Frechheit! Ich fühle mich unter Druck gesetzt. Ein Bettler, mit seinem traurig dreinblickenden Hund, genau vor der Tür meiner Bank.
Eigentlich will ich doch nur kurz an den Automaten. Jetzt muss ich mich einer Gewissensfrage stellen. Und schon fühle ich mich wie Ebenezer Scrooge, der hartherzige Alte in Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“. An nichts im Leben empfindet er mehr Freude, weil er sein Leben dem Geiz gewidmet hat. Bin ich etwa auch schon ein bisschen Scrooge?
Geld. Das sind Zahlen auf Bildschirmen, zerknittertes Papier, abgewetzte Metallstücke. Angeblich regiert es die Welt. Regiert es uns oder regieren wir mit? Diese Frage beantwortet sich recht schnell, wenn vor den Zahlen ein Minuszeichen steht. Fehlendes Geld kann uns unglücklich machen. Und viele von uns würden dem Komiker Danny Kaye zustimmen. Er sagte: „Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“
Warum wollen die meisten Menschen immer mehr, auch wenn sie schon mehr als genug haben? Das ist nach Ansicht vieler Wirtschaftsforscher ein Überbleibsel der Evolution. Es steckt in unseren Genen. Eine Strategie, die über Jahrmillionen unsere Weiterentwicklung gesichert hat. Ziel war nicht, uns glücklich zu machen, sondern unser Überleben zu sichern.
Wie Geld uns doch glücklich macht

Mihaly Csikszentmihalyi, der Glückforscher und Gründervater der positiven Psychologie stellte fest: Von Mitte der 50er bis Mitte der 90er Jahre hat sich das Durchschnittseinkommen in den USA verdreifacht, aber der Anteil von Menschen, die sich selbst als glücklich bezeichneten, blieb relativ konstant bei 30 Prozent. Armut kann unglücklich machen, Wohlstand macht nicht unbedingt glücklich. Sogar, wenn er kontinuierlich steigt. Es handelt sich um das sogenannte Easterlin-Paradox, das seit Mitte der 70er in den Lehrbüchern der Wirtschaftswissenschaft steht. Es sagt: Wenn die Grundbedürfnisse abgedeckt sind, führt mehr Geld nicht zu mehr Glück. Ein Anstieg des Verdienstes wird schon nach kurzer Zeit zur Normalität, zugleich steigen die Ansprüche. Mit der Folge, dass das Glücksniveau wieder auf den vorherigen Stand zurückfällt.
Diese Tendenz gilt bis heute. Der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und der Ökonom Angus Deaton von der Universität Princeton werteten mehr als 450.000 Antworten aus dem Gallup-Healthways Well-Being-Index von 2008 und 2009 aus. Das Ergebnis: Zwar waren die Befragten mit steigendem Verdienst glücklicher, aber nur bis zu einem Einkommen von 75.000 Dollar im Jahr, also etwa 60.000 Euro.
Da lobe ich mir ein eher bescheidenes Land wie Bhutan, wo sie sogar einen Minister für Glück haben und neben den Wirtschaftsdaten besonders das „Bruttonationalglück“ im Blick haben.
„Glück kann man nicht kaufen“. Dieser Satz erinnert an die romantische Vorstellung von „Hans im Glück“ aus Grimms Märchen: Am Ende hat er gar nichts mehr, aber „mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort.“
Aber der Satz stimmt nicht, sagen Elisabeth Dunn und Michael Norton in ihrem Buch „Happy Money“. „Wenn du denkst, mit Geld könne man kein Glück kaufen, gibt du es nicht richtig aus.“
Die beiden machten ein einfaches Experiment: Sie verteilten auf der Straße Umschläge an Passanten, in denen sich fünf Dollar befanden. Einer Gruppe sagten sie: Kauf dir etwas für dich oder begleiche deine üblichen Ausgaben. Der anderen Gruppe sagten sie: Nutze das Geld, um jemandem eine Freude zu machen oder für einen guten Zweck. Am Abend wurden die Leute befragt. Die Uneigennützigen waren deutlich zufriedener.
Geben ist seliger als Nehmen. Dieses Bibelwort ist damit also wissenschaftlich belegt. Wer es nicht religiös betrachten mag, kann Spenden auch als Einzahlung auf sein Karmakonto begreifen. Es funktioniert, so fanden Dunn und Norton heraus, für Arme und Reiche gleichermaßen – überall auf der Welt.
Der wichtigste Grundsatz, wenn man Geld glücksbringend ausgeben will, lautet: Erfahrungen sind besser als Dinge. Eine Reise ist besser als ein neuer Fernseher. Oder eben auch: Das Gefühl, jemandem eine Freude zu machen, macht uns zufriedener als noch ein neues Gadget. Das Ziel dabei sei, möglichst viel Glück aus jedem Euro zu quetschen.
Das hätte Scrooge, dem alten Geizkragen, sicher auch gefallen. So, jetzt schaue ich mal nach, ob der Mann mit dem Hund noch draußen vor der Tür sitzt.