Für Kristina Drenker sah es aus wie ein doppeltes Heimspiel: Als Coca-Cola und EUROPARC Deutschland e.V. zur „Studenten-Challenge 2016“ an der Alten Elbe aufriefen, wollte sie dabei sein. Kristina hat sich schon immer mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und außerdem ist sie gerade Praktikantin bei Coca-Cola in Berlin. Bewerben musste sie sich trotzdem – wie alle anderen auch. Hier erzählt sie von ihrem Besuch in Klieken.

OFT WERDE ICH GEFRAGT, warum ich mich für das Thema Nachhaltigkeit interessiere. Darauf gibt es eine einfach Antwort: Ich bin mit dem Thema aufgewachsen: auf einem Bauernhof. Und schon mein Vater hat sich für das Thema engagiert. Während meines Studiums habe ich einige Zeit in Australien verbracht und dort Kurse in Sustainability Management belegt. Nach dem Studium habe ich als Praktikantin bei Coca-Cola angefangen und gesehen, dass das Unternehmen sich in diesen Bereich stark einsetzt. Darüber wollte ich nicht nur etwas hören oder lesen, ich wollte es mir selbst ansehen und aktiv etwas beitragen. Die Ausschreibung für den Studentenwettbewerb kam deshalb wie gerufen. Ich habe mich sehr gefreut, als ich den Platz bekam.

Ab an die Elbe!

Anfang Oktober bin ich also zur Alte Elbe bei Klieken in Sachsen-Anhalt gefahren. Coca-Cola hat dort in Zusammenarbeit mit EUROPARC Deutschland e.V., dem Dachverband der Nationalen Naturlandschaften ein Projekt realisiert, bei dem alte Flussarme entschlammt und renaturiert wurden. Die Entschlammung des Biosphärenreservats ist jetzt abgeschlossen und ein schönes Beispiel dafür, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Naturschutzorganisationen und Konzernen klappen kann.

Insgesamt waren wir beim Wettbewerb 18 Leute aus ganz Deutschland, mit unterschiedlichem Studienhintergrund und im Alter von 19 bis 34 Jahren. Das war ein spannender Mix. Manche hatten schon Berufserfahrung, andere steckten im Master oder Bachelor oder auch im ersten Semester. Auch die unterschiedlichsten Studienrichtungen waren vertreten. So haben wir vollkommen unterschiedliche Perspektiven kennengelernt. Und das drei Tage lang.

Neuer Look für alte Brücke

Am ersten Tag ging es erst einmal darum, die Alte Elbe zu erkunden und uns die Köpfe warmzureden. Wir waren sofort mittendrin und uns schnell erstaunlich vertraut. In der Gruppe gab es vom ersten Tag an einen tollen Zusammenhalt. Es war schön zu sehen, wie ein gemeinsames Interesse die unterschiedlichsten Charaktere verbinden kann. Am Abend hatten wir dann Dr. Florian Wecker, den Vorstand der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis zu Besuch. Wir mit ihm ausführlich das Thema Nachhaltigkeit diskutiert und wären wir nicht so müde gewesen, wäre das bestimmt noch bin zum nächsten Morgen weitergegangen.

Alte Elbe bei Klieken

ALTE ELBE bei Klieken


Am zweiten Tag ging es an die eigentliche Arbeit. Wir wurden in Dreiergruppen aufgeteilt und bekamen unsere Aufgabe: Wir sollten im Bereich Biodiversität ein Konzept erarbeiten. Die Frage war: Was können Unternehmen, was kann EUROPARC Deutschland und was können Einzelpersonen dazu beitragen, dass Biodiversität erhalten bleibt? Dazu konnten wir uns mit Experten von EUROPARC, Coca-Cola und externen Gästen unterhalten. Die theoretische Arbeit wurde am späten Vormittag von einem Praxisteil unterbrochen. Raus ins Naturschutzgebiet und mit anpacken. Dort haben wir gemeinsam eine alte Brücke restauriert. Ausgestattet mit Drahtbürsten, Schmirgelpapier und Pinsel haben wir ihr einen neuen Look verpasst.

Die Spannung steigt

Am dritten Tag stand die Entscheidung an. Nun konnten wir zeigen, wie wir in Zukunft Nachhaltigkeit mitgestalten wollten. Der Zeitplan war straff: Jeder hatte zehn Minuten Zeit, um seine Ideen zu präsentieren und Fragen der Jury zu beantworten. Gewinner war eine Gruppe, die eine Idee für eine App für Naturschutzgebiete entwickelt hat. Besucher könnten sich damit orientieren und sehen, welche Aktionen umgesetzt werden, an welchen noch gearbeitet wird und was abgeschlossen ist. Bei Bustouren durch die Parks sollten die Besucher per App alles nachschauen können. Die Gewinnergruppe darf zur Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises am 25. November nach Düsseldorf reisen.

Baumpatenschaft per App?

Unsere Gruppe hatte sich mit Obstplantagen beschäftigt und sich speziell auf alte Apfelsorten konzentriert. Ur-Apfelsorten sind in Deutschland fast ausgestorben. Wir wollten eine Verbindung herstellen zwischen Endverbrauchern, Unternehmen und Naturverbänden und eine App entwickeln über die jeder einen Apfelbaum kaufen und dann auf ausgewählten Flächen pflanzen lassen kann. Firmen, die wie Coca-Cola mit Apfelprodukten arbeiten, könnten Ernteerträge in ihre Produktion fließen lassen und Kunden, die Bäume gepflanzt haben, bekämen Vergütungen in Form von Rabattprogrammen auf die Produkte. Das wäre eine neue Form der Kooperation. Den ersten Preis haben wir zwar nicht bekommen, aber enttäuscht waren wir trotzdem nicht. Im Grunde war jede einzelne Idee preiswürdig. Uns ging es nicht darum zu gewinnen, sondern zu sehen, welche Ideen die anderen haben und Kontakte zu knüpfen. Wir konnten kreativ werden und haben viel gelacht. Viele der Ideen wären umsetzbar und Unternehmen könnten sicher von diesem Potential profitieren.

Nach dem Workshop ist vor der Nachhaltigkeit

Die drei Tage sind unheimlich schnell vergangen, ich hätte am liebsten noch weitergemacht. Es war einfach eine perfekte Mischung aus Arbeit, Austausch in den Gruppen, Ausflügen in den Naturpark, Vorträgen und Expertendiskussionen. Ich bin nun total Feuer und Flamme und werde auch in Zukunft nach Gelegenheiten suchen, mich für Nachhaltigkeit zu engagieren. Und das mache ich nicht alleine. Ich habe eine Facebook-Gruppe gegründet, in der wir Teilnehmer uns weiterhin austauschen. Ob ich mich noch einmal beim Workshop bewerben würde? Unbedingt! Und das würde ich auch jedem empfehlen, der einen Draht zum Thema hat.