In der ersten Staffel der Musikshow „The Voice of Germany“ schafft er es bis ins Finale. Danach lernt Max Giesinger, wie hart es zugeht im Showgeschäft. Schließlich nimmt er sein Glück selbst in die Hand und bittet seine Fans um Hilfe. Die spenden Geld – und finanzieren dem 25-Jährigen so sein Debüt-Album... 
Max Giesinger mit Fan

Fan Daniela und Sänger Max: „Alle Spender sind Teil des Albums“


Daniela steht mit ihrer Freundin in der ersten Reihe. Ihre Stimme ist geölt, die Lippen bewegen sich zum Takt. Die Musiktexte kennt sie natürlich auswendig, schließlich ist es schon ihr zehntes Konzert. Die 26-Jährige aus Dresden ist quasi Max-Giesinger-Fan seit der ersten Stunde, also seit seinen ersten Auftritten bei „The Voice of Germany“ Ende 2011. Heute Abend, es ist Ende März, ist es ein ganz spezielles Konzert. Denn bald erscheint das erste Album ihres Lieblingssängers – und das auch dank ihrer Hilfe. „Ich habe 25 Euro gespendet, mehr hatte ich nicht“, sagt Daniela. „Ich mag ihn und wollte ihn damit unterstützen. Hätte ich mehr Geld gehabt, hätte ich auch mehr gespendet.“ Aber warum zahlt Daniela überhaupt etwas für ein Album, das es noch nicht gibt?
Das Leben nach der Castingshow: „Ich war erschüttert“
Ein Rückblick: Nach einem halben Jahr als Straßenmusiker in Australien und einer - sagen wir: verkürzten - Banklehre („Nach vier Tagen hatte ich keine Lust mehr“), tingelt Max von Club zu Club. Schon jetzt lebt er von der Musik. Bei der Premieren-Staffel von „The Voice“ begeistert er die Zuschauer mit seiner natürlichen Art und sanft-rockigen Stimme. Er landet im Finale, belegt dort den vierten Platz. Aber was kommt nach so einer Casting-Show? Der Musiker aus Busenbach bei Karlsruhe hat keine Ahnung. Aber er merkt schnell: Es ist kein Kindergeburtstag. „Ich war erstmal etwas erschüttert vom Musikbusiness und wie es da zur Sache geht. Ich komme ja vom Dorf, also aus einer heilen Welt und glaube tendenziell eher an das Gute im Menschen. Dann ging es aber nur darum: Was bringt Geld?“
Max Giesinger

Irgendwas mit L? Laufen lernen im Musikbusiness - das ist Max Giesinger inzwischen gelungen


10 000 Euro für ein Album – und jetzt?
Es ist eigentlich nicht seine Welt, das merkt Max schnell. Einen Deal mit einer Plattenfirma lässt er platzen. Denn er will sich nicht verbiegen lassen, will das machen, worauf er Bock hat. Mittlerweile hat er ein „kleines, schnuckeliges Umfeld“ gefunden, in dem er sich wohl fühlt und sich auf das konzentrieren kann, was ihm am meisten Spaß macht: die Musik. Wäre da noch ein Problem. Ein Album zu produzieren, ist teuer – vor allem ohne große Plattenfirma im Rücken. Studio, Musiker, Promo, CD-Produktion, da kommen locker 10.000 Euro zusammen. Aber woher das Geld nehmen? Max und sein Team stoßen irgendwann auf das Konzept des „Crowd-Funding“. Mit solch einer Fan-Sammelaktion konnten schon die Macher der TV-Serie „Stromberg“ ihren Kinofilm realisieren.
Crowd-Funding: Spende gegen Skype-Konzert
Wie funktioniert's? Max postet Anfang Februar auf einer Crowd-Funding-Seite im Internet alle Infos zu seinem Projekt. Was will er mit dem Geld machen? Sein Debüt-Album produzieren. Wieviel Geld braucht er? 10.000 Euro. Wie lange soll die Aktion laufen? Einen Monat. Was bekommen die Fans als Dankeschön für ihre Spenden? Zum Beispiel ein Geburtstagsanruf für eine 25-Euro-Spende oder ein privates Skype-Konzert für 200 Euro. Dann geht’s los. Max ist nervös, weiß nicht genau, ob die Fans bereit sind, in seinen großen Traum zu investieren. „Das ist natürlich das Risiko. Wenn die Fans kein Geld zahlen, sind ja auch keine Leute am Start, die die Musik gut finden“.
Fans als Investoren: „Willst du mich verarschen?“
Aber es kommt alles ganz anders: „Wir haben die Aktion gestartet, ich war ein paar Stunden nicht online und dann meinte ein Freund: 'Max, wir haben schon 3500 Euro'. Ich dachte, der verarscht mich, das muss ein Computer-Fehler sein. Dann ging das erste Wohnzimmer-Konzert weg, eine Gitarrenstunde mit mir. Wahnsinn“. Innerhalb eines Tages sammeln die Max-Fans das nötige Geld, am Ende überweisen sie ihm mehr als 23 000 Euro. „Alle Spender sind Teil des Albums geworden. Es ist großartig, das mitzuerleben“, freut sich der Vollblut-Musiker. Mit dem überschüssigen Geld will er Promo und Werbung für das Album schalten, hat außerdem ein Musikvideo gedreht.
„Ich habe lange genug auf dieses Album gewartet“
Natürlich kann sich Max nicht bei all seinen Fans persönlich bedanken. Viele trifft er trotzdem, zum Beispiel nach seinen Konzerten. So wie Daniela, die ihm stolz von ihrer 25-Euro-Spende erzählt. „Für mich, war sofort klar, dass ich mitmache. Das hätte ich aber nicht für jeden gemacht“, sagt sie. „Aber ich habe auch lange genug auf dieses Album gewartet“. Für ihre Spende hat Max sie nach Mannheim eingeladen. Dort wird sie, zusammen mit anderen Fans, vorab in das Album reinhören können - in der Bar seines Bassisten. „Cool, da freue ich mich, das wird toll“, verabschiedet sich Max von Daniela. Alle anderen können das Album am 30. Mai kaufen. Es trägt den – passenden – Titel „Laufen Lernen“.
Auf 'ne Coke mit Max Giesinger
Was kann Max Giesinger am Besten im Haushalt? Und warum nannten ihn Mitschüler damals „Affengesicht“? Wir haben ihn gefragt: in unserer Interviewreihe „Auf 'ne Coke mit...“ (hier weiterlesen).