Gerüchte über den Niedergang des Journalismus gibt es immer wieder. Ebenso die Vorstellung, dass in Journalistenausbildung investiertes Geld in der Post-Print-Ära verschwendet ist. Doch Journalistenschulen in den USA zeigen: Es gibt eine Zukunft für Journalisten. Hier werden Studenten Fähigkeiten beigebracht, die sie brauchen, um im digitalen Zeitalter Erfolg zu haben.

Journalistenschulen

„Journalistenschulen erneuern ihre Lehrpläne, weil die Welt sich verändert hat“, sagt Paula Poindexter, Präsidentin der Association for Education in Journalism and Mass Communication (AEJMC) und außerordentliche Professorin an der School of Journalism der University of Texas in Austin. „Wir müssen uns ständig verändern, sonst riskieren wir, abgehängt zu werden.“

Von gestern zu heute

Grundlegende Fähigkeiten jedes großartigen Journalisten sind und bleiben: Stell den richtigen Leuten die richtigen Fragen, bring die Antworten in den richtigen Zusammenhang und dann fesselnd und schlüssig an dein Publikum. Was den Beruf des Journalisten gewandelt hat, sind neue Technologien und Geräte: Smartphones, Tablet-PCs und Social Media haben unser Mediennutzungsverhalten verändert. Journalistenschulen müssen ihre Studenten nun auf die neue Lage vorbereiten.

Der Geschäftsführer des American Press Institute Tom Rosenstiel sieht jedoch große Chancen für Journalistenschulen. „Das digitale Zeitalter hat uns viel mehr Werkzeuge für den Journalismus gegeben als wir sie im 20. Jahrhundert hatten“, sagt er. Zusätzlich könnten Journalistenschulen wie Business-Inkubatoren wirken und die nächste große Innovation im Journalismus aufdecken – auch dank der Tatsache, dass Colleges und Universitäten direkt mit der nächsten Generation der Mediennutzer zusammenarbeiten. „Studenten sehen Trends, die den Markt noch nicht erreicht haben“, so Rosenstiel.

Journalistenschulen

Eine Augmented Reality (AR) App, die der USC Professor Robert Hernandez mit seinen Studenten für die öffentliche Bibliothek in Los Angeles entwickelt hat. Das Programm ermöglicht der Öffentlichkeit auf seltene Büchern zuzugreifen.


Neue Fähigkeiten

Journalisten brauchen im digitalen Zeitalter unbestritten neue Fähigkeiten. Die Zeiten der klaren Arbeitsteilung in den Redaktionen sind vorbei. Redaktion, Filmen oder auch Moderation sind nicht mehr klar getrennt. „Wir haben zu schätzen gelernt, dass alles nun miteinander verzahnt ist. Wir sprechen heute eher über Storytelling als nur übers Schreiben oder Drehen“, sagt Gary Kayye, Lehrbeauftragter an der School of Journalism and Mass Communication der University of North Carolina.

Publikum im Wandel

Eine weitere Herausforderung, der sich die Journalisten heute stellen, ist das sich stetig verändernde Publikum – dieses wandelt sich genauso schnell wie die Technik. „Deshalb muss man zahlreiche Optionen anbieten, damit unterschiedliche Leute unterschiedliche Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen bekommen können“, sagt David Hazinki, außerordentlicher Professor am Henry W. Grady College of Journalism and Mass Communication an der University of Georgia. „Das Publikum eignet sich Informationen auf unterschiedliche Arten an und wir müssen den Journalismus dann und dort bereitstellen, wo sie die Information suchen. Das bedeutet, man muss bereit sein, unterschiedliche Inhalte auf unterschiedlichen Wegen aufzubereiten – auch über Twitter, Facebook und andere Social Media-Kanäle.“ Die Universitäten passen sich dem an und entwickeln neue Lehrinhalte, so etwa die Entwicklung von Apps.

Journalistenschulen

Studenten der Columbia University in einem Seminar zu Radio-Journalismus.


Zukunft der Journalisten

Die Absolventen der US-amerikanischen Journalistenschulen sind durch ihre vielfältigen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. „Es wird anerkannt, dass die Fähigkeiten, die die Studenten erlernen, in vielen unterschiedlichen Berufen angewandt werden können“, sagt Poindexter von der AEJMC, „es hat sich eine ganz neue Welt von Jobs geöffnet, weil Fähigkeiten wie Fakten sammeln, Informationen verifizieren, Schreiben, Redigieren, Filmen und Social Media-Nutzung sehr gefragt sind.“ Die neue Generation der Journalisten wird mit diesen Fähigkeiten eine Schlüsselrolle sowohl beim Storytelling für Medien also auch bei Unternehmenspublikationen wie Coca-Cola Journey spielen.