Vier Männer, vier Wochen und 3.333 km auf dem Rad: Das ist der Plan. Gemeinsam mit seinen Freunden will Marcel Gläßer die 100. Tour de France nachfahren. Trotz eines Schicksalsschlages und für einen guten Zweck.
Hier berichten Marcel Gläßer und seine Freunde von ihren Erlebnissen während ihrer Tour für uns.
Vier Freunde auf der „Tour 3333“
Nach dem Radeln: Entspannung auf der Fakir-Matte

Von Montag bis Donnerstag war es soweit: die erste, aber auch letzte Erholungspause unserer „Tour 3333“. Wurde auch Zeit, wo wir jetzt zwei Wochen lang jeden Tag auf dem Rad verbracht haben. Wie gut, dass Adrian Massage-Kurse belegt hat. Manchmal musste es aber auch eine Akupunktur-Matte tun. Für die Fakire unter uns ein reines Vergnügen!
Seit Samstag sind wir nur noch zu Dritt unterwegs. Christian hat uns planmäßig nach Beendigung der “Hochzeitspaar Perne” – Etappe verlassen. Für uns standen am nächsten Tag noch ca. 95 km bis Ajaccio an. Das Höhenprofil glich dem einer Ehe, liebes Hochzeitspaar Perne: hoch und runter!
Eine schöne Überraschung wurde uns von unseren ehemaligen Handballtrainern Anja und Hanjo bereitet. Sie sind während ihres Korsika-Urlaubes früh morgens aufgestanden und auf den Berg gefahren, um uns mit Sprühkreide anzufeuern! Was für eine schöne Aktion! Hat uns gleich motiviert, noch einmal ein paar Watt mehr zu treten.
Am 12.9. geht es dann an die 213 km von Porto Vecchio nach Bastia. Wir werden die Etappe dreiteilen und abends von Bastia nach Nizza fahren, um am französischen Festland die letzten Strecken in Angriff zu nehmen.
Vier Freunde auf der „Tour 3333“
Jetzt nur noch zu dritt: Marcel, Fabian und Adrian in Ajaccio

Jetzt steht noch eine Etappe an und dann ist der Abschnitt Korsika für uns auch schon wieder vorbei. Was dann folgt, sind lange Etappen bis in die Pyrenäen, die am Ende unserer Tour liegen. Am 19.09. geht es dann wieder zurück nach Deutschland. Wir bedanken uns jetzt schon für die große und wunderbare Unterstützung durch euch mit einem Liedchen und hoffen, ihr fiebert weiter mit uns mit!
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Die „Tour 3333“ ist seit einer Woche unterwegs

Unsere aktuelle Etappe führte uns zunächst von Vaison-la-Romaine nach Gap, um dann mit dem Bergzeitfahren von Embrun nach Chorges abzuschließen. Insgesamt ist das eine Strecke von 200 km.
Tour 3333 Bericht
Traumhafte Landschaften gehören zur Tour

Um 6 Uhr hieß es: Aufstehen, schnelles Frühstück und los - bei traumhaftem Wetter. Insgesamt zwei Anstiege der Kategorie 2 waren zu bewältigen: der Col de Macuègne und der Col de Manse.
Die Landschaft einfach traumhaft, vorbei an Montbrun-les-Bains, einer Stadt, die sich wie in Stein gemeißelt am Hang von ihrer prächtigen Seite zeigte. Das Bergzeitfahren startete in Embrun, einem kleinen Städtchen am Lac de Serre-Ponçon, eingebettet in eine hohe Berglandschaft und wurde mit einem traumhaften Blick über einen azurblauen See belohnt.
Jetzt geht es für Marcel und Fabian, von Gap startend, nach Alpe d`Huez: Die Königsetappe – Sie trägt den Namen der “Kirmesgesellschaft Boden” – durch die Ersteigerung des Namens auf unserem Spendengalaabend. Ein großer Name, ein großer Berg. Die Bekanntschaft aus Luxemburg, getroffen auf dem Gipfel des Mont Ventoux, berichtete von lediglich 4 Grad Celsius sowie Hagel im vergangenen Monat. Wir hoffen, dass das Wetter, wie die letzten Tage, auf unserer Seite ist und wagen den Anstieg.
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April 2011. Auf der B49 bei Neuhäusel (Westerwald) kommt es zu einem schweren Autounfall, bei dem es fünf Verletzte gibt. Einer von ihnen ist Marcel Gläßer. Sein rechter Oberschenkel ist zertrümmert. Vor dem passionierten Handballspieler liegt eine zweijährige, schmerzhafte Reha-Phase und die Aussicht, nie mehr Leistungssport machen zu können.
Seine drei Freunde aus dem Handballverein Adrian Szary, Fabian Hering und Christian Klapthor weichen in dieser Zeit nicht von seiner Seite. Auch, als er mit einem zunächst unmöglichen scheinenden Plan an sie herantritt. Marcel will gemeinsam mit ihnen die 100. Tour de France nachfahren, das härteste Fahrradrennen der Welt. Am 25. August 2014 haben sich die vier auf den Weg gemacht. Vier Wochen werden sie die einzelnen Etappen für einen guten Zweck – nein: für gleich drei gute Projekte! – abradeln.
Vier Freunde auf der „Tour 3333“
Für jeden gefahrenen Kilometer gibt es eine Spende von 3 Euro für drei Projekte in der Region Montabaur


Vor ihrer Abreise aus Montabaur nach Paris haben wir mit Marcel Gläßer und Adrian Szary über die vor ihnen liegende Wahnsinnstour gesprochen.

