Sie sind mitten unter uns, um die Ecke, über die Straße, am anderen Ende der Stadt, für jeden wahrnehmbar und doch sind es geheime Orte: Spielplätze. Wer keine Kinder hat, weiß nichts von diesen Parallelwelten, von ihren Bewohnern, ihren geheimen Regeln, von Grabenkämpfen im Sandkasten. Unsere Autorin verbringt dort ihre Nachmittage.

ICH HATTE EXTRA einen Rucksack voll Buddelzeug gepackt, aber zu essen nur einen Apfel dabei. Eine andere Mama hatte Apfelschnitze, Erdbeeren, Heidelbeeren und Schokokekse. Mein Kleiner stellte sich artig in die Reihe und bekam einen Keks ab. Das ist natürlich nicht schlimm. Trotzdem frage ich mich wieder, wie es manche Menschen hinkriegen, wirklich immer ALLES dabeizuhaben. Zugegeben, sie erscheinen mit einer Ausstattung auf dem Spielplatz, die mir für einen Mutter-Kind-Urlaub an der Ostsee reichen würde. Dazu habe ich wirklich keine Lust. Trotzdem nervt es manchmal.

„Egal, was ich einpacke, irgendwer zieht immer einen Trumpf aus dem Ärmel.“

Ich habe überhaupt nicht den Ehrgeiz, die anderen zu toppen. Aber ich frage mich gelegentlich: Was muss wirklich mit? Was ist die Grundausstattung und wo beginnt der Luxus? Deshalb kommt hier die erste Packliste meines Lebens. Und weil ich nichts einpacken möchte, nur um es dabei zu haben, organisiere ich die Liste bedarfsorientiert.

Neulich auf dem Spielplatz - Apfel
EINFACH und gut: Für dieses Basic muss man nicht gleich in den Apple Store

1. Hunger und Durst  

Logisch, die Kleinen kommen aus der Kita, sie rennen die ganze Zeit rum, vielleicht ist es heiß. Kleine Snacks und Getränke müssen mit.

  • Ich packe ein: eine Wasserflasche für den Kleinen und mich, einen Apfel, eine Box mit Crackern oder Knabbertieren. Mögen wir beide, schmilzt nicht, schmiert nicht, ist am nächsten Tag auch noch gut und wenn uns nach süß ist, können wir immer noch Eis essen gehen. Und zum Teilen haben wir so auch etwas.
  • Luxus wäre: Apfel in Schnitzen, Dinkelkekse, Schokokekse, zuckerfreie Knuspermaistiere, Rosinenbrötchen, Käsestangen, Reiswaffeln, Bretzel, Müsliriegel, Quetschies. Das sind diese kleinen Tüten mit Fruchtmus. Bevorzugt gekauft von Müttern, die fürchten, ihre Kinder, die zwar ein komplettes Gebiss im Mund haben und seit Jahren feste Nahrung zu sich nehmen, könnten an einem Stück Obst ersticken. Um Quetschies gibt es regelmäßig Ärger, denn teilen lässt sich das Objekt der Begierde nicht.

Neulich auf dem Spielplatz – Taschentuch
LÄUFT! Aber kein Grund, gleich die Wäsche zu wechseln

2. Schmiererei

Sobald eine Supermama die Schokokekse zückt, ist es natürlich vorbei. Danach können wir allen Kindern die Picknickabfolge im Gesicht, an den Händen und am Shirt ablesen. Die Klamotten kommen abends in die Wäsche, aber zumindest Gesicht und Hände versuche ich sauber zu kriegen, schon im eigenen Interesse, denn wo schmiegen die Kleinen ihren Schokomund hin? Genau.

  • Ich packe ein: Ein Päckchen Taschentücher.
  • Luxus wäre: Taschentücher, Feuchttücher, Desinfektionsspray, Wechselwäsche.

Neulich auf dem Spielplatz – Matsch
MATSCH macht glücklich, jedenfalls die Kleinen

3. Wasserpumpe

Sobald die Wasserpumpen auf den Berliner Spielplätzen laufen und die Sonne auch nur schüchtern scheint, beginnt für meinen Sohn die Saison, in der ich komplett abgemeldet bin. Erst wird noch mit Wasser gespielt und gebaut, dann gespritzt, dann reingesprungen und dann fängt er an sich damit die Haare zu waschen. Im Ernst. Das Kind ist danach komplett nass, verdreckt und glücklich.

  • Ich packe ein: ein Shirt und eine kurze Hose zum Wechseln.
  • Luxus wäre: Handtuch, Bademantel, Badehose, Sonnenschutzshirt, komplette Zweitausstattung inklusive Unterhose und Socken, wieder Feuchttücher um den Rest-Sand abzuwischen, Bürste.

„Ich möchte nicht jeden Kratzer durch Motivpflaster unnötig interessant machen.“

4. Verletzungen

Wer viel tobt, fällt auch hin. Mein Sohn weiß das. Eigentlich hat er ständig irgendwo einen Kratzer, eine Schürfwunde, eine Beule oder sonst was. Trotzdem habe ich keine Lust, mit einem Erste-Hilfe-Koffer loszuziehen, ich gehe schließlich nicht in den Busch, sondern auf den Spielplatz. Aus Erfahrung weiß ich, dass es in Apotheken fast immer ein kaltes Kühl-Pad zu kaufen gibt und ich möchte nicht jeden Kratzer durch Motivpflaster unnötig interessant machen.

  • Ich packe ein: Ein Päckchen Taschentücher. Zwei Euro für Kühlpads bei der Apotheke oder eine Kugel Eis, falls der Mund gekühlt werden muss.
  • Luxus wäre: Pflaster mit Motiven, Sprühpflaster, Desinfektionsspray, Kühlspray, Instant Knick-Kühlpad, Zeckenkarte.

5. Buddeln

Es ist die Pest. Kaum habe ich mal keine Spielsachen dabei, will das Kind Sandkuchen formen oder Suppe im Eimer kochen. Ich gewöhne mir also an, wenigstens eine Grundausstattung einzupacken. Damit es keinen Streit gibt, für mehrere Kinder.

  • Und zwar: zwei Eisformen, zwei Schaufeln, ein Stapelbecherset, ein kleiner Ball.
  • Luxus wäre: Viel mehr Eisformen, viel mehr Schaufeln, eine Sandmühle, ein großer Ball, Bagger, Laster, Puppenbuggy.

So. Der Rucksack ist für fast alle Eventualitäten gepackt. Und wenn am Ende dann doch etwas ganz Wichtiges fehlen sollte, bin ich froh, dass ganz bestimmt jemand auf dem Spielplatz ist, mit dem ich im Zweifel etwas tauschen kann. Knabbertier gegen Erdbeere, Taschentuch gegen Motivpflaster, Leuchtturmförmchen gegen Eisschaufel. Spielplätze sind auch Tauschbörsen. Hier lernen Kinder zu handeln. Und Mütter zu verzeihen. Zum Beispiel, dass die andere wieder die besseren Schokokekse eingepackt hat und man selbst nur den Apfel.

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