Es gibt viele Möglichkeiten, Gutes zu tun. Die einen füllen einen Scheck aus. Andere schicken Kleider an Waisenhäuser in Drittweltländer. Und wieder andere packen mit an. So machten es die Mitarbeiter des „Technical Teams“ der Coca-Cola GmbH.

Etwa acht Stunden hat das 25-köpfige Team der Abteilung „Technical“ auf dem Gelände der Arche in Hellersdorf geschuftet – und eine riesige Brachfläche von Müll und Unkraut befreit sowie einen Spielplatz wieder in Stand gesetzt. Zwischendurch gab es eine Suppe, gelegentlich eine Coke und dann wurde weitergearbeitet. Einen ganz normalen Arbeitstag lang. Als die Coca-Cola Mitarbeiter wieder einpackten, konnte das Ergebnis sich sehen lassen. Die „Bauarbeiter für einen Tag“ waren erschöpft, zufrieden mit ihrem Werk und glücklich, etwas getan zu haben, wovon sie wussten, dass es den Alltag der Arche-Kinder ein bisschen besser machen würde. Heute kann auf der Fläche wieder gespielt, gegrillt und getobt werden.

Die Armut in der Nachbarschaft

Die Arche ist eine Organisation mit 18 Standorten in Deutschland. Sie ist die Anlaufstelle für Kinder in Armut. Die einzelnen Archen sind tatsächlich so etwas wie Rettungsboote für die Ärmsten in einer eigentlich reichen Welt. Jeden Tag kommen alleine in die Arche in Berlin-Hellersdorf etwa 200 bis 300 Kinder, die von materieller und emotionaler Armut betroffen sind. Sie kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen und erleben täglich, was es bedeutet, wenn Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit das Umfeld prägen. In der Arche bekommen sie nicht nur ein warmes Essen, sondern auch das, was die meisten anderen Kinder jeden Tag zuhause haben: Menschen, die ihnen bei den Hausaufgaben helfen, die Nachhilfe geben, ihnen zuhören, sie aufrichten und sie einfach mal spielen lassen. „In der Arche können Kinder, die selbst viel zu früh mit existenziellen Sorgen zu tun haben, für ein paar Stunden am Tag Kind sein,“ erzählt Tim Rauchhaus, der Leiter der Arche in Hellersdorf. In ihren Möglichkeiten ist aber auch die Arche begrenzt. Lernmaterial, Lebensmittel, Mitarbeiter und Veranstaltungen müssen finanziert werden. Und das geschieht zu fast 100 Prozent aus Spenden.

Spenden kommen in unterschiedlichster Form in die Arche. Firmen, wie auch Coca-Cola, unterstützen die Einrichtung zum Beispiel mit einem Social Day, an dem angepackt wird, mit Ausflügen oder Zuwendungen für Feste. „Für Spenden sind wir immer dankbar. Aber uns ist es wichtig, dass die Form zu uns passt,“ erklärt Rauchhaus. „Wir können uns nicht verbiegen und wir wollen unsere Kinder nicht vorführen. Und natürlich ist es schön, wenn daraus eine längerfristige Kooperation wird.“

Nachhaltig Gutes tun

Eine Eintagsfliege, die einmal vorbeifliegt, Gutes tut und sich wieder davon macht, wollte auch das Technical Team nicht sein. Nach ihrem arbeitsintensiven Einsatz waren die Coke Mitarbeiter wiederum von der Arbeit der Arche für die Gesellschaft tief beeindruckt. Silke Schubert sorgte dafür, dass auch nach dem Tag im Juni 2012 der Kontakt nach Hellersdorf nicht abbrach. „Als wir vor der Gartenarbeit eine Einführung in die Arbeit der Arche bekamen, waren viele unserer Kollegen tief bewegt. Dort hatten wir auf einmal mit einer Armut zu tun, die wir uns mitten in unserer Gesellschaft nicht vorstellen konnten. Durch unseren Einsatz konnten wir die Situation der Kinder wenigstens ein bisschen verbessern,“ erzählt Silke Schubert. Auch ihr Kollege Harald Hügel war beeindruckt davon, wie stark der Tag sein Bewusstsein für die Situation geschärft hat. „Es macht einen riesigen Unterschied, ob man von Armut hört, oder ob man vor Ort ist und die Situation begreifen kann. Wir haben mit den Kindern zu Mittag gegessen und es sind ganz normale, angenehme Kinder und Jugendliche, die Respekt vor den Archemitarbeitern haben, die sich über Besuch und Interesse freuen und die einfach nur deshalb viel schlechtere Chancen haben, weil sie in einer Gegend mit 80 Prozent Arbeitslosigkeit leben. Sie können nicht das Geringste für ihre Situation. Das ist eine Parallelwelt, von der wir nichts wussten. Dabei ist sie nur eine Bahnstrecke entfernt.“

Ein Tag fürs Team

Das Engagement für die Arche hat aber nicht nur der Einrichtung geholfen, sondern auch dem Team, wie George Droumev, der Leiter des Technical Teams, betont. Er war selbst erst seit wenigen Wochen bei Coca-Cola Deutschland, als es zur Arche ging. „Der Tag war für mich praktisch die erste Gelegenheit, das ganze Team einmal zusammen arbeiten zu sehen. Normalerweise arbeitet jeder alleine an seinen Projekten. Dort hatten alle ein gemeinsames Ziel. Einen Baum fällen kann einer nicht alleine. Wenn fünf Kollegen zusammenarbeiten, dann geht das.“ Auch dass die Mitarbeiter ihren Social Day nicht nur abhaken, sondern dort wirklich helfen wollten, fand George beeindruckend. „Uns hat der Tag in jeder Hinsicht gut getan. Er hat den Zusammenhalt untereinander gestärkt und er hat in jedem einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Auch deshalb beschloss das Team, die Arche auch weiterhin zu unterstützen.

Arche

Nun können die Kollegen natürlich nicht regelmäßig zur Gartenarbeit antreten. Aber auch kleine Aktionen sorgten seit jenem Tag im Juni dafür, dass Kinder und Jugendliche sich gelegentlich über ein kleines oder großes Extra freuen konnten. Einmal konnte Coke vier Fußballfans begeistern, als vier Tickets für die VIP-Box bei der Fußball-EM 2012 gespendet wurden. Ein anderes Mal steuerten sie Getränke für eine Weihnachtsfeier bei, neulich freuten sich die Jugendlichen über eine X-Box aus Coca-Cola Beständen. In diesem Jahr steht aber wieder ein Tag Arbeit für das ganze Team an. Denn: Coca-Cola stellt jeden Mitarbeiter pro Jahr einen Tag lang für soziale Arbeit frei. Diesen Tag nutzen die Mitarbeiter des Technical Teams ein weiteres Mal gemeinsam, um die Arche zu unterstützen. „Wir wollen vorab klären, was die Arche überhaupt braucht und was wir tun können,“ erklärt Silke Schubert, die sich schon wieder an die Organisation gemacht hat. Sinn der Sache ist schließlich, dass das Team dort hilft, wo es am meisten benötigt wird.