Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Kegel. 

Einsatz zur Sandkastenzeit

Die Mama-AG

Neulich ist es wieder passiert. Ich hatte schon im Büro gearbeitet und war eigentlich zuhause, um mich um Fritz zu kümmern. Gleichzeitig wollte ich aber unbedingt noch etwas für die Arbeit fertigmachen. Natürlich wäre nichts Schlimmes passiert, wenn meine Aufgabe noch einen Tag gelegen hätte. Aber es war Donnerstag, ich wollte es so gerne vor dem Wochenende vom Tisch haben und die Babysitterin hatte spontan Zeit.

Trostpreis Polizeiauto

Kurz, es war eine unselige Verbindung aus Ehrgeiz und Gelegenheit, die dafür sorgte, dass Fritz an einem Donnerstag Nachmittag nicht mit mir, sondern mit der Babysitterin, auf den Spielplatz ging. So weit, so gut. Wenn nicht das schlechte Gewissen wäre. Kaum waren die beiden aus der Tür und ich am Schreibtisch, da saß der kleine Teufel auf meiner Schulter und flüsterte mir ins Ohr, dass das so ja eigentlich nicht gehe.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Dinge ein Junge von zweieinhalb Jahren besitzt


Es arbeitet sich nicht gut mit einem kleinen Teufel am Ohr. Ich brachte meine Aufgabe trotzdem zu einem guten Ende und machte mich auf in Richtung Spielplatz, um meinem Kind die ihm zustehende Mami-Zeit zukommen zu lassen. Auf dem Weg kam ich an diesem netten kleinen Spielzeugladen vorbei. Da meldete sich der kleine Teufel zurück. Mit der Meinung, mein Kind habe sich an diesem Nachmittag eine Kleinigkeit verdient. Er traf mich damit an einer meiner schwächsten Stellen. Ich stand im Spielzeugladen, ehe ich mein Hirn eingeschaltet hatte und kam mit einem supercoolen kleinen Polizeiauto wieder raus.

Wir wollen nur spielen
BEKANNTES SZENARIO: ein Kinderzimmer nach Feierabend

Materialschlacht im Kinderzimmer

Mein schlechtes Gewissen war beruhigt und Fritz hat sich natürlich gefreut. Eigentlich war alles in bester Ordnung. Wenn da nicht all die anderen Autos wären. Und die Kipplaster, die Bagger, Bücher, die Geräusche machen, Lego, Plemo, Teddies, Eisenbahn. Manchmal sieht es in unserem Wohnzimmer aus wie in jenem Spielzeugladen auf meinem Weg. Immerhin kann ich sagen, dass es nur schöne Sachen sind. Trotzdem: Es ist schon erstaunlich, wie viele Dinge ein Junge von zweieinhalb Jahren besitzt. Natürlich sind nicht alle Gewissenskäufe von mir. Viele Spielsachen sind Geschenke, ein paar Dinge sind geerbt. Bleibt die Feststellung: Es ist ganz schön viel Kram, der sich seit der ersten Rassel angesammelt hat.

Aufräumen ist kein Kinderspiel

Nun will ich gar nicht so tun, als sei ich ein großer Feind von Spielzeug. Nur manchmal, wenn ich nachts im Flur auf Autos trete, weil Spielen und Aufräumen leider noch nicht automatisch zusammengehören. Gelegentlich frage ich mich aber schon, warum man den ganzen Kram eigentlich behält. Ich würde meinem Sohn natürlich nie den geliebten Hasen oder das Lieblingsauto wegnehmen. Aber es gibt eine ganze Menge Spielzeug, das für den Einjährigen spannend war, vom fast Dreijährigen aber nicht mehr beachtet wird. Tauschen wäre eine Lösung, so dachte ich neulich. Und musste wenig später sehen: Auf die Idee waren schon andere gekommen.

Rent a Bagger

Meine Spielzeugkiste heißt die Aktion und ich fand sie auf Anhieb überzeugend. Der Kunde sucht sich ein bestimmtes Abo aus, in dem festgelegt ist, wie viele Spielsachen ausgeliehen werden dürfen. Dann leiht er zum Beispiel eine Werkbank, einen Bagger und eine Puppe aus, der Nachwuchs spielt damit solange er Lust hat und danach wird das Spielzeug zurückgeschickt und gegen andere Dinge getauscht. So bleibt das Spielzeug spannend, die abgelegten Sachen verstopfen weder Kinderzimmerregale noch Kellerräume und Kind, Mama und Papa müssen weniger aufräumen. Schon hatte ich die Phantasie, dass ich in Zukunft den gesamten Spielzeugbedarf über Abos und Tauschen beschaffen könnte und ich nachts nie wieder auf ein Auto träte, weil alles so schön übersichtlich wäre.

Als ich die Anmeldefelder auf der Website vor mir sah, fiel mir ein, dass ich ja dann, um konsequent zu sein, auch selbst nicht mehr in Spielzeugläden gehen dürfte. Deshalb beschloss ich, nicht konsequent zu sein, das mit dem Tauschen mal auszuprobieren, aber an zwei Dingen festzuhalten: Erstens gibt es absolute Lieblingsspielsachen, die Fritz nie wieder aus den Händen geben muss. Diese Sachen werden weiterhin gekauft und bleiben dann auch. Zweitens halte ich mir damit den Rücken frei. Nur für den Fall, dass ich mal wieder ein Auto kaufen möchte.

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