Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Chaos. 

DIE SONNE scheint endlich wieder öfter. Deshalb sieht man sie plötzlich überall: die Handy-Mamas. Kind an der Hand, Handy am Ohr. Oder auch Freisprecher. Dann haben sie diesen leeren Blick, sehen aus als würden sie Selbstgespräche führen und haben eigentlich jemanden dabei, mit dem sie sich unterhalten könnten, nämlich Sohn oder Tochter. Wenn ich in der Nähe auf einer Spielplatzbank sitze, höre ich es wieder: „Meeting“, „Performance“, „Outcome“, „Budget“. Ganz normales Businessvokabular. Aber was hat das auf einem Spielplatz zu suchen? 

Meeting“, „Performance“, „Outcome“, „Budget“ – was hat das auf einem Spielplatz zu suchen?


Ich bin gerade in Elternzeit und damit in einer privilegierten Situation. Arbeit geht mich in den nächsten Monaten eigentlich nichts an. Der Staat bezahlt mich dafür, dass ich mich ganz und gar um mein neu geborenes Kind kümmere. Ich finde das großzügig und komme dem gerne nach. Abgesehen davon will ich auch gar nichts anderes. Ich weiß, dass das auch wieder anders werden wird. Dass die Arbeit irgendwann auch wieder ungeplant und in den ungünstigsten Momenten hochploppen wird. Im Zweifel passiert das am Telefon. Logisch. Das klingelt auch, wenn der Teilzeitjob eigentlich für den Tag getan ist und Mutter und Kinder sich auf dem Spielplatz tummeln. Aber ganz im Ernst: Fast alles im Büro kann warten. Ein Kind, das von der Schaukel fällt, nicht. 

Die loose-loose-Situation

Für meine Zeiteinteilung zwischen Kind und Job habe ich eine ganz klare Regel: Wenn ich mich um meine Kinder kümmere, kümmere ich mich um meine Kinder. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Bei all den Multitasking-Mischformen – und ich habe es ausprobiert! – gibt es nämlich nur Verlierer. Das Kind fühlt sich zu Recht nicht ernstgenommen und quengelt extra laut, die telefonierende Mutter versteht ihr eigenes Wort nicht und wird zunehmend gereizt gegenüber Kind und Kollege und die Arbeit hat auch nichts davon. Denn konzentrieren kann ich mich in so einer Situation eh nicht. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, aus dem Handy und Spielplatz nicht zusammenpassen: Die meisten Arbeitsgespräche gehen den Rest der Welt überhaupt nichts an.

Die Mama-AG

Conference-Call mit Constantin

Ich möchte als Unbeteiligte nicht dabei sein, wenn Mitarbeiter gemaßregelt werden, wenn Kollegen Hilfe brauchen oder Chefs sich beschweren. Das sind aus gutem Grund Gespräche unter vier Ohren. Neulich besprach eine Anwältin auf der Bank neben mir ihre Strategie mit ihrer Mandantin. Woher weiß die, dass ich nicht Zeuge der Gegenseite bin? Manchmal habe ich den Eindruck, der Spielplatz sei eine Büro-Nebenstelle und nicht der Marathon-Telefonierer sei am falschen Ort, sondern ich.

Dabei stören mich auch nicht nur die Einzelgespräche. Ich werde beim Schaukeln auch gelegentlich Zeuge einer Telefonkonferenz. Ich habe selbst schon an Telefonkonferenzen teilgenommen, bei denen mehrere Beteiligte unterwegs waren. Weder Spielplatzgeräusche, noch Bahnansagen haben die Konferenz nennenswert weiter gebracht. Da frage ich mich ein bisschen: Warum machen diese Mütter das? Glauben sie wirklich, dass ihre Anwesenheit in der Form irgendjemandem etwas bringen könnte?

Jenseits des Dienstplans

Natürlich gibt es diese Momente, wo niemand sagen kann „Sorry, ich arbeite nur von 9 bis 12.“ So flexibel, dass mal eine Stunde am Nachmitttag eingeschoben wird, sind wir alle. Das ist in einem internationalen Konzern mit Beteiligten in unterschiedlichen Zeitzonen auch nicht anders denkbar. Aber dafür gibt es Babysitter. Die wenigsten Telefonkonferenzen kommen überraschend. Bisher konnte ich das noch immer einplanen. Entweder Fritz blieb dann eine Stunde länger im Kindergarten, Papa sprang ein oder er ging mit der Babysitterin eine Runde auf den Spielplatz. Das wird mit zwei Kindern nicht einfacher. Aber eins werde ich ganz bestimmt nicht machen: Conference Call mit Atlanta während Fritz auf dem Klettergerüst rumturnt und der Kleine gerade im Kinderwagen aufwacht. Sorry, Atlanta: Bin momentan nicht erreichbar.  

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