ALLE JAHRE wieder dasselbe Spiel: Das Jahr geht, die Vorsätze kommen. Abnehmen zum Beispiel. Weniger rauchen. Oder mehr Zeit mit der Familie verbringen. In den Nachwehen von Christstollen und Gänsebraten entwerfen die Menschen von sich ein Idealbild, entwickeln Ambitionen, formulieren dazu ein paar gute Neujahrsvorsätze – und scheitern.

Spätestens am ersten Arbeitstag im neuen Jahr hat sie der alte Trott wieder – samt kalorienreicher Kantinenkost, der Kippe nach der Konferenz und steigenden Überstunden. Irgendwie dumm gelaufen. Aber irgendwie auch vorhersehbar.

Der Glückssucher

Vorsätze: Das Streben nach Glück

Dabei ist das Streben nach Besserem zunächst überhaupt nichts Verwerfliches, im Gegenteil: Jeder Menschen sollte sich Ziele setzen und sich daran erinnern, dass da noch mehr geht, dass man mehr aus seinem Leben machen kann als sich damit abzufinden. Studien belegen sogar: Wer sich Ziele setzt, lebt länger. Und erst durch bewusste Ziele bekommen Glück und Erfolg den Freiraum zurück, den Termine, Tagesgeschäft und Trott zwischenzeitlich eingenommen haben.

Aber braucht es dazu ausgerechnet Neujahr?

Nein. Die Erfahrung zeigt: Der kalendarische Anlass ist eher ein Negativindikator, um seinen Zielen näher zu kommen. Regelmäßig veröffentlichen Meinungsforschungsinstitute die guten Vorsätze der Deutschen – und regelmäßig sind es dieselben. Alle Jahre wieder. Allenfalls die Reihenfolge variiert ein bisschen, was aber auch nur beweist: Umgesetzt werden sie offenbar nie. Eher ist ihre Wiederholung ein Zeichen für ein permanent schlechtes Gewissen.

Die 72-Stunden-Regel besagt: Alles, was Sie sich vornehmen, müssen Sie innerhalb von 72 Stunden beginnen


   

Vorsätze – Der Glückssucher
GESUNDE ERNÄHRUNG: unabhängig vom Kalender jederzeit möglich 


Andersrum wird ein Schuh daraus: Wer wirklich etwas in seinem Leben verändern will, kann das jederzeit tun – sollte damit aber auch gleich beginnen, unabhängig vom Datum. Die sogenannte 72-Stunden-Regel besagt etwa: Alles, was Sie sich vornehmen, müssen Sie auch innerhalb von 72 Stunden beginnen, sonst sinkt die Chance, dass Sie das Projekt jemals umsetzen, auf ein Prozent.

Zielstrebigkeit und das Erreichen von Vorsätzen sind keine Frage von Jahreswechseln, sondern vielmehr von Willensstärke, Ausdauer und Disziplin. Nur wer etwas wirklich will (unabhängig vom Zeitpunkt), kann das auch erreichen. Sonst bleibt es eben: ein frommer Wunsch.


So erreichen Sie Ihre Vorsätze auch

Überdies gibt es noch ein paar psychologische Tricks, die einem seinen eigenen Vorsätzen näher bringen: Vergessen sollten Sie zum Beispiel all die spontanen Ideen vom Typ Nächstes-Jahr-werde-ich-ein-besserer-Mensch. Bringt nichts! Nach dem selben Muster scheitern auch alle Im-kommenden-Jahr-nehme-ich-zehn-Kilo-ab-Diäten.

Vergessen Sie die spontanen Ideen vom Typ Nächstes-Jahr-werde-ich-ein-besserer-Mensch. Bringt nichts


Vorsätze sollten realistisch und auch ein echter Herzenswunsch sein, sonst entwickelt niemand dazu die nötige Leidenschaft. Sich zu viel auf einmal vorzunehmen, ist ebenfalls unklug. Meist wollen Menschen mit alten, schlechten Gewohnheiten brechen – und die haben den Nebeneffekt, zäher als Stahlseile zu sein. Wer sie ablegen will, braucht Zeit (rund 66 Tage sagen Studien), Disziplin und Teilerfolge. Der Trick dabei ist, ein großes Ziel in kleine Etappen zu zerlegen und diese umso konsequenter zu verfolgen. So weiß man heute aus der Motivationsforschung, dass sich Menschen umso mehr reinhängen, je näher sie ihrem Ziel kommen. Also schaffen Sie kurze Strecken und damit mehr Motivation.

Formulieren Sie Ihre Vorsätze konkret. „Ich möchte abnehmen“ ist kein konkretes Ziel. In vier Wochen zwei Kilo purzeln zu lassen oder jedes Wochenende auf den Nachtisch zu verzichten, dagegen schon. Eine gute Hilfe ist übrigens, sich die Vorsätze exakt aufzuschreiben – und zwar so, dass man sie jeden Tag vor Augen hat. Am Kühlschrank zum Beispiel.

Zu guter Letzt muss es sich lohnen: das Ziel sollte Spaß machen. Geld zu sparen und auf Konsum zu verzichten, macht keinen Spaß. Jeden Monat 100 Euro zur Seite zu legen, um sich damit einen Traumurlaub zu finanzieren, steigert dagegen sogar noch die Vorfreude (die ja ohnehin viel schöner ist). Erst recht, wenn Sie zwischendurch die Reiseroute planen oder erste Ausrüstungsutensilien anschaffen.

Jede Veränderung, die Ihnen so gelingt, ist ein Schritt vorwärts. Das spornt an und gibt zugleich Kraft, erste Rückschläge zu überwinden. Und Rückschläge werden kommen, niemand ist perfekt. Weitermachen sollten Sie trotzdem. Schließlich haben Sie jetzt ein lohnendes, konkretes und realistisches Ziel vor Augen.

Jochen Mai / Foto@Philippe Ramakers
Blogger Jochen Mai wird für Coca-Cola Journey zum Glückssucher

Über den Autor

Jochen Mai, Jahrgang 1968, ist Gründer und Herausgeber von Karrierebibel.de. Seine journalistische Laufbahn begann er bei Wirtschafts- und TV-Magazinen (Focus, Capital, RTL), später folgten 13 Jahre als Ressortleiter und Social Media Manager bei der WirtschaftsWoche sowie zwei Jahre als Social Media Manager für die Yello Strom GmbH. Mai ist Mitgründer der Strategieberatung GROWWW sowie Dozent an verschiedenen Hochschulen (u.a. Deutsche Presseakademie), Autor mehrerer Bestseller und ein gefragter Keynote- und Social Media Speaker. 




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