Tim Kolbe hat es getan. Er nahm sich zwei Monate Zeit, um sich um seine kleine Tochter zu kümmern. Ein Gewinn für Familie und Firma.

Seit 2007 gibt es in Deutschland die Elternzeit. Maximal 14 Monate bezahlte Elternzeit können Eltern nehmen und sich um die Erziehung ihres Kindes kümmern – theoretisch. Diese 14 Monate bekommt ein Paar dann, wenn der Vater einen Teil der Erziehungszeit übernimmt. Eine forsa-Umfrage des Coca-Cola Happiness Instituts zeigt: Die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern ist für 77 Prozent aller Väter besonders wichtig. Sigmar Gabriel, der einen Nachmittag pro Woche fest seiner Tochter widmet, ist ein prominentes Beispiel. Auch in Unternehmen reichen immer mehr Väter Elternzeit ein. Tim Kolbe, Senior Manager Market Activation & Operations bei der Coca-Cola GmbH, berichtet über seine zweimonatige „Vaterzeit“.

„Meine Familie besteht aus meiner Freundin Carolin, unserer Tochter Clara und mir. Clara ist jetzt 20 Monate alt. Meine Frau ist selbstständige Pädagogin, ich arbeite seit 2005 bei Coca-Cola. Als Clara zur Welt kam, habe ich mich gefragt, ob ich Elternzeit nehme. Anfangs hatte ich es nicht vor. Es war so viel los im Büro, ich steckte in Projekten und trage auch beruflich einige Verantwortung. Mit Carolin habe ich hin und her überlegt. Sie fand die Idee gut, hat mich aber nicht gedrängt. Ein Grund, mich dafür zu entscheiden, war mein starker Wunsch, Zeit mit Clara zu verbringen. Sie war anfangs komplett auf Mama fixiert – da ist man als Mann schnell abgehängt. Das war für mich das Signal. Ich hatte die Chance und wollte sie nutzen.

Unterstützung durch das Unternehmen

Auch wenn bereits einige Kollegen bei uns in ‚Vaterzeit‘ gegangen sind, war ich der Erste in unserem Team. Generell wird Elternzeit bei uns befürwortet. Die Zeit mit der Familie ist auch ein wichtiges Thema in unserer Markenkommunikation und in meiner Projektarbeit: Wir wollen Menschen inspirieren, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Für mich war das ein Grund, zu sagen, ich mache es auf jeden Fall, da wollte ich authentisch sein.

Elternzeit

Ich kann verstehen, dass es Vätern manchmal nicht leicht fällt, in diese „Auszeit“ zu gehen. Für mich war es auch nicht einfach, mir vorzustellen, dass ich zwei Monate lang meine Projekte nicht weiterbringe. Zum Glück habe ich verstanden, dass ich nicht alleine bin. Ich habe ein großartiges Team, das die Aufgaben sehr gut aufgefangen hat. Bei den Jahresendgesprächen war das Feedback, das ich bekommen habe, dann noch besser, als in den Jahren zuvor. Das liegt auch daran, dass ich die Zeit für mich genutzt habe. Es war einerseits eine intensive Zeit mit der Familie und andererseits konnte ich richtig vom Job abschalten. Ich bin mit Freude und Leidenschaft zurück ins Büro gegangen. Aus meiner Sicht waren diese beiden Monate ein Erfolg auf der ganzen Linie: für meinen Arbeitgeber, für mich, für Carolin und für Clara.

Elternparadies Kapstadt

Ich war im Februar und März 2013 in Elternzeit. Zuerst sind wir umgezogen und dann haben wir als Familie fünf Wochen gemeinsam in Kapstadt verbracht. In Kapstadt hatten wir eine sehr intensive Familienzeit. Ich war der Hausmann, habe mich morgens um Einkauf und Frühstück gekümmert, bin nachts mit Clara aufgestanden und habe Ausflüge organisiert. Carolin hatte Zeit, sich Gedanken zu machen, wie es mit ihrer Firma weitergeht. Für sie war es eine zweimonatige Wiedereinarbeitungsphase. In Berlin konnte Carolin dann gleich durchstarten.

Kapstadt ist für die Elternzeit übrigens ideal. Es ist familienfreundlich, ruhig, lebenswert und sicher. Das alles spielt auf einmal eine Rolle, wenn man ein Baby dabei hat. Wir haben dort nichts anderes gemacht, als uns 24 Stunden um Clara zu kümmern, zusammen zu essen und Ausflüge zu machen. Wir waren entspannt und glücklich und Clara hat sich großartig entwickelt.

Familienzeit nach den Vatermonaten

Was die Zeit mit mir gemacht hat, sehe ich im Nachhinein. Zuvor ist es mir schwer gefallen, morgens zu frühstücken und abends so früh nach Hause zu kommen, dass wir zusammen essen können. Heute nehme ich mir die Zeit dafür, auch weil ich sehe, wie Clara es genießt, uns beide um sich zu haben. Die Elternzeit hat mir geholfen, in meine Vaterrolle zu finden. 

Die Zeit hat mir jedoch nicht nur privat geholfen, sie hat mich auch beruflich beflügelt. Es war gut, meinem Team zu vertrauen, das hat uns alle gestärkt. Insgesamt wurde mein Schritt sehr positiv aufgenommen. Kolleginnen waren beeindruckt, Kollegen haben gefragt, worauf ich verzichten musste, wie das mit dem Bonus und den Urlaubstagen lief.

Ich bin sehr froh, es gemacht zu haben und dankbar, dass das möglich war. Mein Arbeitgeber hat mir in keinem Moment ein schlechtes Gefühl gegeben. Da stimmte von Anfang an das Vertrauen. Die ‚Vaterzeit‘ hat mich in jeder Hinsicht weitergebracht.“