Modernes Leben – das sieht vor allem so aus: Feste Arbeitszeiten verschwimmen zunehmend, wir checken und beantworten unsere Mails längst auch nach Feierabend, an Feiertagen, am Wochenende oder im Urlaub. Dank leistungsstarkem Internet befreien wir uns auch gleich noch von festen Arbeitsorten. Ob im Büro, daheim oder im Café – leben und arbeiten ist überall möglich. „Work-Life-Blending" nennen Wissenschaftler das Neuzeitphänomen, wenn Arbeits- und Privatleben zunehmend verschmelzen.

Jochen Mai / Foto@Philippe Ramakers
Blogger Jochen Mai wird für Coca-Cola Journey zum Glückssucher

Doch macht es die Menschen glücklich? Eher nicht. Danach gefragt, sagen viele, dass sie nach einer Work-Life-Balance streben, dem allseits perfekten Ausgleich von Arbeit und Leben. Diese Balance spielt inzwischen sogar eine Hauptrolle, wenn Arbeitnehmer den Job wechseln – noch vor beruflichen Entwicklungschancen oder dem Verhältnis zu Chef oder Kollegen, so eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half.

Schon der Begriff führt in die Irre.

Der Begriff „Work-Life-Balance" suggeriert zwei gegensätzliche Pole, die es gegeneinander abzuwägen und auszugleichen gilt. Arbeitest du noch oder lebst du schon? Doch das ist Unfug. Wer arbeitet, lebt. Da gibt es keinen Gegensatz.

Leben und Arbeit können sogar wunderbar miteinander verbunden sein, einander stärken und befruchten. Tatsächlich kann der Bürokaffee am Montagmorgen nach einem aufreibenden Familienwochenende genauso entspannend sein, wie der Feierabendwein auf der Terrasse. Wer meint, er arbeite nur um seinen Lebensunterhalt zu sichern, sitzt einem gefährlichen Denkfehler auf. Wie psychologische Studien immer wieder zeigen, braucht der Mensch seine Arbeit, um glücklich zu sein. Schon Thomas Mann erkannte früh: Arbeit sei zuweilen „ein freudloses und mühseliges Stochern; aber nicht [zu] arbeiten – das ist die Hölle".

Der Mensch ist von Natur aus unausgeglichen

Der Glückssucher – Coca Cola Journey
CHILLEN tut gut, aber Unzufriedenheit ist ein
starker Motor

Davon abgesehen ist die perfekte Balance eine Illusion. Bereits für Sigmund Freud stand fest, dass der Mensch von Natur aus unausgeglichen ist. Es ist ein wesentlicher Teil unserer Existenz. Erst Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit lassen uns nach Besserem und Höherem streben. Wir sind dafür gemacht, uns zu entwickeln. Imbalance ist der Motor für Engagement und Kreativität schlechthin.

Wenn überhaupt, dann ist Ausgeglichenheit eine Frage von Episoden. Nicht Leben und Arbeit gilt es täglich bis ständig in Balance zu bringen, sondern vielmehr einzelne Lebensabschnitte. Es wird immer Phasen geben, die unsere volle Aufmerksamkeit verlangen: Die Geburt eines Kindes, die schwere Krankheit eines Elternteils, ein wichtiges Projekt. Schlaf wird in diesen Zeiten zur Mangelware, Freundschaftspflege zum Luxus. Da gibt es keine Balance. Danach zu streben, wäre töricht und verursacht nur noch mehr Stress.

Der Glückssucher

Aber: Solche Phasen gehen auch wieder vorbei und dann ist es wichtig, der Anspannung die nötige Entspannung gegenüber zu stellen. Sei es durch eine entsprechende Auszeit, einen ausgedehnten Urlaub oder eine andere Belohnung. Allein diese Abwechslung sorgt schon in gewisser Weise für Balance.

Mehr aber noch geht es darum, dem eigenen Leben einen Rhythmus zu geben – über den Tag verteilt genauso, wie über Wochen, Monate und Jahre. Der Trick dabei ist, nicht die Zeit zu managen (das geht sowieso nicht, weil jeder Tag trotzdem nur 24 Stunden hat), sondern vielmehr die eigene Kraft und Energie. Permanentes Selbstmanagement und Work-Life-Balance-Denken dienen nur dazu, noch mehr Dinge in den Tagesablauf hinein zu pressen, damit der ausgeglichen ist. So erhöhen wir aber nur den Druck.

Der Glückssucher – Coca Cola Journey
PERMANENTES Selbstmanagement erhöht
den Druck

Die bessere Alternative: Die aktuelle Phase akzeptieren, sich zwischendurch kurze Pausen gönnen und seinen eigenen Rhythmus finden. Sei es nur, indem man eine Vision entwickelt, was auf die Anspannung folgt und Pläne mit Freunden schmiedet. Vorfreude kann schließlich enorme Kräfte freisetzen – und entspannend wirken.

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