Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Kegel. 

Wenn ich an meinen ersten Muttertag denke, erinnere ich mich vor allem an meine gemischten Gefühle.

Wie lieb! Dankeschön!
Wie lieb! Dankeschön!

Obwohl ich generell die coole und leicht abgeklärte Art meiner Mutter geerbt habe und solche Dinge wie Muttertag und Valentinstag für Erfindungen halte, die vor allem den Sinn haben, den Blumenläden zu einem Konjunkturschub zu verhelfen, war ich doch ein wenig aufgeregt. Zum ersten Mal war ich gemeint mit diesen ganzen Mama-Herzen in Kuchen- und Schokoladenform und ich fragte mich: Wie finde ich das eigentlich, von Pralinenherstellern als „die beste Mami der Welt“ angesprochen zu werden. Merkwürdig.

Einmal im Jahr Blumen? Na prima

Es gibt bestimmt Mütter, die mit Tränen in den Augen im Viereck springen, wenn ihr Kind am Muttertag ein Bild malt und der Kindsvater, der sich an 364 Tagen im Jahr aus dem Zirkus raushält, Blumen kauft und Frühstück macht. Ich kann das verstehen. Aber mein Mann hält sich nicht raus, er macht auch sonst Frühstück und kauft gern Blumen. Mein Sohn ist noch nicht in dem Alter, in dem er Gedichte aufsagen wird oder irgend etwas bastelt. Er wird mich anlächeln und anquengeln wie sonst auch. Bei uns wird der Muttertag ein Tag wie jeder andere sein. Das halte ich eher für ein gutes als für ein schlechtes Zeichen.

Trostpreis für Mama?

Die Mama-AG

Eine Freundin meinte mal, was ihr in der Elternzeit am meisten gefehlt habe, sei die Anerkennung im Job gewesen. Ein Neugeborenes hat wenig Spielraum, seine Dankbarkeit über eine frische Windel zu äußern. Spätestens nach einem halben Jahr will ein Kind von der Windel nichts mehr wissen und bringt das auch deutlich zum Ausdruck. „Gut gemacht“ hört die frischgebackene Mutter tatsächlich erst wieder, wenn sie zurück ins Arbeitsleben stolpert und beim Jonglieren mit den üblichen fünf Bällen zwischen Job und Familie keinen fallen lässt.

Dass sie den Mutter-Job mit Gelassenheit und Liebe meistert, betrachten Kind, Vater und Gesellschaft als Selbstverständlichkeit. Das ist es auch. Wer von uns kann ernsthaft sagen, dass er als Kind einschätzen konnte, wie viele Beine unsere Eltern sich täglich für uns ausgerissen haben? Eben. Vielleicht besser so.

Schokoherzen für alle!

Eigentlich, wenn ich es recht bedenke, ist der Muttertag eine gute  Gelegenheit, sich das einmal bewusst zu machen. Vielleicht sollte ich Freunde einladen. Nicht auf Blumen, Bilder und Gedichte warten, sondern es einfach selbst ein bisschen krachen lassen. Nehmen wir die Anlässe doch, wie sie fallen. Niemand hat uns gezwungen, Mutter zu werden und uns für ein Kind, das noch nicht „Danke“ sagen kann, von morgens bis abends in Stücke zu reißen. Wir wollten das schon alle selbst und das ist großartig. Ein Hoch auf die Selbstverständlichkeit, ein Hoch auf unsere Kinder und ein Hoch auf den Muttertag. Und meiner coolen Mutter schicke ich Blumen. Sie freut sich nämlich immer über Blumen. Am Muttertag und auch sonst.

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