Okay, erwischt! Ja, das ist ein Kugelschreiber. Und ja, ich habe ihn im Mund.
Ich sitze am Schreibtisch und mache ein Experiment gegen den Herbst-Blues. Dabei versuche ich, mich mit einer wissenschaftlich erprobten Methode in Stimmung zu bringen: Ich halte einen Kugelschreiber mit den Zähnen fest, ähnlich wie eine Zigarre. Dadurch wandern meine Mundwinkel automatisch nach oben. Und damit hebt sich auch meine Stimmung. Das besagt die in vielen Experimenten bestätigte Facial-Feedback-Hypothese

Wer fröhlich ist, lächelt. Aber umgekehrt gilt auch: Wer lächelt, wird fröhlich. 
Good News Warum Lachen gesund ist

Noch wirksamer ist es, richtig zu lachen. Egal ob mit oder ohne Grund. Lachen hat nicht nur eine erfrischende Wirkung auf unseren Geist, es ist auch einer der komplexesten Vorgänge in unserem Körper und löst ein Feuerwerk an Reaktionen aus. Wir schwimmen in Glückshormonen, der Blutdruck sinkt, das Herz-Kreislaufsystem trainiert wie beim Dauerlauf. Etwa 80 Muskeln beteiligen sich an einem Lacher, die Lunge bewegt das Drei- bis Vierfache an Luft. Die stoßartigen Atembewegungen massieren die inneren Organe. Stress wird einfach weggeblasen und unsere Immunabwehr läuft noch Tage nach einer ordentlichen Lachsalve auf Hochtouren. 
Das erfährt Norman Cousins, in den Sechziger Jahren einer der bekanntesten Intellektuellen der USA, am eigenen Leib, als bei ihm Spondylitis festgestellt wird. Eine überhaupt nicht witzige Auto-Immun-Erkrankung der Wirbelsäule. Die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate. Cousins ist Wissenschaftsjournalist. Er hat viele Berichte über den ungünstigen Einfluss negativer Gedanken auf die Körperchemie gelesen. Nun fragt er sich, ob ein positiver Gemütszustand den umgekehrten Effekt haben könnte. Er lässt sich Slapstick-Filme vorführen und von einer Krankenschwester lustige Bücher vorlesen. Seine Besucher bittet er, möglichst viel zu scherzen. Er will nicht bloß positiv denken, sondern eine Heiterkeit erleben, die „aus dem Bauch kommt“ und den gesamten Körper erfasst. Das tut sie rasch. Schon nachdem er zehn Minuten gelacht hat, kann er mindestens zwei Stunden lang schmerzfrei schlafen. Die Laborwerte bestätigen die Besserung. Cousins überlebt die Prognosen seiner Ärzte um mehr als 25 Jahre. 
Von William Fry, dem Begründer der modernen Lachforschung stammt der Satz: „Lachen ist Joggen im Sitzen.“ Als Fry an der Stanford-Universität sein Institut für Lachforschung gründet, wird er zunächst belächelt. Doch Fry macht ernst. Für seine ersten Experimente schaut er Klassiker von Laurel & Hardy und entnimmt sich selbst Blutproben. Er kann nachweisen: Nach einem Lachanfall finden sich im Blut mehr Abwehrstoffe als sonst. Heute wissen wir: Wir werden bei einer Erkältung sogar schneller gesund.
Und das, obwohl Lachen ansteckend ist. Das zeigen Tausende von Lachclubs in aller Welt. Sie betreiben Lachen zunächst als reine Yogaübung. Aber wenn die Leute erstmal ein paar Minuten lachen, werden sie auch wirklich lustig. Wer keine Gruppe in der Nähe findet, kann sich auch über Skype zu einer Lach-Video-Konferenz anmelden. Kein Scherz!
In einem meiner Lieblings-Youtube Clips mischt eine Lachgruppe die Berliner U-Bahn auf. Schon nach einer Minute gackert der ganze Wagon. Wenn ich mir das anschaue, brauche ich gar nicht mehr auf meinen Kugelschreiber zu beißen. Wäre doch gelacht.