Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Chaos. 

FRÜHER HABE ICH viel gearbeitet und wenig Zeit für mich gehabt. Heute arbeite ich viel, habe eine Familie und keine Zeit mehr für gar nichts. Rückblickend verfügte ich früher über unendlich viel Zeit. Der zutreffende Facebook-Beziehungsstatus für die Zeit und mich wäre: Es ist kompliziert. Nun hatten wir neulich ein „Coke-Framily-Treffen“, ein Event mit Impulsvorträgen und viel Austausch mit ein paar großartigen Familien-Bloggern zum Thema „Zeitmanagement“. Und siehe da: All die großen und kleinen Probleme rund um die Zeiteinteilung zwischen Job und Familie habe nicht ich alleine. Alle haben sie!

Freundschaft mit Hindernissen

Mama AG - Zeitmanagement
TÄGLICH grüßt das Post-It: Klare Prioritäten helfen 

„Die Zeit und ich. So werden wir wieder Freunde“ war der versöhnliche Titel  unseres Zusammenkommens. Um es kurz zu machen: Es gibt Freundschaften, die fliegen einem einfach so zu. Die Zeit gehört zur anderen Sorte. Man muss sich kümmern, Rituale entwickeln, Zeitfresser identifizieren, organisieren und sich ganz fest vornehmen sich mal nichts vorzunehmen. Wichtig ist – so haben wir gelernt – das Einplanen von unverplanter Zeit; sonst kann das Gehirn sich nicht regenerieren und verweigert jede Form von Kreativität.

Die Zeit und ich können wieder Freunde werden. Wenn wir uns ein bisschen, aber nicht allzu sehr anstrengen.


Das Einplanen von Zeitfenstern gefällt mir eigentlich sehr gut. Wenn ich allerdings zehn Minuten Ruhe für mich einplane, kann ich sicher sein, dass mein Sohn ungeplant hinfällt und getröstet werden muss. Oder es klingelt ungeplant das Telefon. Oder ich mache die Augen zu, versuche nichts zu denken und schon erscheint vor meinem geistigen Auge meine To-do-Liste mit allen Punkten des Tages, der Woche und des Monats. Wenn es gut läuft, überlege ich nur, was ich abends kochen soll.

Mama-AG – Zeitmanagement – Graphic Recorder
ALLES EINE FRAGE der Zeit: Graphic Recording von Sophia Halamoda 

 Zeitmanagement unter Bloggerinnen

Die Mama-AG

Was ich an dem Tag wirklich spannend fand: Uns allen ging es gleich. All die großartigen Autorinnen, die es schaffen neben, Job und Familie auch noch einen Blog zu bespielen, fühlten sich zeitmäßig etwas überfordert. Und ich spreche nicht von irgendwem. Jessika von Herz und Liebe war da, Jette, die Supermom, Rebecca von Elfenkind, Béa von Tollabea, Alu von Grosse Köpfe, Ina von Kikusch, Daniela von Butterflyfish, die Mädels vom Mummy-Mag und Johnny vom Weddingerberg. Die Kinder der Blogger wurden im Nebenraum bespaßt und wuselten immer wieder mit Selbstgebasteltem durch den Raum. Sophia, eine Graphic Recorderin zeichnete unsere Ideen mit, so dass uns heute ein Comic-Protokoll bleibt und Stefanie Hentschel von Brigitte MOM hat uns moderiert. Wir waren also in allerbester Gesellschaft, mein Zeitproblem und ich.

Zeitmanagement: Tipps von Experten

Wir können es schaffen. Wir können wieder Freunde werden. Wenn wir uns ein bisschen, aber nicht allzu sehr anstrengen wird diese Beziehung auch wieder glücklicher. Eine interessante Erkenntnis: vor lauter Autobahn des Lebens fühlen wir Mütter und Väter uns oft überfordert und gehetzt. Das Lebensglück geht laut Statistik in dieser Lebensphase runter. Wir sind zwischen Mitte 30 und Mitte 40, der Job läuft gut, Kleinkinder wuseln durch den Alltag, die Beziehung ist stabil, Zeit fehlt.

Vor lauter Autobahn des Lebens fühlen wir Mütter und Väter uns oft überfordert und gehetzt.


Eigentlich sollten wir zufrieden sein, zum großen Glück reicht es aber oft nicht. Dabei ist Glück machbar. Zu 50 Prozent ist Lebensfreude angeboren, zu 10 Prozent von den Umständen abhängig und zu 40 Prozent von uns selbst machbar, sagt das Coca-Cola Happiness-Institut. 40 Prozent sind doch ein ganz schöner Batzen.

Zeitmanagement: Entschleunigen, aber schnell!

So unterschiedlich die Köpfe auch waren, ein paar Gemeinsamkeiten hatten wir alle: Wir nehmen uns zu viel vor, neigen zum Perfektionismus, machen zu selten „Nichts“, greifen zu oft zum Handy und kennen die Zeitfresser Haushalt und Facebook. Natürlich gab es Lösungsvorschläge. Arbeitszeit reduzieren war einer, der eindrucksvoll vorgestellt wurde von meiner Kollegin Svenja und ihrem Mann, die beide in Tandems arbeiten. Auch Christiane Wittig, Coach für Zeitmanagement, gab uns Tipps und natürlich kamen großartige Ideen aus der Runde. Bleibt die Frage, was wir daraus machen.

Zu 50 Prozent ist Lebensfreude angeboren, zu 10 Prozent von den Umständen abhängig. 40 Prozent sind machbar.


Wenn ich all die großartigen Tipps umsetzen würde, die an dem Tag entwickelt wurden, würde ich nichts anderes mehr tun. Aber ich habe mir, passend zu den Neujahrsvorsätzen, das Folgende vorgenommen: In Zukunft möchte ich jeden Tag zehn Minuten ganz alleine Nichts tun. Ich möchte kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn mein Sohn im Kindergarten fünf Minuten auf mich warten muss, ich werde nicht mehr den ganzen Tag verplanen, sondern nur die schaffbaren zwei Drittel, E-Mails beantworte ich in zwei oder drei festen Zeitfenstern, nicht mehr zwischendurch, ich werde nie mehr das Handy mit in die Sauna nehmen, um zwischen den Saunagängen Mails zu checken, zum Essen möchte ich sitzen, aber nicht vor dem Computer. Und Parkplätze zu suchen – mein persönlicher Zeitfresser Nummer eins – lasse ich in Zukunft einfach sein. Ich ziehe nämlich ins Grüne. Dort werde ich in all der gewonnenen freien Zeit viel spazieren gehen. Das wird noch was mit der Zeit und mir. 

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