Der Glückssucher

ES IST EIN KLASSISCHER TEST: Zeigen Sie jemandem ein zur Hälfte gefülltes Glas und fragen Sie, ob es halb voll oder halb leer ist... Üblicherweise antworten Optimisten, es sei halb voll; Pessimisten meinen, es sei halb leer. Allenfalls Ingenieure finden, das Wasserglas sei doppelt so groß wie es sein müsste. Aber das ist eine andere Geschichte.

Man kann darüber schmunzeln – und doch kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Deutschen das Glas in der Regel eher halb leer sehen. Optimisten genießen hierzulande kein allzu hohes Ansehen. Zuversicht klingt verdächtig, naiv, nach rosaroter Brille.

Fehler! Optimismus ist wichtiger für uns, als wir denken. Er ist eine Kraftquelle für unseren Körper und unsere Psyche.

Ingenieure finden, das Wasserglas sei doppelt so groß wie es sein müsste.





Optimismus steigert unser Leistungsvermögen

Optimismus – Der Glückssucher
HALB VOLL oder halb leer? 

Es gibt bereits Studien mit Placebos, die zeigen, wie Zuversicht unsere Selbstheilungskräfte aktiviert: Die Immunabwehr von Optimisten funktioniert nachweislich besser, sie spüren Schmerzen weniger stark und erholen sich schneller von Operationen. Auch erkranken Optimisten seltener an Depressionen. Und: Menschen mit gesundem Optimismus erreichen in ihrem Leben mehr.

Dazu gibt es ein bemerkenswertes Experiment von Tim Woodman, einem britischen Psychologen an der Bangor Universität. Woodman ließ 28 Studenten, allesamt keine übermäßigen Sportskanonen, Seilspring-Übungen exerzieren. Der Trick war: Der einen Hälfte der Teilnehmer gab Woodman ein angeblich besonderes Seil, das den Schwierigkeitsgrad enorm erhöhe. Das war zwar gelogen, verunsicherte die Probanden aber und erschütterte gezielt ihr Selbstvertrauen. Dennoch schnitten einige am Ende des Tests besser ab, was wiederum Woodman verunsicherte. Als er jedoch nachfragte, stellte er fest: Die erfolgreichen Seilspringer sahen zwar die erhöhte Herausforderung, waren aber durchweg optimistisch, sie auch zu schaffen.

Der Optimist ist also keinesfalls naiv, sondern sich der Probleme durchaus bewusst. Zugleich hat er den Mut, beherzt zu handeln und sein Ziel zu erreichen. So bleibt er auch bei größeren Schwierigkeiten handlungsfähig.

Was wir brauchen, um optimistisch zu bleiben

Optimismus – Der Glückssucher
DER POSITIVE BLICK nach vorn lässt sich trainieren


Natürlich ist Zuversicht kein Selbstläufer. Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass diese Weltsicht zu etwa 30 Prozent angeboren ist. Der überwiegende Rest aber ist das Ergebnis von positiven Erfahrungen sowie reine Entscheidungssache: Es ist nicht die Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, vielmehr haben wir die Wahl, wie wir die Dinge sehen wollen – und ob wir ein Projekt optimistisch starten oder mit Selbstzweifeln und Angst.

Psychologen sprechen in dem Zusammenhang auch von der Selbstwirksamkeitserwartung. Gemeint ist damit, dass jemand zutiefst davon überzeugt ist, einen wirksamen Beitrag leisten und die Situation meistern zu können. Etwas knapper könnte man auch von Selbstvertrauen sprechen.

Die gute Nachricht ist, dass sich das trainieren lässt. Vor allem durch Erfahrungen. Und das geht so: Statt nur zerknirscht auf einen Scherbenhaufen zu schauen, betrachten Sie Misserfolge als wichtige Lektionen, aus denen Sie lernen können. Gleichzeitig erinnern Sie sich bitte vor allem an Ihre Erfolge. Egal, ob große Siege oder kleine. Sie zeigen Ihnen, dass Ihr Erfolg kein Zufall ist, sondern dass Sie ihn wiederholen können. Und genau das fördert nicht nur die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung, sondern auch den optimistischen Blick in die Zukunft.

Jochen Mai / Foto@Philippe Ramakers
Blogger Jochen Mai wird für Coca-Cola Journey zum Glückssucher

Über den Autor

Jochen Mai, Jahrgang 1968, ist Gründer und Herausgeber von Karrierebibel.de. Seine journalistische Laufbahn begann er bei Wirtschafts- und TV-Magazinen (Focus, Capital, RTL), später folgten 13 Jahre als Ressortleiter und Social Media Manager bei der WirtschaftsWoche sowie zwei Jahre als Social Media Manager für die Yello Strom GmbH. Mai ist Mitgründer der Strategie-beratung GROWWW sowie Dozent an verschiedenen Hochschulen (u.a. Deutsche Presseakademie), Autor mehrerer Bestseller und ein gefragter Keynote- und Social Media Speaker


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