WENN ANDERE MENSCHEN sich über eine kurze Arbeitswoche freuen, über Brückentage und arbeitnehmerfreundliche Feiertagsverteilung, dann zucke ich zusammen. Die Kita nimmt einen Brückentag und mein Schreibtisch quillt über. Dann habe ich bislang nur zwei Optionen: Ich mache frei, verbringe den Tag mit meinem Sohn und vertröste alle. Oder ich nehme mir eine Babysitterin.

Aber jetzt gibt es noch eine neue Lösung, und die probiere ich heute aus: juggleHUB, ein Coworking-Space mit Kinderbetreuung. Weil es bis zum Ende des Jahres eine Kooperation zwischen Coca-Cola und juggleHUB gibt, werden die Kosten von der Firma übernommen.

9:30 Uhr. Ankommen

Es ist ein Experiment. Meinem dreijährigen Sohn habe ich erzählt, dass wir einen Ausflug machen, eine Fahrradtour in den Prenzlauer Berg am Fernsehturm vorbei und dass wir dann zusammen arbeiten gehen. Als wir in der Christburger Straße ankommen, ist der Kleine guter Dinge, kaum betreten wir das Café, verschwindet er hinter meinem Rock. Auf die Fragen, wie er heiße und wie alt er sei, antwortet er nicht. Na prima. Wenn es dumm läuft, kann ich immer noch die Auftraggeber vertrösten und auf einen Spielplatz gehen. Davon soll es in diesem Kiez ja viele geben. Silvia Steude, eine der beiden Chefinnen zeigt uns das Spielzimmer.

juggleHUB – Spielzimmer
LET THE CHILDREN PLAY: Auf dem Weg ins Spielzimmer...

Ich begrüße die Erzieherin und suche mein Kind: Es versteckt sich hinter mir. Das wird ja spannend. Außer ihm sind heute nur drei andere Kinder da. Normalerweise arbeiten etwa 20 Leute in den Büroräumen. Vermutlich haben die meisten Berliner an diesem langen Wochenende die Stadt verlassen. Erzieherin Tanja stellt sich meinem Sohn vor. Ich erkläre ihm, dass ich mich nebenan an den Schreibtisch setze und mein Kind verschwindet. Dieses mal nicht hinter meinem Rock, sondern in der Spielküche.

„Ich werde nicht mehr gebraucht. Für Mütter immer ein merkwürdiger Moment: wenn Fremdbetreuung funktioniert.“

10:30 Uhr. Arbeiten

Das Kind ist offensichtlich aufgetaut, quatscht Erzieherin und Spielkollegen die Ohren voll und inspiziert Spielzimmer, Rutsche und Legokiste. Ich werde nicht mehr gebraucht. Es ist für Mütter immer ein merkwürdiger Moment, wenn Fremdbetreuung funktioniert, man selbst abgemeldet ist – aber damit auch in der Lage, zu arbeiten.

juggleHUB – Schreibtisch
...Mama hat Kopf und Hände frei...

Also los. Ich suche mir einen Schreibtisch, an dem mein Kind mich schnell finden kann, Laptop auf, W-Lan-Code eingeben, losschreiben. Einen Raum weiter arbeitet Eva Bankoley, eine Coke Kollegin, deren Kita auch den Brückentag nutzt. Sie hat einen Kollegen zum Meeting eingeladen, ihre Kinder sind zum ersten Mal hier und offenbar begeistert. „Eben habe ich meinen Sohn gefragt, ob es ihm gefällt. Er hat geantwortet, er möchte hier wohnen.“

11:00 Uhr. Kreative Pause

Ich bin mitten im Text als eine junge Frau reinschaut und fragt, ob ich mitmachen will beim Jonglage-Workshop „Kreative Pause“. Die Idee dabei sei, dass man das Arbeiten am Rechner unterbricht, etwas komplett anderes macht und danach wieder besser arbeiten kann. Verlockende Idee. Nur arbeite ich noch nicht lang genug um eine Pause zu brauchen. Außerdem bin ich im Zusammenhang mit Bällen ein echter Bewegungslegastheniker. Es kann natürlich sein, dass sich gerade eine Chance bietet, mit Bällen Freundschaft zu schließen.

