• Kulturschock zum Ferienende: Bei der Rückkehr aus dem Urlaub merken viele, wie wenig Charme wir im Alltag miteinander haben.
  • Muss das sein? Nein, findet unsere Autorin und sagt: Eigentlich ist es ganz einfach, das Leben bunter und freundlicher zu machen.
Ich komme aus dem Urlaub zurück. Entspannt, entschleunigt, gut gelaunt. Ich trete aus dem Flughafengebäude – der Alltag begrüßt mich sogleich mit voller Wucht. Der Busfahrer raunzt mich an: „Fahrschein bitte!“ Die Seifenblase platzt und alle mitgebrachte Wärme aus Italien verflüchtigt sich binnen Minuten.
Ich schaue auf meine Coca-Cola light Dose: „Du bist echt sexy, wenn du einfach du selbst bist.“, steht darauf. „Bin ich!“, sage ich mir. Ich atme tief durch und versuche mich zu erinnern, wann ich in Deutschland zuletzt ein Kompliment erhalten habe. Es fällt mir nicht ein. Wann habe ich selbst zuletzt ein Kompliment gemacht? Ich kann mich nicht entsinnen. Wieso erscheint mir Deutschland als Komplimente-Wüste?
Komplimente
Komplimente: Traut euch, Männer!


Wir leben in einer merkwürdigen Gesellschaft, in der es für Frauen selten geworden ist, ein Kompliment zu erhalten. Ist es nicht traurig, dass Männern häufig vor Angst die Knie schlottern, weil sie nicht wissen, welche Reaktion sie erwartet? Dabei ist es so einfach und auch wichtig, anderen Menschen zu sagen, warum wir sie wertschätzen. 
Nicht nur Männer scheinen verlernt zu haben, wie Komplimente richtig verteilt werden, auch uns Frauen fällt es schwer, mit Komplimenten umzugehen. Oft aus falscher Bescheidenheit. Wir haben es ja nicht anders gelernt. Das Kompliment wird sofort entschärft oder außer Kraft gesetzt, weil wir es nicht wahr haben möchten: Man kann nicht frisch aussehen, weil man nur so wenig Schlaf hatte. Die Frisur kann nicht sitzen, weil man ewig nicht beim Friseur war.

Was Frauen wirklich wollen

Doch wie kommt es dazu? In meiner Kindheit habe ich gelernt, mit den Komplimenten meiner Eltern umzugehen. Das Lob der Liebsten war die größte Anerkennung. Ich habe gelernt, mich selbst einzuschätzen und zu loben, mit meinen Leistungen zufrieden zu sein, oder mich beim nächsten Mal verbessern zu wollen.
Ich wurde zur Bescheidenheit erzogen. Bei Männern ist das anders. Meinem Bruder fiel es immer leichter, nach Komplimenten zu fischen. Oft wurden sie sogar eingefordert: „Hab ich das nicht gut gemacht?“ oder „Schau mal, was ich gemacht habe!“
Sätze, die jede Frau kennt.
Doch Männer wollen nicht nur gelobt werden, sondern möchten auch Lob verteilen. Wir Frauen machen es den Männern aber schwer. Ein Kompliment von einer anderen Frau nehmen wir gerne an. Da fühlen wir uns ernst genommen und verstanden.
Aber wir Frauen wollen nicht mehr nur für gutes Aussehen umschmeichelt werden. Ein ernstgemeintes Lob ist uns lieber als eine schmalzige Plattheit.

James Franco: Die Komplimente-Oase

Ähnlich geht es auch unserem Coke-Light Mann James Franco, der nicht nur gerne Komplimente verteilt. Er bekommt sie auch gern. Nicht nur für seine Lachfalten. Seine Freude war sicher riesig, als er auf seiner High School zum „Jungen mit dem schönsten Lächeln“ gewählt wurde. Heute aber legt er Wert auf andere Dinge. Er freut sich, wenn seine Kreativität gewürdigt wird. Anerkennung erhält er lieber für Eigenschaften, die ihm nicht so einfach in die Wiege gelegt wurden. Stolz ist er auf die Dinge, die er sich selbst erarbeiten oder erkämpfen musste. In dieser Hinsicht scheinen Männer und Frauen sich ähnlicher zu sein, als man denkt.
In Italien ist es gang und gäbe, Lob und Komplimente zu verteilen. Es gehört zum Lebensgefühl. Wirst du dort nicht mit Komplimenten überhäuft, läuft etwas falsch. Die Menschen sind freundlicher, das Leben scheint leichter. Im Urlaub genießen wir das. Warum packen wir dieses Lebensgefühl nicht einfach ein und freuen uns, wenn wir ein Kompliment erhalten? Warum fangen wir nicht selbst damit an Komplimente zu verteilen? Komplimente machen nicht nur andere glücklich, sondern auch uns selbst.

Das Kompliment als Lebensgefühl

Okay. Ich gehe zum Busfahrer und sage ihm, dass er viel jünger wirkt, wenn er lächelt. Er lächelt mich an. Als ich aussteige, ist die Stadt gleich weniger grau. Eigentlich ist es ganz einfach. Häufig sehen wir Dinge, die wir toll finden oder bewundern. Warum sprechen wir sie nicht aus? Es muss ja nicht immer die tolle Frisur sein oder das coole Outfit. Ein sympathisches Lächeln sollte doch schon genügen, oder nicht?
Sollte es euch schwer fallen, schaut den wundervollen Blog „A Compliment A Day“ an; die Bloggerin Rosa Stark macht dort jeden Tag einem anderen Menschen ein Kompliment. Oder greift auf unsere Coke light Dosen zurück und macht anderen damit eine Freude und euch selbst Freude auf!