Marcel, du warst nach dem Unfall erst einmal ans Bett gebunden und hast viel ferngesehen – unter anderem die Tour de France. Aber der entscheidende Anstoß für euer Projekt war ein anderer.
Marcel: In den zwei Jahren nach dem Unfall brauchte ich vor allem ein neues Langzeitziel. Durch Mission Olympic in Montabaur im letzten Jahr haben wir gesehen, was für eine Kraft man aus dem Sport schöpfen kann. Sport definiert sich für uns vor allem durch Gemeinschaft: gemeinsam etwas zu erreichen. Dafür ist Mission Olympic ein Sinnbild. Also dachte ich, warum nicht die Tour de France mit meinen Freunden nachfahren?
Adrian, hast du damals gedacht, der spinnt?
Adrian: Keiner von uns hatte damals einen Bezug zum Radsport. Eigentlich gab es für mich nur zwei Möglichkeiten: Ihn hängen zu lassen oder ihm Mut zu zusprechen und durch das Ziel, das er sich gesetzt hat, gemeinsam wieder nach vorne zu schauen. Also klar, war ich sofort mit dabei. Zwei, drei Monate später war Marcel auf Krücken mit mir im Geschäft und wir haben uns Fahrräder gekauft.
Marcel: Ein Jahr später konnte ich Radfahren. Irgendwann haben sich dann auch Fabian und Christian Rennräder zugelegt und waren von der Idee Feuer und Flamme.
Ihr radelt aber nicht nur, um euch selbst etwas zu beweisen.
Marcel: Uns war besonders wichtig, mit der Tour etwas Konkretes und Sichtbares zu erreichen und vor allem regionale Projekte zu unterstützen. Jeder von uns hat irgendwie eine Idee dazu gepackt und das Projekt wurde immer größer, bis es die „Tour 3333“ wurde.
Vier Freunde auf der „Tour 3333“
Alle Spenden werden komplett weitergereicht. Die Kosten für die Tour tragen Macel Gläßer und seine Freunde selbst

Adrian: „Tour 3333“ deswegen, weil sich die „3“ irgendwann durch alles zog, was damit verbunden war. Die Strecke, die wir fahren, ist ca. 3.333 Kilometer lang; jeden einzelnen Kilometer, den wir fahren, „verkaufen“ wir ab drei Euro Spende für drei Projekte in der Region Montabaur.
Diese Spenden reicht ihr komplett weiter, da ihr alle Kosten für eure Tour aus eigener Tasche zahlt. Welche Einrichtungen und Projekte wollt ihr unterstützen?
Marcel: Zum einen das Ambulante Kinderhospiz in Koblenz. Die Spende soll dazu genutzt werden, ein behindertengerechtes Auto für die 10-jährige Amy zu kaufen, die seit einem Unfall im Freibad vor 5 Jahren im Wachkomazustand ist und dort betreut wird. Eine weitere Spende geht an die Kinder- und Jugendhilfe Arenberg und soll der Errichtung von Außensportanlagen dienen. Und die dritte Spende geht an das Haus der Jugend Montabaur e. V. und wird Sportspielgeräte fürs Verleihsystem finanzieren.
Habt ihr schon alle Kilometer eurer Tour verkauft, oder kann man euch auch noch während der Tour mit Spenden unterstützen?
Marcel: Das geht natürlich noch. Wir bieten ja verschiedene Spenden-Möglichkeiten. Durch den Erwerb eines Etappen-Namens oder einer Spendenurkunde kann uns jeder helfen, so viel finanzielle Unterstützung wie möglich für die drei Einrichtungen zu sammeln. Die Spenden sammeln wir übrigens mithilfe der Münzstiftung aus Montabaur, ein im Sport sehr engagierter Verein, der uns garantiert, dass auch wirklich jeder Cent transparent an die drei genannten Einrichtungen geht.
Ihrsteht ja praktisch schon in den Startlöchern. Ganz auf euch allein gestellt, mit einem Wohnwagen und ohne großes Versorgungsteam wie es die Profis der Tour de France haben. Ist euch nicht doch ein wenig mulmig?
Adrian: Trotz sportlicher und organisatorischer Herausforderungen: Die Vorfreude überwiegt definitiv! Wir sind gut vorbereitet und haben viel trainiert. Fabian hat zum Beispiel seinen ganzen Jahresurlaub genommen. Ich habe an meiner Sportschule einen Massage-Kurs absolviert, damit ich die Jungs massieren kann. Die härteste Etappe wird sicher die letzte durch die Pyrenäen – drei Tage im Hochgebirge. Wir hoffen, es klappt alles und Stürze oder platte Reifen bleiben aus.
Vier Freunde auf der „Tour 3333“
Die Tour soll etwas Konkretes und Sichtbares erreichen und vor allem regionale Projekte unterstützen

Marcel: Am Ende geht es ja nicht nur um die sportliche Leistung. Schon im Vorfeld der Tour sind viele tolle Sachen und Aktionen erstanden. Von Marathonläufen, Spendengalas bis hin zum Schulprojekt „3333 – Kinder helfen Kindern“ .
Das heißt: Aufgeben gibt’s nicht?
Marcel: Am Anfang hat uns noch keiner ernst genommen. Wir haben aber trotz Rückschlägen, auch gesundheitlicher Art, daran festgehalten. Es ist wichtig, das man Träume hat und diese auch erreichen kann. Mich haben immer die sportlichen Leistungen und die Motivation des großartigen Marathon-Sportlers Allistair McCaw inspiriert. McCaws Grundsatz ist auch meiner geworden: „Everything is possible – always believe!“
 
Marcel Gläßer und seine Freunde werden von ihren Erlebnissen während ihrer Tour für uns berichten.
Aktuelle Informationen und Details zu Spendenmöglichkeiten gibt es auf der Webseite der „Tour 3333“  und auf Facebook.