„Mütter kleiner Kinder leben ständig mit dem Gefühl, zu viele Bälle in der Luft zu haben.“

Wahrscheinlicher ist, dass mir der Ball ständig runterplumpst. Hinzu kommt, dass wir Mütter kleiner Kinder ohnehin ständig mit dem Gefühl leben, zu viele Bälle in der Luft zu haben und Jonglieren zu unserem Lebensgefühl geworden ist. Vielleicht gefällt es mir deshalb im Juggle Hub so gut, dem, frei übersetzt, „Netzwerk der Jonglierer“.

11:15 Uhr. Hunger

Kurz darauf werde ich von meinem Sohn zu einer Pause gezwungen: Er hat Hunger und alle anderen haben eine Banane dabei. Verflixt. Ich dachte, hier sei ein Café. Tatsächlich kann ich einen prima Kaffee bekommen, etwas zu essen gibt es im Büro aber nicht. Ich vertröste mein Kind mit einem Dinkelkeks und mache mich auf den Weg durch den Prenzlauer Berg. Mit Banane, Joghurt, Smoothie und Brezel komme ich aus dem Bio-Supermarkt und finde meinen Sohn spielend. Ich störe. Gutes Zeichen.

11:30 Uhr. Die Kollegen

Noch eine halbe Stunde bis zur Mittagspause. Ich befrage schnell die Coworking-Kollegen. Warum arbeiten sie eigentlich hier und nicht zuhause? Eva ist auch zum ersten Mal da. Ihre Kita macht die Brücke, die Großeltern sind weit weg, ohne juggleHUB hätte sie einen Tag Urlaub nehmen müssen und so nutzt sie das Angebot der Pilot-Phase: Zwischen Mai und Mitte Juni können Coke Mitarbeiter hier auf Firmenkosten arbeiten. Für Silvia, die juggleHub–Chefin, ist eine Firmen-Kooperation, neben den vielen Freiberuflern, die lieber außer Haus arbeiten als im Home-Office zu vereinsamen, die sinnvollste Nutzung des Arbeitsplatzes mit Kinderbetreuung. „Wir bieten keinen Kita-Ersatz, sondern eher das Back-up für den Notfall, den Zwischenfall, den Brückentag und andere Überbrückungszeiten.“ Wer Kinder hat, kennt diese Zwischenzustände.

Eine Telefonkonferenz wenn der Nachwuchs gerade etwas gemalt haben will? Spannend.

11:50 Uhr. Die Zwischenzeiten

„Die regulären Kita-Schließzeiten überbrücken wir, indem wir unseren Urlaub dahin legen. Aber es bleiben immer ein paar Tage zwischendurch,“ erzählt Eva. Manche Firmen bieten zwar Homeoffice-Tage an, aber jede Mutter, jeder Vater kennt das: Auch das Kind, das sich sonst stundenlang in Sandkästen und Legozimmern beschäftigen kann, wird auf einmal zur Klette. Eine Telefonkonferenz wenn der Nachwuchs gerade etwas gemalt haben will? Spannend. Die Erfahrung machte auch Silvia, die in ihrem früheren Leben als Architektin arbeitete. Selbst mit einem Vollzeit-Kitaplatz gibt es immer wieder Betreuungs-Engpässe. So kam sie auf die Idee, gemeinsam mit Katja Thiede Juggle Hub aufzuziehen. „Wenn alles normal klappt, brauchen die meisten Eltern zum Arbeiten keine Kinderbetreuung. Wir sind auch da, wenn es mal nicht klappt.“

Eine Stammkundin, die zwei Tage pro Woche mit Kind kommt, ist vor ein paar Monaten nach Berlin gezogen und sucht noch einen Kita-Platz. Ein Papa in Elternzeit kommt mit seinem Kleinen gelegentlich hierher. In einem Monat geht die Kita-Zeit los, bis dahin findet der Kleine gelegentliche Betreuungsstunden spannend und der Papa findet schrittweise zurück in die Arbeitswelt. Manchmal kommen auch Eltern, deren Kinder krank waren und noch keinen kompletten Kita-Tag mitmachen wollen. Für zwei Stunden juggleHUB mit Mama im Nebenzimmer reicht die Energie dann schon.

