Den ganzen Tag zu sitzen tut nicht gut, das weiß jedes Kind. Zum Sport schaffen es viele Kollegen trotzdem nicht. Die Lösung für mehr Bewegung im Berufsalltag ist ergreifend einfach: Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren! Der Fahrrad-Doc hilft dabei.

Fahrrad? Grundsätzlich würde man ja gerne. Aber das Rad steht im Keller, wurde seit Jahren nicht aufgepumpt und rostet vor sich hin. Das Licht geht nicht und die Kette knarrt wie ein Mühlrad. Alles kein Problem. Ullrich Christ ist Fahrrad-Doktor im mobilen Einsatz. Bereits zum fünften Mal macht er diesen Juni drei Tage lang Station bei Coca-Cola in Berlin und nimmt sich Mitarbeiterräder vor.

Er schraubt und ölt, versetzt ein Hinterrad und sorgt dafür, dass die Gangschaltung wieder rund läuft. Mit Handwerk und Bastelei macht er aus Rostmühlen Räder, die zumindest theoretisch zweimal täglich quer durch Berlin fahren könnten. Ziel der Aktion ist, dass die Fahrer Spaß an der neuen Fortbewegungsart finden - und dass sie umsteigen auf das luftigste und spannendste Fortbewegungsmittel, das Berlin zu bieten hat.

Das Ende der Ausrede

Zum Fahrrad gehört immer auch ein Fahrer. Deshalb kümmert der Doc sich nicht nur um marode Rostlauben, sondern auch um die Besitzer. Meistens liegt ein Problem nicht am Rad, sondern oberhalb des Sattels. Der potentielle Fahrer will nicht so richtig. Es ist zu anstrengend, zu nass, zu heiß, zu windig, keine Ausrede ist ihm zu schal. Deshalb ist Ullrich Christ da, um Ausreden, Vorurteilen und rostigen Ketten den Kampf anzusagen. „Ich versuche Fahrfreude wieder herzustellen mit einem Rad, das funktioniert.“ Fahrfreude kommt beim Fahren. Und die stellt sich bei vielen der Räder, die den Weg in die Coca-Cola Tiefgarage finden, verständlicherweise nicht ein. „Manche Exemplare haben lange im Keller gestanden. Wer mit so einem Rad zehn Kilometer fahren will, der muss hart im Nehmen sein,“ kommentiert Christ.

Mitarbeiter-Fahrrad beim Fahrrad-Doktor

Fahrräder müssen hin und wieder repariert werden, aber manchmal brauchen auch ihre Fahrer ein bisschen Wartung.


Mobil werden

Mit etwas Öl und Luft ist bei den meisten Kollegenrädern schon einiges getan, ein paar routinierte Griffe mit dem Schraubschlüssel, dann fühlt sich alles ganz anders an. Auch die Bremsen werden neu justiert und ergonomisch eingestellt. Die rechte Bremse sollte beim Rechtshänder stärker sein und der Lenker nicht erst suchend umfasst werden, wenn ein Träumer im Weg steht. Das alles erhöht das positive Fahrgefühl und verbessert die Beziehung zwischen Rad und Fahrer. Der Fahrer bekommt von Ullrich Christ, wenn das Rad versorgt ist, eine unauffällige Mitbehandlung. Technische Tipps, aufmunternde Worte und die Bitte, einmal aufzusitzen, damit der Sattel eingestellt werden kann, machen aus so manchem Schönwetterfahrer einen Alltagssportler.

Mit dem richtigen Rad durch jedes Wetter

Nach dem Durchchecken stehen die Räder für neue Touren bereit. Wenn alles gut geht, entdeckt der ein oder andere ein neues Hobby. Was aber soll er tun, wenn er sich einen neuen Gefährten suchen möchte? „Den ultimativen Tipp gibt es nicht.“ Wenn Ullrich Christ ein Rad empfehlen soll, dann sieht er sich erst den Menschen an. „Ein Fahrrad muss zum Charakter passen. Ich sehe mir an, wie Sie gehen, wie Sie sich halten. Ein Fahrrad ist eine Art Fortsetzung des eigenen Skeletts. Der eine wird glücklich mit einem Hollandrad, der andere braucht eine Sportmaschine.“

Das Dienstrad für den Sport nebenbei

Wer das richtige Rad gefunden hat, oder mit dem eigenen alten Drahtesel neu anbandelt, wird fast automatisch den Arbeitsweg zur Lieblingsradstrecke machen. Das hat gleich mehrere positive Nebeneffekte. Die Bewegung macht vor der Arbeit gute Laune, sie erweitert den Horizont. Die eigene Fitness bedankt sich für jeden gefahrenen Kilometer und Radeln bei jedem Wetter stärkt das Immunsystem. Bereits jetzt fahren zwanzig Prozent der Mitarbeiter in der Berliner Zentrale der Coca-Cola Organisation mit dem Rad zur Arbeit. Hier gibt es im Neubau extra Umkleideräume und Duschen für Anfahrten und Joggingrunden in der Mittagspause. Neu sind auch fest installierte Fahrradpumpen sowie ein Notfall-Werkzeugkoffer und Regencapes, die am Empfang verfügbar sind.