Bist du Kurde oder Türke? Glaubst du an Gott oder Allah? Das spielt hier absolut keine Rolle. Doch: Torwart oder Stürmer? Kannst du besser mit links oder rechts schießen? Darauf kommt es an. Das interkulturelle Fußballprojekt „Buntkicktgut“ kennt keine Hautfarbe oder Religion. Nur eines zählt: die Liebe zum Fußball!
Oussman ist zwöf Jahre alt, als er mit seiner Schwester und seinem Bruder nach Deutschland kommt. Sein Vater lebt schon länger in München, holt seine Kinder aus Togo nach. Oussman ist zunächst alles fremd: die Kultur, die Sprache, das ganze Leben. Dann spricht ihn eine Sozialpädagogin an, als er auf dem Schulhof Fußball spielt. Die Schule macht mit in der Straßenfußball-Liga des Projekts „Buntkickgut“ – mit Kindern und Jugendlichen aus aller Welt. Vielleicht hilft ihm das, sich in Deutschland einzuleben.
bunt kickt gut

„Ich habe mich dort sehr schnell wohlgefühlt und neue Freunde gefunden. Es waren viele Landsleute dort, aber auch Kinder aus verschiedenen anderen Ländern: Albanien, Türkei oder Ghana“, erzählt Oussman heute – neun Jahre später. Für Oussman sind Mitspieler und Betreuer wie eine große Familie. Schnell kommt er mit ihnen auch privat ins Gespräch. „Wo kommst du her?“, „Wie bist du nach Deutschland gekommen?“, „Welche Probleme hast du hier?“.
Egal, woher du kommst. Egal, woran du glaubst
„Es kann sein, dass du Probleme hast, dich zu integrieren, wenn du ganz neu in Deutschland bist. Aber bei „Buntkicktgut“ gibt es so etwas nicht. Wir akzeptieren jeden. Egal, wo du herkommst. Egal, an was du glaubst.Wir akzeptieren jeden. Egal, welche Klamotten du trägst“, sagt Oussman. Einen besseren Anfang in Deutschland hätte er sich nicht träumen können.
In der organisierten Straßenfußball-Liga von „Buntkicktgut“ kann sich jeder anmelden. Es gibt im Sommer und Winter eine eigene Liga in verschiedenen Altersklassen (U11 bis U19, Senioren). Freunde bilden ein Team mit mindestens sechs Spielern und nehmen am Liga-Betrieb teil. Dafür ist bloß ein einmaliger Saisonbeitrag von 30 Euro pro Team fällig. „Die Jugendlichen müssen selbst Verantwortung für ihre Mannschaft tragen. Sie entscheiden, ob und wie oft sie trainieren. Aber wenn sie einfach nicht zum Spiel kommen, werden sie gesperrt“, erklärt Oussman. Dann entscheidet der Ligarat, wie es mit dem Team weitergeht. Der ist selbst mit Jugendlichen aus der Liga besetzt. Eigenverantwortung und Partizipation sind zwei wichtige Bausteine des Projekts.
Vom Spieler zum Schiri
Oussman ist das beste Beispiel. Ihm reicht es nicht, selbst in einem Team mitzukicken. Schnell entschließt er sich, als Schiedsrichter Spiele der Liga zu leiten. Wenig später schreibt 
bunt kickt gut

er schon für das Projekt-Magazin „Buntkicker“ und trainiert seine eigene Mannschaft. Nach der Mittleren Reife absolviert er sein Freiwilliges Soziales Jahr bei „Buntkicktgut“. Er organisiert den Liga-Betrieb, betreut das Sommercamp, gibt Schiedsrichter-Kurse. Momentan ist er mitten in seiner Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann – natürlich auch bei „Buntkicktgut“. Danach hofft er, weiter dort arbeiten zu können.
Noch mehr Boatengs!
Fußball verbindet. Klingt wie eine Floskel, wird hier aber jeden Tag gelebt. Nicht selten spielen in einem 6er-Team Spieler aus sechs verschiedenen Nationen. Auch immer mehr Deutsche hat Oussman in den letzten Jahren begrüßt. Und das Projekt zieht Kreise. Außer in München sind mittlerweile auch Ligen in Niederbayern, Berlin, Basel und Dortmund am Start. Schirmherr ist Bayern-Spieler Jérôme Boateng, der selbst ghanaische Wurzeln hat.
Bunt kickt am Besten
Neben den Ligaspielen fahren die Kicker zu Turnieren oder Sommercamps nach Polen, Serbien oder Frankreich. Auch in Oussmans Heimat Togo ist eine Gruppe von Spielern schon dreimal gewesen. „Als ich zu 'Buntkicktgut' kam, waren mir Länder wie Bosnien und die Türkei neu. Aber mittlerweile kenne ich viele verschiedene Länder und weiß über die dortige Kultur Bescheid“, sagt der 21-Jährige. „Jeder respektiert die andere Religion, keiner wird ausgeschlossen. Das ist unsere große Stärke. Wir sind eine Familie.“ Ganz nach dem Motto: „Schwarz kickt gut, weiß kickt gut, bunt kickt am Besten....“

Slide show:Buntkicktgut


Coca-Cola hat Buntkicktgut über die Dachorganisation Streetfootballworld 2014 im Rahmen seiner Aktion „Bälle für alle“ unterstützt.