Eine Coke gab es Anfang der 60er Jahre für 10 Cents - in der klassischen Glasflasche. Jetzt wechselte eine Coke für 42,72 Mio. Euro ihren Besitzer. Das Bild von Andy Warhol aus dem Jahr 1962 wurde am 12.11.2013 bei Christie’s in New York versteigert.
Die Flasche ist unter Kunstkennern keine Unbekannte: „Coca-Cola (3)” gehörte zwar seit mehr als zwei Jahrzehnten zu einer Privatsammlung, sie wurde aber bei Warhol-Ausstellungen weltweit immer wieder gezeigt. Außerdem hat „Coca-Cola (3)“ einen besonderen Status; es gilt als eines der ersten Gemälde der Pop Art. Die Kunstform, die sich an der Grenze zwischen Kunst und Kommerz bewegte, fand in der Coke-Flasche ein beliebtes Motiv. „Coca-Cola (3)“ ist nur eines der zahlreichen Warhol-Bilder rund um die Flasche. Kein Wunder, zum einen war Warhol der Meinung „30 are better than one“, zum anderen passen Coca-Cola und Pop-Art perfekt zusammen.

Ein Symbol der Demokratie

Dass die Flasche zu den beliebtesten Warhol-Motiven zählte, hat nicht nur ästhetische Gründe, sondern auch politische. Für Warhol war die Coke eine Art Sinnbild für die Demokratie in den Vereinigten Staaten. So schrieb Warhol einmal: „Das Tolle an diesem Land ist, dass Amerika eine Tradition begründet hat, bei der die reichsten Verbraucher im Wesentlichen das Gleiche kaufen wie die ärmsten… Man weiß, dass der Präsident Coke trinkt, Liz Taylor trinkt Coke und, bedenken Sie einfach, auch Sie können Coke trinken. Eine Coke ist eine Coke, und mit keinem Geld der Welt erhalten Sie eine bessere Coke.“

Mit dem Satz können sich zumindest alle trösten, die das nötige Kleingeld gerade nicht parat hatten, um bei Christie’s mitzubieten. Für die Erfrischung zwischendurch muss sich niemand verschulden, für die Coke-Flasche an der Wand darf der Kunst-Kenner schon ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Kunst und Kommerz – wer weiß das besser, als ein Pop-Art-Künstler – passen eben doch wunderbar zusammen, oder, so Warhol: „Being good in business ist the best kind of art“.

Kunst für alle

Rekordpreise hin oder her, die Kunst des Andy Warhol ist in erster Linie Kunst für alle. Einen Alltagsgegenstand zum Motiv in der Kunst zu machen, war zu seiner Zeit eine kleine Revolution. Keine Ölschinken, keine alten Meister und keine abstrakt kubistischen Rätsel fanden auf die Leinwände und in die Museen, sondern ein Gegenstand, den wirklich jeder kannte.
„Warhol konzentrierte sich auf die Coca-Cola Flasche, weil sie eines der populärsten und bekanntesten Motive der Welt war und immer noch ist. Er liebte Kunst, die uneingeschränkt demokratisch war,“ erklärt Brett Gorvy, Chairman und Internationaler Leiter für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst bei Christie’s. „Mit Coca-Cola (3) hat er eines der legendärsten Bilder geschaffen, sowohl für sein eigenes Schaffenswerk als auch für das 20. Jahrhundert“.
So sieht es auch Ted Ryan, Director of Heritage Communications, The Coca-Cola Company: „Die Genialität von Andy Warhol besteht darin, dass er diese allgegenwärtige Form nahm, die jedem weltweit bekannt ist, und sie in Kunst umwandelte. Ich bin ein riesiger Warhol-Fan, und dies ist eines meiner Lieblingsbilder überhaupt. Die Schönheit, die Einfachheit… das ist reine, handgezeichnete Perfektion der bekanntesten Verpackung der Welt.“

Im Jahr 2008 wurde „Eight Elvises“ von Warhol bei einer privaten Auktion für 100 Mio. USD verkauft. Ein weiteres Werk– „Coca-Cola (4)“ – erzielte 2010 bei einer Auktion eine Summe von 35,36 Mio. USD.  

Experten-Interviews zur Auktion 

Dieses Video wurde bereits vor der Auktion des Warhol Gemäldes von unseren Kollegen in den USA aufgezeichnet: Experten äußern sich zum Bild, den Hintergründen und zum geschätzten Verkaufspreis.

Über die Coca-Cola Flasche

Die „Flasche mit dem Hüftschwung“ ist eine der berühmtesten Verpackungen des Industriezeitalters und bereits fast 100 Jahre alt. Coca-Cola wurde 1886 in Atlanta/Georgia erfunden und zuerst glasweise in Soda-Bars ausgeschenkt. Innerhalb kurzer Zeit fand das Getränk immer mehr Zuspruch. Die Root Glass Company in Philadelphia erhielt den Auftrag, eine Glasflasche zu entwerfen. Unverwechselbar sollte sie sein, dass man sie selbst im Dunkeln erkennt – so lautete der Auftrag. Damals wurden Flaschen häufig in großen eisgefüllten Bottichen gekühlt und die Coke sollte bereits beim Griff nach der Erfrischung an den typischen Rundungen erkannt werden.
Vor fast 100 Jahren, am 16. November 1915, wurde die Flasche zum Patent angemeldet. Sie ist bis heute eine der wenigen Verpackungen, die jemals ein Warenzeichen vom Patent- und Markenamt der Vereinigten Staaten erhielt. Sonderauflagen wie die matt glänzende Aluminium-Variante designt von Manolo Blahnik oder Karl Lagerfeld sind heutzutage begehrte Sammlerstücke.