Horst Eckel, Bernd Hölzenbein und Pierre Littbarski haben erreicht, wovon so viele Fußballer träumen. Sie haben den goldenen FIFA WM-Pokal™ in die Höhe gereckt. Das Wunder von Bern 1954 wäre ohne den flinken „Windhund“ Eckel wohl nicht möglich gewesen. Ohne den herausgeholten Elfmeter von Bernd Hölzenbein im Finale hätten wir den Pott '74 nicht im eigenen Land gewonnen. Und die magische Nacht von Rom 1990: Pierre Littbarski hatte mit seinen Dribblings großen Anteil. Journey hat die Weltmeister in Berlin zum Interview getroffen. Glauben sie an den vierten Titel?    

Journey: In den letzten Jahren war das deutsche Team öfter mal nah dran an einem Titel. Gab es für Sie ein Turnier, bei dem Sie das Gefühl hatten: Diesmal können wir es schaffen?
Littbarski: Wir waren ja bei allen Turnieren nah dran. Ich glaube, wir haben jetzt die Qualität und die Reife, um ins Halbfinale zu kommen. Und wir haben die Erfahrung der letzten Turniere, dass die Feinabstimmung noch besser sein muss. Und dann werden wir es auch schaffen.

Journey: Wo liegen denn für Sie die Qualitäten der deutschen Mannschaft in diesem Jahr?
Littbarski: Wir haben zunächst mal viele Bayern-Spieler dabei. München war die erfolgreichste Mannschaft der letzten Saison und hat tollen Fußball gespielt. Das sollten wir nutzen. Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Phillip Lahm sind hungrig auf den Titel, und das geben sie positiv an die Jüngeren weiter. Darum ist es an der Zeit, dass wir den FIFA WM-Pokal™ wieder nach Deutschland holen.
Hölzenbein: Jogi Löw wird sich aber Gedanken über ein neues System machen müssen. Wir werden ohne einen klassischen Stoßstürmer eher Chancen haben zu siegen. Wir haben genug Mittelfeldspieler, die vor dem Tor stark sind. Es bringt auch nichts, Spieler aufs Feld zu schicken, die nicht fit sind. Das muss man ganz klar sagen.
Eckel: Es muss aber auch die ganze Mannschaft mithelfen. Wir dürfen nicht nur auf die Stürmer oder Hintermannschaft schauen. Wir sind stark genug, und ich wünsche mir, dass wir wieder Weltmeister werden.
Journey: Was können Sie als Weltmeister Jogis Jungs raten?
Littbarski: Fußballerisch brauche ich den Spielern keine Tipps zu geben. Es ist aber wichtig, sich schnell auf die Bedingungen vor Ort einzustellen. Essen, Temperatur, der Rasen. Das ist alles anders. Das habe ich bei der WM in Mexiko selbst erfahren. Und die deutsche Mannschaft spielt gegen Teams, die an die Bedingungen gewöhnt sind. Auf diesen anderen Spielrhythmus muss man sich einstellen.
Journey: Was ist für Sie der größte Unterschied an der Art und Weise wie heute gespielt wird, im Gegensatz zur WM 1974 oder 1990?
Hölzenbein: Es ist alles anders. Das Spiel ist viel schneller und es wird ein anderer Stil gespielt. 1974 hatten wir noch Libero und Manndecker. Berti Vogts ist 90 Minuten hinter Johan Cruyff hergelaufen. Das kann man nicht mehr vergleichen.
Littbarski: Die Räume sind viel enger geworden auf dem Platz. Die Spieler haben also weniger Ballkontakte und das Spiel wird dadurch schneller. Zu meiner Zeit konnte man noch an der Seitenlinie etwas kurven und mit dem Ball dribbeln. Das geht heute nicht mehr, die Spieler müssen schnell abspielen.
Journey: Abschließend natürlich die Frage: Was ist Ihr Tipp für Brasilien?
Eckel: Wir haben mit unserer Mannschaft eine große Chance, ganz weit nach vorne zu kommen. Für den Titel gehört immer auch ein bisschen Glück dazu. Aber unsere Mannschaft ist stark genug, um weit zu kommen und auch Weltmeister zu werden.
Hölzenbein: Ich glaube, dass Deutschland ins Endpspiel kommt, dort aber gegen Brasilien verliert. Denn Brasilien hat den Heimvorteil, wie wir 1974 auch. Das darf man nicht unterschätzen. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht und es keine Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gibt, packen es die Brasilianer.
Littbarski: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Brasilianer im Finale mit 1:0 schlagen. Dann war alles richtig, was Jogi Löw gemacht hat.
Hölzenbein: Ich liege mit meinen Tipps sowieso immer daneben. Ich hoffe, das ist dieses Mal auch so.
Demnächst im zweiten Teil des großen Weltmeister-Interviews: Wie fühlt es sich an, den goldenen Cup in den Händen zu halten? Und wie lebt es sich so als Weltmeister?