Tore, Punkte, Titel: Profi-Fußballer kämpfen in ihrer Karriere um kaum etwas anderes. Es gibt aber auch Sportler, die fighten nach dem Spiel weiter. Sie engagieren sich für den guten Zweck, gegen Hunger und Armut. Neven Subotic von Borussia Dortmund: ein Profi, für den Fußball längst nicht alles ist.
Dortmund, 9. April 2013: Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn. Die Zuschauer im Stadion werden an diesem Abend Zeugen eines echten Fußball-Wunders. Mittendrin: BVB-Verteidiger Neven Subotic. Der Serbe liegt nach 90 Minuten mit seinem Team 1:2 gegen Malaga zurück. Es wäre das Aus im Viertelfinale der Champions League. Dann aber kommt die Nachspielzeit. Und die 69 wohl verrücktesten Sekunden der Dortmunder Fußball-Geschichte. 69 Sekunden, in denen Borussia Dortmund noch zwei Tore schießt. 69 Sekunden, die den Einzug ins Halbfinale bedeuten.
 

69 Sekunden – in dieser Zeit verhungern weltweit 19 Menschen

Szenenwechsel. Äthiopien, Tigray-Region, Hawzen, Juni 2014: Neven Subotic schreitet einen beschwerlichen Weg aus Sand und Steinen entlang. Keine 60.000 Fans, die ihn anfeuern. Keine Fotografen, keine Mitspieler. Nur er und Welday. In einer anderen Welt. So scheint es jedenfalls. Subotic hat mit dem zehnjährigen Jungen Wasser aus einem Brunnen gepumpt. Jetzt trägt er den gelben Kanister den Hügel hinauf zu Weldays Familie. Mutter, Oma, Geschwister erwarten die zwei in der kleinen Steinhütte. Jeden Tag schleppt der Kleine kanisterweise das Wasser hinauf. Aber er ist froh. Denn der Brunnen ist neu. Er wurde mit Hilfe der Neven-Subotic-Stiftung gebaut.

Schon 2006 unterstützt Subotic die ersten Charity-Projekte

Neven Subotić Stiftung
Neven Subotic will mit seiner Stiftung Brunnen errichten

„Ich unterscheide nicht zwischen Menschen in Deutschland, der Heimat meiner Eltern oder Afrika. Für mich sind wir eine Welt“, sagt Subotic. „Das sind alles unsere Freunde, Brüder und Schwestern. Darum wollte ich diesen Menschen mit meinen Projekten helfen.“ Die ersten Charity-Aktionen unterstützt er 2006, als er aus den USA nach Mainz wechselt. Er übernimmt die Patenschaft für ein Waisenhaus und merkt, dass ihm die Arbeit Spaß macht. Auch wenn er sonst ein Teamplayer ist, erkennt er schnell, dass er hier – abseits des Platzes – sein eigenes Ding machen will. Etwas, hinter dem er zu 100 Prozent steht. Darum gründet er 2012 seine Stiftung. 

Er kam, sah und baute Brunnen

Seine Gegner sind dabei vor allem Wassermangel und fehlende Hygiene. Zwei Drittel der Landbevölkerung in Äthiopien haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Menschen müssen teilweise kilometerweit gehen, um Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen. Die Sterberate bei Kleinkindern ist hoch, viele leiden an Magen-Darm-Erkrankungen und Würmern. Darum will Neven Subotic in den Dörfern der Region so viele Brunnen wie möglich errichten. Dazu werden Zement, Pumpen, Rohre, Techniker und vieles andere benötigt. 7.500 Euro kostet ein 50 Meter tiefer Brunnen. Die Dorfbewohner werden in den Bau einbezogen, damit das Geld vor Ort bleibt und sie sich zugleich auch mit der Nutzung und Wartung der Brunnen vertraut machen.

Hygienische Schultoiletten stärken das Selbstwertgefühl

Neven Subotić Stiftung
Profi-Fußballer Neven Subotic engagiert sich in Äthiopien für sauberes Trinkwasser

Auch in den Schulen ist verschmutztes Wasser ein großes Problem. Mehr als die Hälfte der Mädchen gehen besonders während ihrer Menstruation nicht zur Schule, weil es dort keine Toiletten und Waschbecken gibt. Darum baut Subotic dort mit dem aktuellen Projekt „100% Hygiene“ Sanitäranlagen und Wasserbrunnen. „Kinder gehen viel lieber zur Schule, wenn sie dort saubere Toiletten vorfinden und ihr Geschäft nicht in der Öffentlichkeit verrichten müssen. Wir stärken so das Selbstwertgefühl und bereiten die Grundlage dafür, dass die Kinder Spaß am Lernen bekommen“. Subotic hofft, dass so viele Kinder den Teufelskreis der Armut durchbrechen, einen Abschluss machen und so einen Job in der Großstadt finden können, um ihr eigenes Leben zu verbessern.

Die Stiftung als Zweitjob

„Wieviel man bewirkt, hängt davon ab, wieviel man in eine Sache investiert.“ Davon ist Subotic überzeugt. Darum nimmt er die Sache selbst in die Hand. Er kümmert sich um Internetauftritt, Mailanfragen, Spendenquittungen. Er nimmt Schecks entgegen, stellt seine Projekte in Schulen vor. Er liest Bücher über Brunnenbau, telefoniert mit Partnerorganisationen vor Ort in Afrika. Das alles erledigt er neben dem fast täglichen Training, Champions-League-Reisen und Pokalspielen. „Die Spender sollen wissen: Ihr Geld kommt direkt bei den Menschen an. Es geht nichts für Organisatorisches drauf. Alle Verwaltungs-, Reise-, und sonstige Nebenkosten zahle ich alles aus meiner Tasche“, sagt der 25-Jährige. Transparenz ist ihm wichtig. Denn Transparenz schafft Vertrauen. Bislang sind über 335.000 Euro an Spenden zusammengekommen. Natürlich nicht nur von BVB-Fans.
Neven Subotić Stiftung
Subotics Traum: Den Teufelskreis der Armut durchbrechen und Kindern eine Chance geben

Eines Tages kommt ein Brief

Wer mit Subotic über seine Stiftung spricht, merkt schnell: Dieser Mann, selbst im bosnischen Kriegsgebiet geboren, lebt nicht nur für den Fußball. Er engagiert sich gerne. Und intensiv: Vor dem Training, in der Mittagspause oder nach Spielen kümmert sich Subotic um seine Stiftung. Auf seinem Desktop und seinem WhatsApp-Profilbild lachen ihm afrikanische Kinder entgegen. „Die Arbeit an meinen Projekten macht mir einfach sehr viel Spaß, sie macht mich und vor allem andere Menschen glücklich. Ich habe nur ein Leben, und das will ich nutzen“, sagt Subotic. Was sein Traum im Leben ist? Der Gewinn der Champions League vielleicht? „Mein Traum ist, in 20 Jahren eine Mail von einem Kind zu bekommen, dem ich durch meine Stiftung ein erfülltes Leben ermöglicht habe. Da würde ich heulen.“

Infos zur Neven-Subotic-Stiftung gibt’s hier oder bei Facebook!