Wer zur Zeit einen orangefarbenen VW Bulli bei der Fanta Sampling-Tour auf der Straße sieht, denkt: Oh, wie süß! Dabei wurde der VW Bulli eigentlich als Arbeitstier gebaut. Das hat nicht verhindert, dass ganze Generationen in ihm ein Sinnbild von Freiheit und Abenteuer sahen. Unser Autor hat es erlebt. Er fuhr mit zwei Freunden im Bulli zum Horizont und einfach weiter. Bis nach Damaskus.
Es war Sommer. 1994. Die Welt lag uns zu Füßen. Nach Monaten endloser Schrauberei und dem stümperhaften Versuch einer Lackierung war das Prachtstück fertig. T2, Baujahr 1978.
Ein aufmunternder Hammerschlag auf den Anlasser, Kinderkrankheit des VW Bulli, und schon blubberte die Zwei-Liter-Maschine verlässlich. Erstmal in die Sonne und dann halt weiter. Das hatten wir uns vorgenommen.
VW Bulli – Diashow – Coca-Cola Journey

12.000 Kilometer Sehnsucht mit dem VW Bulli

Vorne war Musik, hinten war es laut. Nach 300 Kilometern hatten wir eine Sitzplatzrotation eingeführt. Jeder sollte mal nach hinten, zum Motor. Die Maschine schnurrte nicht, sie schrie. Außerdem wurde es ziemlich warm, nein heiß, und der Benzingeruch bahnte sich zuverlässig den Weg in die hintere Kabine. So roch also Abenteuer. 
Weil bei dem Krach ohnehin keiner schlafen konnte, ging es ans Kilometerfressen. Perlen wie Prag und Budapest blieben unbeachtet an der Strecke liegen. Die erste Rast am Balaton: nur eine schemenhafte Erinnerung. Rumänien hatte das Joch der Diktatur erst abgeworfen und war herrlich unfertig. Die Straßen und Wege durch die Karpaten hätten wohl jedem anderen Bus das Genick gebrochen. Die Polizei tauschte schwarz, an der Straße winkten Kinder und zehnjährige Hirtenjungen verlangten nach Zigaretten. Wir verschenkten Kaugummis und hatten längst das Band in die Heimat gekappt.


VW Bulli – ein globaler Bestseller

VW Bulli – Fanta Klassik – Coca-Cola Journey
On the road: Fanta Klassik


Vor 65 Jahren rollte der erste VW-Bus vom Band und der Nachfolger, der legendäre T2 gehört zu den am längsten gebauten Autos der Welt. Bis 1979 wurden allein in Hannover 2,5 Millionen Exemplare hergestellt. Der letzte VW Bulli rollte gleich von der Fabrik in die Oldtimer-Ausstellung von VW. Auch das sollte einmalig sein. 
Einmalig auch das Fahrgefühl: das große Lenkrad und der Sitz auf der Vorderachse. Die erhöhte Position erlaubt den Blick in die Ferne. In einem Bulli geht es praktisch zu jeder Tageszeit in den Sonnenuntergang. 


Liebe Menschen, schräge Vögel

Die halbe Reisekasse ließen wir in Istanbul. Was für eine Nacht! Durch unseren Umbau mit mobiler Herdeinheit waren wir quasi Selbstversorger und auch mit schmalstem Budget weiter im Vorwärtsgang. Das Gefühl von Freiheit entsteht am Lagerfeuer, nicht am Hotelpool. Je weiter die Reise, um so herzlicher wurden wir aufgenommen, von lieben Menschen und schrägen Vögeln. 
Weiter durch harzig riechende Strauchwälder nach Syrien – Aleppo, Palmyra, Damaskus. Ein Sonnenaufgang in der Wüste, ein Bad im Eufrat, endlose Teestunden mit einem Beduinen im Wadi. Der Bulli brachte uns an Orte aus 1001 Nacht, Orte die heute für Krieg und Verderben stehen. Der VW Bulli ließ uns nie im Stich. 12.000 Kilometer Sehnsucht, Abenteuer und Spaß. Wir kamen als andere zurück.
Inzwischen sind 21 Jahre vergangen, das Leben ist heute ein anderes und die Bahnen scheinen geordnet. Kürzlich hat sich ein Kollege zu Flitterwochen im VW Bulli entschieden, der sonst die Bequemlichkeiten der modernen, digitalen Welt in vollen Zügen genießt. Ich kann verstehen, was er suchte und fand. Wenn ein Bulli vorbeifährt, halte ich bis heute inne und schnuppere in der Erinnerung nach Jugend, Abenteuer und Geschichten, die lebendig bleiben. Vielleicht riecht es noch ein wenig nach Benzin und dem Staub der Landstraße.
Es war unser Bulli und der Sommer meines Lebens.