Sie kamen mit Laptops, Schlafsäcken und einer riesigen Menge Motivation: 115 Frauen aus zehn verschiedenen Ländern programmierten und gestalteten ein Wochenende lang, was das Zeug hält. Das Ergebnis: 27 IT-Lösungen, die unser Leben leichter machen.

An einem Oktober-Wochenende  kamen in die Coca-Cola Zentrale internationale Programmiererinnen, Netzwerkerinnen, Grafikerinnen und Hobby-Hackerinnen zum bislang größten Frauen-Hackathon in Berlin. Hacken bedeutet dabei nicht, dass Computernerds die Geheimnisse großer Banken aus dem Netz ziehen. Hacken bedeutet, Systeme zu verstehen, zu kombinieren und etwas Neues aufzubauen. Genau das geschieht bei einem Hackathon. Nur eben unter Marathon-Bedingungen. Zum Ideenfinden, Teambilden, Programmieren, Gestalten, Fertigstellen und Präsentieren hatten die Teilnehmerinnen 48 Stunden Zeit.

Hackerthon

Frauen und Technik

Ein Hackathon ist eigentlich nichts Neues, ein Frauen-Hackathon schon. Statt den üblichen 97 Prozent Männern programmierten in Berlin 100 Prozent Frauen. Organisiert wurde das „Women in Tech“-Treffen von den „Berlin Geekettes“, einem Zusammenschluss junger Technikspezialistinnen. Erklärtes Ziel der Geekettes ist es, Frauen in Technikberufen zu vernetzen, Vorbilder für Nachwuchskräfte zu zeigen und Mädchen für Technik zu begeistern. Das alles funktionierte wunderbar beim Hackathon in Berlin. Die jungen Frauen, die es gewohnt sind, sich inmitten einer Überzahl von Männern ihren Platz zu erkämpfen, genießen es, unter gleichen zu arbeiten. „Die Atmosphäre ist viel entspannter als bei ‚gemischten’ Veranstaltungen. Wir haben keinen Konkurrenzdruck und arbeiten viel konzentrierter“, erzählt Skali aus Polen. Sie hat mit einer Freundin eine Motivations-App für Frauen entwickelt.

Mit Coke durch die Nacht

Auch wenn die Wangen vor lauter Tüftelei glühen, machen die Hackerinnen zwischendurch Pause. Sie ziehen sich in die Coke-Kantine zurück, reden, netzwerken, lernen Origami oder machen Yoga. „Die Verpflegung ist übrigens ganz anders als bei anderen Hackathons“, erzählen Tina und Anne von den Hamburg Geekettes. „Dort gibt es immer Pizza, Chips und Burger“ – Männeressen eben. In Berlin halten sich die weiblichen Technikfreaks mit Nudeln, Rohkost und Coke auf den Beinen. Die emsigsten unter ihnen machen sogar die Nacht durch. Eine Mischung aus Begeisterung und Technikproblemen, die fix gelöst werden wollen, halten eben wach.

115 Gewinnerinnen

Hackerthon

Wie bei jedem Hackathon gab es Preise von verschiedenen Sponsoren zu gewinnen. Die glücklichen Siegerinnen haben eine Reise in die Coca-Cola Zentrale nach Atlanta zu einem Treffen mit Top-Managerinnen gewonnen. Denn die Vernetzung untereinander war ein wichtiges Ziel der Veranstaltung.

So sehen es Nadine Ziese, die Personaldirektorin der Coca-Cola GmbH, und Jess Erickson, die Gründerin der Berlin Geekettes. „Ihr habt alle gewonnen!“, rief Jess deshalb den glücklichen Hackerinnen nach über 24 h Hacken zu. „In unglaublich kurzer Zeit habt ihr fantastische Programme gebaut. Das Wichtigste aber ist die Motivation, die ihr mit nach Hause nehmt.“ Das Feedback der Teilnehmerinnen klingt ähnlich. „Ich war nah dran, meinen Job als Programmiererin aufzugeben“, erzählt eine Hackerin. „Hier aber habe ich gesehen, dass es riesigen Spaß macht, wenn man mit den richtigen Leuten zusammenarbeitet.“

Atlanta im Blick

Den begehrten ersten Platz machte schließlich das Aufklärungsspiel einer siebenköpfigen Gruppe aus Berlin, Hamburg und München. „Period Quest“ heißt ein Spiel, das Mädchen in Entwicklungsländern rund um ihre Menstruation aufklären soll. Bedarf gibt es mehr als genug: 48 Prozent der Mädchen im Iran, zehn Prozent in Indien und sieben in Afghanistan halten die Menstruation für eine Krankheit. Danielle Keiser, gebürtige Kalifornierin aus Berlin, ist überglücklich: „Es war eine unglaubliche Erfahrung, mit diesem Team zusammenzuarbeiten. Wir kannten uns vorher nicht, jede brachte andere Erfahrungen und ein anderes Wissen ein, und am Ende stand ein großartiges Ergebnis. Wir werden auf jeden Fall weiter zusammen arbeiten.“

Und warum unterstützt Coca-Cola die Hackerinnen? „Aus Begeisterung für eine große Idee“, sagt Nadine Ziese. „Die Geekettes stehen für echte Innovationen. Wir finden den Ansatz klasse, weil auch für uns die Förderung von Frauen sehr wichtig ist. Weltweit ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei Coca-Cola in den letzten fünf Jahren um über 25 Prozent gestiegen, in Deutschland haben wir fast 40 Prozent Frauen in der Geschäftsführung.“ 

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