Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Chaos. 

Gute Nachrichten!

Bevor ich lang rumrede: Ich bin wieder schwanger. Sogar sehr schwanger. Im Aufzug fragen mich bisweilen Kollegen, ob es Zwillinge werden. Werden es nicht. Im Frühling erwarte ich meinen zweiten Sohn. Das ist natürlich eine gute Nachricht. Für meine Familie und mich. Für mein Arbeitsleben und mein berufliches Fortkommen ist es nicht so toll. Da gibt es nichts schön zu reden. Gerade jetzt!

Auf der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt

Vor eineinhalb Jahren kam ich fröhlich und voll Tatendrang aus meiner ersten Elternzeit zurück. Ich freute mich auf die Kollegen, hatte tolle Aufgaben, gewöhnte mich wieder ans Arbeitsleben, wurde befördert, schaffte den Spagat zwischen Kindergarten und Meeting immer besser. Alles hätte prima weiterlaufen können. Und jetzt das! Versteht mich nicht falsch: Ich wollte schwanger werden. Wir wollten auch, dass der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Kind nicht zu groß wird. Aber trotzdem! Jetzt, wo der Alltag eingespielt ist, steige ich erst mal wieder aus. Und danach ist wieder alles neu und darf wieder neu organisiert werden

Der richtige Zeitpunkt? Im Studium ist es zu früh, irgendwann ist es zu spät und dazwischen passt es nicht.


Jede Frau, die sich schon einmal überlegt hat, ob es nicht langsam Zeit wäre, an die Fortpflanzung zu denken, kennt die Überlegung. Im Studium ist es zu früh, irgendwann ist es zu spät und dazwischen passt es nicht. Wer auf den richtigen Zeitpunkt wartet, lässt am besten Eier einfrieren. Wenn einem der Job egal ist, mag der Ausstieg vielleicht leichter fallen. Wenn einen nach der Pause garantiert die gleiche Stelle erwartet, vielleicht auch. Wenn eine Frau aber gerne arbeitet und eben nicht weiß, was danach genau ist, fällt es verdammt schwer, zu sagen: „Macht mal eben ohne mich weiter. Ich komm dann wieder, wenn der Kleine bei der Tagesmutter ist.“

Mama-AG – Wieder Schwanger

PAUSENTASTE: Das Loslassen vom Job fällt nicht immer leicht


Meine Projekte, meine Babys

Die Projekte, die ich angeschoben habe, kann ich nicht weiter betreuen. Ich werde nicht dabei sein, wenn sich herausstellt, ob meine Pläne aufgehen oder auch nicht. Meine Aufgaben muss ich anderen überlassen und bin noch nicht einmal sicher, ob ich irgendwann genau dort wieder einsteigen werde. Ganz zu schweigen davon, dass ich selbst gar nicht wissen kann, wie viel ich mit zwei kleinen Jungs überhaupt arbeiten kann und möchte.

Diese Überlegungen sind beim ersten Kind nicht leicht und werden beim zweiten kein bisschen leichter. Man ist nur ein paar Erkenntnisse weiter: den richtigen Zeitpunkt gibt es einfach nicht, den perfekten Plan für den Wiedereinstieg auch nicht und den Rest muss man zu einem gewissen Teil der Natur überlassen. 

Die Überlegungen sind beim ersten Kind nicht leicht und werden beim zweiten kein bisschen leichter


Überhaupt kommen all die Fragen wieder, die ich mir bereits vor drei Jahren stellen musste. Bei der Beantwortung bin ich heute allerdings ein bisschen realistischer. Die eigenen Grenzen und Möglichkeiten kenne ich deutlich besser als vor drei Jahren. Gleichzeitig verdoppeln sich ein paar praktische Probleme. Fritz ist gerade so weit, dass im Normalfall alles rund läuft. Er geht gerne in den Kindergarten, kann sich verständlich machen, wenn ihm etwas weh tut und erklärt, was er essen und anziehen möchte. Bei seinem kleinen Bruder werden wir alles noch einmal neu erleben. Natürlich sagen viele, dass wir ja Erfahrung haben. Aber Sohn zwei wird ja nicht Fritz zwei sein. Warum soll er dann gleich essen, schlafen und schreien wie der kleine Fritz? Andere Dinge werden ähnlich laufen: Die Überlegungen, wie und wann ich ihn betreuen lasse, wie lange ich in Elternzeit gehe und wann ich wieder einsteige zum Beispiel.

Nach dem Wiedereinstieg ist vor dem Wiedereinstieg 

Alles schon einmal dagewesen. Und wenn ich irgendwann zurückkomme, wird es vielleicht ähnlich sein: Ich bin dann vielleicht voller Tatendrang, freue mich auf meine Kollegen und meine neuen Aufgaben. Der Spagat wird ein wenig größer sein wenn wir morgens ein Kind zur Tagesmutter und eines zum Kindergarten bringen. Aber auch das ist bestimmt irgendwie zu schaffen. Ich hoffe, dass ich bis dahin ein wenig gelassener und klarer mit allem bin. Auch eine Mama wächst schließlich mit ihren Aufgaben.

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