12:00 Uhr. Mittagspause

Um 12 Uhr macht Erzieherin Tanja Mittagspause. Für meinen Kleinen liegt die Pause gerade richtig. Er kommt immer öfter angelaufen, um mir seine Knetkunstwerke zu zeigen.

Eine Brezel später wird das Kind schläfrig. Wir ziehen uns ins Schlafzimmer zurück.

Eine Brezel später wird das Kind schläfrig. Wir ziehen uns ins Schlafzimmer zurück. Das Kind, randvoll mit neuen Eindrücken, kuschelt sich auf eine der Matratzen auf dem Boden und schläft tatsächlich ein. Keine Selbstverständlichkeit an einem fremden Ort. Ich gewinne eine Stunde. Da kommt Svenja Christen, eine weitere Kollegin von Coca-Cola. Auch ihre Kita macht – keine Überraschung: Brückentag.

juggleHUB – Büros
...manchmal rennen auch Kinder durchs Büro. Das stört niemanden.

13:30 Uhr. Kind schläft noch

Der Kleine schläft erstaunlich gut. Ich schaue mich noch ein wenig um. Momentan sind sieben Leute hier, drei davon mit Kindern. Die meisten Stammkunden wohnen in der Nähe, sagt Silvia. Nicht alle haben eigene Kinder, aber alle kommen mit dem Gewusel zurecht. „Wer sich bei uns einmietet, weiß was er zu erwarten hat. In der Regel bleiben die Kinder im Spielzimmer aber manchmal rennen sie auch durch die Büros oder suchen ihre Eltern. Das stört hier niemanden. Die Kinder sind hier nicht nur geduldet, sie gehören dazu. Das ist ein Teil der Botschaft, die wir in die Arbeitswelt tragen wollen.“

14:30 Uhr. Feierabend

Etwas verschlafen, aber gut orientiert tapert mein Sohn ins Büro und klettert auf meinen Schoß. Laptop zu, Feierabend. Ich habe viel geschafft und mache ihm den Vorschlag, eine Pause im nahen Volkspark Friedrichshain einzulegen, und dann nach Hause zu radeln. Park und Spielplatz findet er gut, danach möchte er aber wieder zurück „ins Büro. Da hat es mir so gut gefallen.“ Es geht doch nichts über ehrliche Kinder. Sein Urteil freut mich wirklich. Wenn ich zuhause arbeite und krampfhaft versuche, ihn nebenher zu beschäftigen, habe ich immer ein schlechtes Gewissen und produktiv bin ich dabei auch nicht. Das war bei unserem Ausflug zum juggleHUB anders. Wir kommen wieder.

juggleHUB - so geht’s:

  • Im Pilotzeitraum, der noch bis zum 15. Juni läuft, können Mitarbeiter von Coca-Cola Arbeitsplätze und Kinderbetreuung bei juggleHub gratis in Anspruch nehmen. Kinder müssen am Vortag bis 16 Uhr angemeldet werden, damit genug Erzieherinnen da sind. 

  • Normalerweise werden für den Arbeitsplatz Tages- oder Halbtagestickets für 9 Euro beziehungsweise 16 Euro und Betreuungskosten in Höhe von 10 Euro pro Stunde fällig.

  • Wer regelmäßig seinen Arbeitsplatz bei juggleHUB aufschlagen möchte, bucht am besten eines der unterschiedlichen flexiblen Monatstickets. Räume können für Veranstaltungen, Meetings und Workshops gebucht werden, bei Bedarf mit Kinderbespaßung.