Gutes zu tun ist gar nicht so schwer. Kein Mensch muss ans andere Ende der Welt reisen, sein Erspartes spenden oder täglich bereitstehen und helfen. Manchmal reicht es, andere zu bekochen, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Das geht zum Beispiel im Ronald McDonald Haus im Berliner Wedding.

Ein Abend wie ein Urlaub

Jenny Mädel
Leiterin Jenny Mädel und die Familien im Ronald McDonald Haus Berlin-Wedding freuen sich über die Unterstützung

Das Ronald McDonald Haus ist ein Zuhause auf Zeit für Familien, deren schwer kranke Kinder im Deutschen Herzzentrum Berlin oder der Charité Campus Virchow-Klinikum behandelt werden. Der Krankenhausaufenthalt in Berlin bedeutet für die Eltern und Geschwister nicht nur Hoffnung und Sorge um das schwer kranke Kind, sondern auch, dass Mutter, Vater und Geschwister für die Dauer der Behandlung ihr Leben komplett umstellen müssen. Sie ziehen auf unbestimmte Zeit nach Berlin, geben zum Teil Arbeitsstellen und Schulfreunde auf, verbringen die Tage in der Klinik und kommen abends ins Ronald McDonald Haus. Wenn ein Tag von Krankheit, Sorge und Ungewissheit bestimmt ist, kann ein unbeschwertes Essen wie ein kleiner Urlaub sein, der Kraft schöpfen lässt für die Zeit danach. „Einmal in der Woche wollen wir die Familien ein bisschen ablenken. Da kochen wir für sie,“ erzählt Jenny Mädel, die Leiterin des Ronald McDonald Hauses Berlin-Wedding. Den Kochabend für die 34 Familien übernehmen entweder ehrenamtliche Mitarbeiter des Hauses oder Firmen und Teams, die sich sozial engagieren möchten.

Wenn Coca-Cola Festessen kocht

„2010 wurden wir auf das Ronald McDonald Haus aufmerksam,“ erzählt Inka Rosini, die Leiterin der Abteilung Innovations- und Portfolio Management Marketing der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG. „Wir wollten als Team etwas Gutes tun und suchten eigentlich ein Engagement, das uns nur einmalig bindet.“ Als sie zum ersten Mal zum Kochen antraten, wurde der Abend ein so großer Erfolg, dass das Team sich spontan vornahm, in Zukunft fest zwei Mal im Jahr im Ronald McDonald zu kochen. Inzwischen waren sie bereits zum sechsten Mal zu Gast in der Küche. Und immer, wenn ein Menü aus dem Hause Coca-Cola angekündigt wird, wissen die Mitarbeiter und Bewohner, dass wieder ein ganz besonderer Abend bevorsteht.

„Wir freuen uns immer sehr, wenn das Team von Inka Rosini zum Kochen zu uns kommt,“ erzählt Jenny Mädel. „Sie kennen sich hier mittlerweile richtig gut aus, können die Situation der betroffenen Familien einschätzen, kochen unglaublich lecker und bringen positive Energie und Optimismus ins Haus. Es tut den Familien, die sich den ganzen Tag um ihr krankes Kind kümmern, gut, wenn ihnen jemand einen unbeschwerten Abend schenkt.“ Von einem gelungenen Abend profitieren aber nicht nur die Familien, sondern auch das Team. Die Hobbyköche haben mit Vorbereiten, Kochen, Bedienen und Aufräumen zwar viel Arbeit und sind danach, wenn gegen 23 Uhr die letzten Spuren des Festessens beseitigt sind, rechtschaffen erschöpft. Gleichzeitig erleben sie den Abend als nachhaltige und sinnstiftende Teambuilding-Maßnahme.

Im Team Gutes tun

Dass die gemeinsame Aktion nicht nur dem Haus, sondern auch den Helfern viel bedeutet, das erlebt auch Janina Knörr. Sie war bisher drei Mal mit den Teamkollegen im Ronald McDonald Haus und ist von der Aktion begeistert. „Es ist einfach ein schönes Gefühl den Leuten zu helfen. Die sind in einer schwierigen Situation und wir sorgen dafür, dass sie sich hinsetzen können und ihre Sorgen ein wenig vergessen. Uns macht es wirklich großen Spaß, sie einen Abend lang wie Könige zu behandeln.“ Auch wenn das Event selbst nur einen Abend dauert, ist das Kochen für das Team eine langfristige Aktion. Etwa vier Wochen vor dem Termin beginnen die Vorbereitungen mit Rezeptsammlungen und Ideenfindung. Immer stehen die Abende unter einem kulinarischen Motto. Mal wird aufwändig gegrillt, mal gibt es ein mehrgängiges italienisches Menü. „Wir kochen keine wahnsinnig raffinierten Gerichte, aber wir geben uns sehr große Mühe. Das ist immer alles sehr akribisch durchgeplant. Schließlich sind wir Projektmanager.“

Ein nachhaltiger Abend für alle Beteiligten

Das Kochen für 40 Personen gehört natürlich nicht zum Projektmanager-Alltag. Trotzdem haben die Kollegen inzwischen eine gewisse Routine. Gemeinsam wird geplant, ausgewählt, eingekauft und schließlich gekocht. „Wir kennen uns im Haus schon gut aus. Dort gibt es eine absolute Traumküche, in der man als Team toll zusammenarbeiten kann,“ erzählt Janina Knörr von den Kochevents. „Es ist wirklich schön zu sehen, wie gut man in Situationen harmoniert, die ganz anders sind als der Alltag. Jeder übernimmt Verantwortung, wir haben Experten für Vorspeisen, Salate und Dessert und wenn dann das Timing stimmt und die Mengenkalkulation, fühlt sich das sehr gut an. Wir sind danach erschöpft, aber es ist perfekt. Wir machen Menschen glücklich, bekommen großartige Rückmeldungen und uns macht es großen Spaß. Das ergibt Sinn und bringt einen tollen Zusammenhalt.“ Kein Wunder, dass das Team an der bewährten Aktion festhält und im Unternehmen sogar Schule macht. Der Erfolg hat sich nämlich rumgesprochen. Andere Abteilungen fangen auch schon an, mit Kochabenden Lebensfreude zu verbreiten. Das Ronald McDonald Haus im Berliner Wedding ist davon begeistert.