So, die eine Schraube noch. Ja. Da haben wir’s. Vor mir liegt der Motor für das Gebläse.
Ich repariere gerade mein Auto, nach einer Anleitung auf Youtube. Die Lüftung ist mit Laub verstopft. Das passiert von Zeit zu Zeit. In meiner Straße stehen prächtige alte Bäume. Birken, Linden, Pappeln, Akazien. Beim letzten Mal legte der Mann in der Werkstatt die Stirn in Falten, dann strich er seinen Kittel glatt. Auf der Brust stand „Kundendienstmeister“. Er murmelte etwas von „Schwachstelle, bei diesem Modell.“ Dann knöpfte er mir ein paar Hundert Euro ab.
Heute zeigt mir ein Mann am anderen Ende der Welt, wie ich mir selbst helfen kann. Er sitzt irgendwo in Michigan oder Iowa, ich bin mir nicht ganz sicher, und er fährt das gleiche Auto wie ich. Ich nenne ihn Chuck.
Chuck spricht aus dem Smartphone, das auf dem Fahrersitz liegt, während ich die fünf Schrauben unter dem Handschuhfach löse, den Laub-Schmodder mit dem Staubsauger entferne und den Filter wechsele.
Youtube Tutorial
So geht's: Auto reparieren mit Youtube Tutorial

Wer bei Youtube „Tutorial“ eingibt, findet mehr als 90 Millionen Treffer. Überall auf der Welt arbeiten Menschen zusammen, ohne sich zu kennen. Sie teilen ihr Wissen und entwickeln Enzyklopädien oder Betriebssysteme für Computer. Sie lernen Gitarre spielen, Tango tanzen oder wie man das perfekte Steak brät. Schwarmintelligenz. Das können nicht nur Vögel, Bienen oder Fische.
Es gibt immer wieder dunkle Warnungen vor der „digitalen Demenz“. Angeblich vereinsamen wir und trainieren unser Gedächtnis nicht mehr. Einige neue Studien widersprechen dem. So baten Lehrer in Neuseeland ihre Schüler, Aufsätze in Internetblogs zu veröffentlichen. Außerdem ermunterten sie Freunde und Eltern, die Texte zu kommentieren. Die Noten stiegen sprunghaft an. Ein ähnlicher Versuch, bei dem kanadische Schüler ihre Arbeiten als Beiträge auf Wikipedia veröffentlichten, hatte den gleichen Effekt. Die Kids hatten einfach das Gefühl, für interessierte Leser zu schreiben anstatt für gelangweilte Lehrer – und gaben sich entsprechend Mühe.
Auch Erwachsene können von neuen Techniken profitieren. Sogar bei Daddelspielen. Berliner Forscher ließen eine Versuchsgruppe zwei Monate lang täglich 30 Minuten „Super Mario 64“ spielen. Eine zweite Gruppe durfte nicht spielen. Bei den Spielern zeigte sich eine Vergrößerung der grauen Substanz. Bei der Vergleichsgruppe nicht. Das Ergebnis: Selbst einfache Computerspiele vergrößern Hirnbereiche, die für räumliche Orientierung, Gedächtnisbildung, strategisches Denken und Feinmotorik zuständig sind. Und: Je mehr Spaß die Leute beim Spielen haben, desto ausgeprägter sind die Veränderungen im Gehirn.
Spielen schärft den Geist, das gilt, liebe Eltern, sogar für „World of Warcraft“. Gut allerdings, wenn man zwischendurch vor lauter Gehirntraining auch mal die Pausentaste findet.
Die Lüftung in meinem Auto ist jetzt so sauber, dass ich Allergiker zu einer Probefahrt einladen könnte. Arbeitszeit: 25 Minuten. Materialkosten: 18 Euro. Danke, Chuck!