Menü im Gondelrestaurant
Im Menü dabei: Kartoffeltaler mit Rote Bete-Carpaccio


Einmal auf maximale Geschwindigkeit, fünf Meter pro Sekunde. In der Mitte steht ein kleiner, runder Tisch. Darauf ein Glas Sekt. Dann eine Vollbremsung. Das Glas bleibt stehen. So fing alles an beim Gondeling im Allgäu. Heute können an schönen Sommerabenden bis zu 40 Gäste ein Vier-Gang-Menü genießen – schöne Aussicht inklusive.

„Die Testfahrt mit dem Sektglas hat gezeigt: Das klappt“, sagt Ralf Speck, Geschäftsführer der Alpspitzbahn. Seit 2009 betreibt er das schwebende Restaurant, in der Regel von Juni bis Ende August. Etwa zweieinhalb Stunden dauert das Menü, die Gondel fährt dabei ihre Runden bis zur Mittelstation auf 1.200 Metern und wieder hinab zur Talstation. Die Gäste haben an unterschiedlichen Terminen die Wahl zwischen einer bayerischen Brotzeit, einem Weißwurstfrühstück und einem 4-Gänge-Menü.

Das Auge isst mit

Gondelrestaurant
Seit 2014 kümmert sich Mia Willmann um das 4-Gänge-Menü


Seit 2014 ist eine neue Köchin mit an Bord: Mia Willmann. Eine Frau außergewöhnlichen Ideen – und mit „einem Traumjob“, wie sie selbst sagt. In Nesselwang leitet Willmann unter anderem Kochseminare und betreibt einen Bioladen. Zudem ist sie immer wieder außerhalb des Allgäus in kulinarischer Mission unterwegs. Mal als Gastköchin in Schweden, mal für ein Catering in Marokko. Das Gondeling hat sie sofort begeistert. „Diese Kombination aus leckerem Essen und der atemberaubenden Landschaft ist einfach ein tolles Erlebnis“, sagt Willmann.

Zwischen Kulinarik und Mathematik

Gäste im Gondelrestaurant
Knapp eine Minute hat der Service an der Talstation Zeit für die Bewirtung


Dabei braucht sie auch einen kühlen Kopf. Die Vorbereitung des Menüs hat viel mit Mathematik zu tun. Denn die meisten Speisen, die in der Gondel serviert werden, kommen nur fast fertig aus ihrer Küche und werden dann in einem Wasserbad warm gehalten. Das gilt für die Gemüsebeilage ebenso wie für Fleisch und Spätzle. „Im Wasserbad gart das Essen natürlich nach“, sagt die Köchin, „deshalb sind die Karotten für das Menü noch sehr bissfest und die Schweinefilets noch nicht ganz fertiggegart, wenn sie meine Küche verlassen. Beim Servieren haben sie dann den Optimalzustand erreicht.“ Für diesen Optimalzustand hat Mia Willmann viel gekocht, gerechnet, ausprobiert. „Meine Familie konnte irgendwann kein Schweinefilet mehr sehen.“

Jede Sekunde zählt

Gondelrestaurant
Essen mit viel Liebe zum Detail


Gut geplant ist nicht nur die Zubereitung, sondern ebenso der Ablauf des Abends. Ein mobiler Küchenwagen hilft beim Kühlen und Warmhalten. „Zwischendurch verlassen die Gäste ihre Gondeln einmal für den so genannten Alpspitzkick“, sagt Ralf Speck, „dabei spielen Alphornbläser und es gibt Weizenbowle.“ Die Gondel selbst bleibt übrigens während des Menüs nie stehen. Beim Service muss jeder Handgriff sitzen. „Wir haben pro Gondel knapp eine Minute Zeit, um das benutzte Geschirr abzuräumen und den nächsten Gang zu servieren“, sagt Speck.“ Auch das klappt problemlos – wie schon bei der Testfahrt.

Das aktuelle Menü sowie weitere Informationen zum Gondeling in Nesselwang gibt es auf der Website der Alpspitzbahn.