Olympics in Hannover

MODERATOR und Helfer: Maik Nickel 


Maik: „Und die Wassertemperatur lag höchstens bei 15 Grad. Einige Schwimmer waren nur in Badehose... Der schnellste Schwimmer hat bei der Qualifikation auf 1000 Meter nur 19 Minuten gebraucht. Der langsamste, ein Athlet mit Down-Syndrom, 44 Minuten. Super Leistung, à la bonheur!“

Wir verstehen doch auch manchmal Dinge nicht auf Anhieb und haben die eine oder andere Schwäche.


Habt ihr Kontakt zu Corporate Volunteers aus anderen Unternehmen gehabt?

Nicole: „Es waren Mitarbeiter von ABB vor Ort und auch viele Schüler aus Privatschulen in Hannover und Umgebung, die für diese Woche freigestellt waren. Das fand ich sehr gut, so ein Erlebnis baut wirklich Vorurteile ab. Gerade bei den Jüngeren hat man schon gemerkt, wie gehemmt sie am Anfang waren. Am zweiten Tag waren dann alle ganz locker und mit jedem in Kontakt. Man vergisst einfach schnell, dass der andere eine Einschränkung hat. Wir verstehen doch auch manchmal Dinge nicht auf Anhieb und haben die eine oder andere Schwäche. Und so ist das bei Menschen mit Behinderung eben auch.“

Lift unterstützt Special Olympics Deutschland seit 2013

Lift und Special Olympics

Die Lift Unified Laufgruppen sind eine Kooperation von Lift Apfelschorle und Special Olympics Deutschland. In sieben Bundesländern gibt es inzwischen schon über 70 Gruppen und Duos. Menschen mit und ohne geistige Behinderung treiben gemeinsam Sport und nehmen regelmäßig an Lauf-Events teil. Ziel ist es, Berührungsängste abzubauen und Akzeptanz zu fördern. Die Teilnehmer wollen sich bewegen, ihre Freude am Laufen weiterentwickeln und die eigenen Stärken besser kennenlernen. Anfänger, Gelegenheitsjogger oder langjähriger Athlet – jeder kann sich einer Laufgruppe anschließen. Mehr Informationen über Laufgruppen in deiner Umgebung gibt es auf der Lift Facebook-Seite.