Kann es den ultimativen Gute-Laune-Song geben und wie lautet die wissenschaftliche Erklärung dafür, dass Musik glücklich macht? Wir haben nachgefragt bei Dr. Adrian North, einem australischen Musikpsychologen und Autor von: „How to Produce Happy Music.“

Sie sind promovierter Musikpsychologe. Das ist eine Disziplin, die vermutlich wenige Menschen kennen. Erzählen Sie uns von Ihrer Arbeit?

Musikpsychologen geht es weniger darum, einzelne Musikstücke zu untersuchen, als darum, zu erforschen, welche grundlegenden Charakteristika der Musik welche Gefühle hervorrufen. In den letzten Jahren habe ich mich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie und wo wir Musik hören. Technisch hat sich viel geändert, für die Wirkung der Musik auf Menschen ist das ein wichtiger Punkt. 

Inwiefern haben Entwicklungen wie mobile Abspielgeräte, Onlinestreaming und andere Technologien unseren Umgang mit Musik verändert?

Früher war Musikhören ein passiver Prozess. Jetzt haben wir Zugang zu jedem Musikstück, das jemals aufgenommen wurde. Wir können uns anhören, was wir wollen, wann wir das wollen und wo wir wollen. Wir sind keine passiven Zuhörer mehr, sondern aktive Konsumenten. 

Ein wichtiger Punkt ist, dass wir heute in einem ganz anderen Maße die Kontrolle darüber haben, was wir hören. Wir sind Musik in Aufzügen oder Supermärkten nicht mehr ausgesetzt. Beobachten kann man das in der U-Bahn: Jeder sitzt da mit seinen Kopfhörern und entscheidet selbst, was er hört. Das ist die größte Veränderung. 

Dr. North

Dr. Adrian North


Was macht Musik zu fröhlicher Musik?

Da geht es vor allem um zwei Faktoren: Erstens, wie sehr man ein Musikstück mag und zweitens, wie mitreißend ist es. Man kann das Maß, in dem ein Stück jemanden anspricht, danach bemessen, ob er das Stück mag und ob es an sich mitreißend ist oder nicht.

Ist schnellere Musik fröhlicher?

Die Theorie besagt, dass schnellere Musik fröhlicher ist. Aber das funktioniert relativ. Der eine findet ein Stück mitreißend, was erst einmal bedeuten würde, dass es ein gewisses Potential hat, glücklich zu machen. Der andere kann damit vielleicht gar nichts anfangen. 

Gibt es eine universelle Definition von „glücklichmachender“ Musik oder haben Sie geografische und demografische Unterschiede festgestellt?

Ja und nein. Wenn Kulturen sich ähnlich sind, kann man gleiche Maßstäbe anlegen, wenn die Unterschiede größer werden, funktioniert Musik als universelle Sprache nicht mehr. Ein gutes Beispiel ist indonesische Beerdigungsmusik, die klingt für westliche Ohren sehr fröhlich. Außerdem gibt es innerhalb einer Kultur große Unterschiede, wie Musik eingesetzt wird. Männer zum Beispiel neigen dazu, mit Musik zu beeindrucken. Frauen hören Musik eher, um sich emotional zu regulieren. Das hat auch Auswirkungen auf die Partnerwahl. Männer suchen sich ihren Partner nach musikalischen Präferenzen aus. Frauen legen darauf weniger Wert.

Ist unsere Definition von „Happy Music“ eine Entwicklung unserer Zeit?

Ja, aber sie war eine vorhersehbare Mode. Die Entwicklung resultiert aus der Idee, dass Musik mitreißend sein soll. Wenn ein Komponist immer das Gleiche spielt, wird das langweilig. Komponisten aller Genres versuchen, das zu vermeiden und gestalten ihre Musik immer mitreißender. Ein klassisches Beispiel ist Heavy Metal. Als es damit in den 80ern losging, hatte die Musik ein normales Tempo. In den 90ern wurde sie deutlich schneller und entwickelte sich zum Trash Metal. Metal-Komponisten haben weiter versucht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu binden, indem sie das Tempo anzogen. Aber alles hat ein Ende. Irgendwann kippt Musik um in Krach. Das ist der Moment, in dem Komponisten kreativ werden müssen, um wirklich innovativ zu sein. 

Welche Rolle spielt der Text für den Lebensfreude-Quotienten eines Songs?

Musikpsychologen haben im Grunde aufgegeben, sich mit den Songtexten zu beschäftigen. Der Umgang mit Texten ist zu individuell und eignet sich deshalb nicht für wissenschaftliche Untersuchungen. Die meisten Zuhörer bekommen die Texte gar nicht richtig mit. Trotzdem sickern sie in unser Bewusstsein. Eine Studie ergab, dass positive und negative Stimmungen in Songs, sich auf das Bruttosozialprodukt auswirken. Fröhliche Musik macht die Welt also nicht nur fröhlicher, sondern auch reicher.