Es geht um Filme, Fußball, Alltägliches und Gurken. Es geht um alles und um nichts auf Herms Farm. Ein Leseerlebnis wie Ferien auf dem Bauernhof.
Eine Farm, so wissen wir aus dem schönen Lied mit Old McDonald, ist etwas, wo freundliche Tiere durcheinander wuseln und unterschiedliche Geräusche machen. Das Ganze verbindet sich zu einem nie langweiligen, nie gleichen Erscheinungsbild. Das Wuseln auf einer Farm kann chaotisch, unaufgeregt und unterhaltsam sein. So ist der Blog Herms Farm.
Weil bei Markus Herrmann die Themen wie Farmtiere nett und wild durcheinander laufen, ist auch für jeden, der den unangepasst-intelligenten Humor des Bloggers mag, etwas dabei. So finden Leser zu Themen, die sie sonst nie beachtet hätten. Wenn über den Kanuausflug in den Spreewald erzählt wird, davor der Bericht einer Fußballerparty steht und danach die Video-Lesung des Romanerstlings folgt, dann kommt auch der Fußballverachter mal in den Genuss eines unterhaltsamen Kickerthemas.

Wasmitmedienfernsehheini

Hermsfarm

Markus beschreibt, was er erlebt. Und das ist nicht monothematisch, sondern das tägliche Allerlei eines aufgeschossenen Wahlberliners mit Ende 20. „Ich bin 27 Jahre alt, Wasmitmedienfernsehheini und meine Berufswünsche und Lebensvorstellungen orientieren sich hauptsächlich an Fernsehserien der 80er Jahre,“ sagt der Autor im Blog über sich. So wenig, wie er sich einer thematischen Ordnung unterwirft, so unregelmäßig erscheinen die Geschichten. Mal schreibt er zwei Texte am Tag, mal eine Woche lang nicht. Seine Leser finden ihn trotzdem – über Twitter, über Facebook oder über Mundpropaganda, immerhin 500 bis 1.000 am Tag. Manche Leser kennen ihn aus dem analogen Leben, andere folgen ihm treu seit Gründung der Farm 2006, wieder andere haben zuerst seinen Roman gelesen und dann nachgesehen, was er zu anderen Themen zu sagen hat.
Wer seine Leser sind, weiß Markus nicht, es ist ihm auch nicht so wichtig. Von der Analyse und Auswertung der Lesereigenschaften hält er nichts. Sein Blog soll Spaß machen, ihm selbst und seinem Leser. „Ich habe aus einer Laune heraus angefangen, über Sachen zu schreiben, die mich interessieren. Als Kind wollte ich eine eigene Zeitung machen. Später gab es Blogs, da habe ich das einfach umgesetzt.“ Sein erstes Thema, so erinnert sich Markus nicht ohne Stolz, war das erste Album der Band Gossip. „Ich hatte sie vor zehn Leuten live gesehen und gesagt, aus denen wird was.“ Recht gehabt. So kam eins zum anderen, mal ein Album, mal eine Reise, mal ein Film.

Bloggen ist wie Fahrradfahren

Das alles passiert beiläufig. Bloggen als Lebenseinstellung ist dem Autor fremd. „Ich definiere mich nicht über meinen Blog und stelle mich auch nicht als Blogger vor.“ Den ewigen Streit zwischen Journalisten und Bloggern, die sich gegenseitig vorwerfen unprofessionell oder verkopft zu sein, findet er albern. „Ich mache das nebenher. So wie man Fahrrad fährt. Das macht man eben, würde sich aber nicht als Fahrradfahrer vorstellen.“ Sich mit Vollzeit-Bloggern zu umgeben, fände ebenso unspannend, wie Leseranalyse und zielgruppengerichtetes Schreiben. Ganz ohne Publikum lebt aber auch Hermsfarm nicht. „Natürlich ist Hermsfarm eine Bühne. Ich frage mich beim jedem Thema, ob das jemanden interessiert. Das ist ja nicht mein Poesiealbum. Aber ich schreibe nichts, was ich nicht genau so erzählen würde. Das hat alles mit mir zu tun. Gleichzeitig gebe ich nur einen Bruchteil meiner selbst preis. Lustig finde ich, dass es wirklich Leute gibt, die denken, dass sie alles über mich wissen. Das ist natürlich Quatsch.“

Aaarfz!

Hermsfarm

Das Buch vom Blogger, der kein Buch als Blogger schreiben wollte


Markus Herrmann gibt es übrigens nicht nur digital, sondern auch auf Papier. Im März ist sein Roman „Aaarfz!erschienen. Es ist die Geschichte von einem jungen Musikredakteur, der sich darauf vorbereitet, ins Universum zu reisen. Das Buch ist einerseits ganz anders als der Blog und doch auch wieder nicht. „Ich wollte immer schon ein Buch schreiben, lange bevor es Blogs gab. Aber ich wollte nie der Blogger sein, der jetzt auch ein Buch geschrieben hat. Natürlich ist es doch darauf hinausgelaufen. Jetzt sagen alle, lies’ das mal, der ist im Netz ganz lustig.“ Genau so ist es. Lustig, durcheinander, beiläufig und schlau wie Hermsfarm.