Die Coca-Cola Flasche feiert ihren 100. Geburtstag – mit einer Ausstellung und einer rauschenden Party im High Museum of Art in Atlanta. Hier ist ihre Festrede!

Vielen Dank, liebe Freunde,

für eure Glückwünsche und für die schöne Party!
Ich bin wirklich bewegt. Wäre es nicht Teil meiner Bestimmung, dicht zu halten – ich würde jetzt ein paar Tropfen der Rührung vergießen. Doch ihr kennt mich. Ich bin eine Lady. Ich wurde so erschaffen, dass man mich auch dann noch erkennt, wenn nur noch Scherben von mir am Boden liegen.
Hier spricht die Coca-Cola Flasche
Ein Bild aus Kindertagen

Das war nicht immer so. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich im Dunkeln, zwischen Eisbrocken und kaltem Wasser. Damals dachte niemand daran, dass man mich eines Tages in Museen ausstellen würde. Nur eines war sofort klar: Während die anderen Flaschen sich kaum hervortaten, wusste bei mir jeder sofort, was er in der Hand hielt. 
Am Anfang meiner Karriere nannte man mich „Humpelrock“. Ich verstand zunächst nicht ganz; ich war ja noch ein junges Ding. Gemeint waren meine Proportionen. Das Schönheitsideal dieser Zeit war etwas voluminöser und die Mode diktierte Frauen damals, in den Zehnerjahren des 20. Jahrhunderts, bodenlange, schlauchförmige Kleider und Röcke: Sie waren so eng, dass damit nur winzige Trippelschritte möglich waren. Ich gebe zu: Dieses zweifelhafte Kompliment fand ich nicht besonders fein.
100 Jahre Coca-Cola Flasche

Mein zweiter Spitzname gefiel mir schon besser. Bald nannte man mich auch „Mae West“. Damals war Mae Anfang 20, wenn ihr versteht, was ich meine. Außerdem war sie der Inbegriff einer Frau, die sich nichts gefallen ließ. Eine Lady von Format hat nicht nur klare Konturen – sie zeigt sie auch.
Zehnerjahre des 20. Jahrhunderts! Ich werde 100! Was für Zahlen! Mir wird etwas schwindlig, wenn ich daran denke. Aber keine Angst, es geht mir blendend! Ich denke nicht daran, mich zur Ruhe zu setzen. Ich habe nicht mal Gewichtsprobleme. Im Lauf der Jahre bin ich immer leichter geworden.
Überall steht zu lesen: Die Rillen meines Kleides seien denen einer Kakaobohne nachempfunden. Andere sagen, meine Form nehme Bezug auf eine Tiffany-Vase. Pah! Vielleicht gab es damals Frauen, die wie Blumenvasen herumliefen, aber ich bin die berühmteste Flasche der Welt. Eine Ikone des 20. Jahrhunderts. Ich habe es nicht nur miterlebt, sondern geprägt.
Mittlerweile haben die Leute begriffen, dass es sich um den Faltenwurf eines Abendkleides handelt. Längst haben Designer wie Karl Lagerfeld oder Manolo Blahnik mir exklusive Entwürfe auf den Leib geschneidert.
Hier spricht die Coca-Cola Flasche
Bei mir wusste jeder sofort, was er in der Hand hielt


Ich habe in Hunderten von Filmen mitgespielt. Deshalb denken viele, ich sei eine Diva. Zum Teil haben sie Recht: Sogar James Bond wusste, dass man mich in geschütteltem Zustand besser in Ruhe lässt.
Aber mit meinem Temperament habe ich Künstler und Philosophen inspiriert. Josef Beuys widmete mir Werke. Andy Warhol war mein größter Verehrer...  Er hat mich wirklich verstanden. Und er schrieb mir die schönste Widmung von allen:
„Du kannst Fernsehen gucken und Coca-Cola sehen, und du weißt, dass der Präsident Coke trinkt, Liz Taylor trinkt Coke, und du weißt, auch du kannst Coke trinken. Eine Coke ist eine Coke und für kein Geld der Welt kannst du eine bessere Coke kaufen, als die, die der Typ an der Ecke trinkt. Alle Cokes sind gleich und alle Cokes sind gut. Liz Taylor weiß es, der Präsident weiß es, der Typ an der Ecke weiß es und du weißt es auch.“
Ach, Andy! Du hattest ja so Recht. Ich bin im tiefsten Herzen egalitär und demokratisch. Ich will, dass jeder nach seiner Façon glücklich wird. Selbst als mir die Medien gemeinsame Kinder mit Karl Marx andichteten, dachte ich: Darüber muss man stehen und schweigen. Nur so viel: Meinem Hüftschwung sind auch die wildesten Revolutionäre verfallen.
Hier spricht die Coca-Cola Flasche
Heute bin ich die berühmteste Flasche der Welt

In meinen Memoiren werdet ihr auch einmal lesen: Sie hat Elvis und Marilyn geküsst. Und ja, es stimmt. Ich küsse Männer wie Frauen, überall auf der Welt. Ich tue es jeden Tag Millionen Male. Aus reinem Vergnügen!
Ich weiß, heute stehen vor mir die Kinder von Steve Jobs und Mark Zuckerberg. Aber auch für euch gilt: Macht Euch Freude auf!
So, und jetzt schnappt euch eine meiner Schwestern und feiert!