Blogs gibt es wie Sand am Meer zu jedem Thema. Um Euch eine Orientierung zu geben, stellen wir alle zwei Wochen einen unserer Lieblingsblogs vor. Heute:  Buchkolumne.de, ein Blog über Bücher, Autoren und andere Büchermenschen

BÜCHER UND ONLINE passen nicht zusammen, sagt ein bekanntes Klischee. Dieses Klischee ist widerlegt. Karla Paul, Literaturkritikerin aus Leidenschaft, macht seit fast einem Jahrzehnt was mit Online und Büchern – und ist damit von Anfang an erfolgreich. Blogs, Twitter, Youtube und Podcasts eignen sich nämlich hervorragend, um Menschen und Bücher zusammenzubringen.

Blogoskop

Wie Ostern und Weihnachten

Andere Menschen teilen ihr Jahr durch Weihnachten und Ostern ein. Bei der Bloggerin Karla Paul ist das anders. Die zwei Highlights im Jahr, nach denen sich alles andere richten muss, heißen Leipzig und Frankfurt. Dort finden im März und Oktober die beiden großen Buchmessen statt, zu denen Büchermenschen aus der ganzen Welt anreisen. Es geht dort um Gastländer, Autoren, Verträge, Verlage, Lesungen, neue Geschäftsmodelle – vor allem aber geht es fünf Tage lang nur um Literatur.

„Die Buchmesse ist für mich immer so etwas wie ein Familientreffen“, erzählt Karla. „Literatur ist sonst etwas sehr Einsames. Bei der Buchmesse kann man das ein bisschen aufbrechen. Ich liebe diese intensive Zeit, in der ich mal wieder alle treffen und mich mit ihnen austauschen kann.“ Nach den Messen mit ihren langen Tagen und langen Nächten kehren die Büchermenschen zurück in ihre Lesesessel. Auch Karla kommt nach der Buchmesse wieder zurück nach Hamburg – nicht in die Einsamkeit, sondern zu den vielen Projekten, die dafür sorgen, dass Lesen keine isolierte Tätigkeit bleiben muss.

Literatur und Onlinemedien schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil, das passt wunderbar zusammen.



Von Podcast bis Blog – alles für die Bücher

Ein Podcast war Karlas erstes Projekt, das eine Verbindung zwischen Onlinemedien und analogen Büchern herstellte. Entstanden war er als Seminararbeit im Studiengang Mediendesign. Für die Studentin lag es damals nahe, Bücher zu ihrem Thema zu machen. Sie hatte schon immer viel gelesen und rezensierte gelegentlich für Zeitungen. Der Podcast war erfolgreicher als gedacht. Innerhalb kurzer Zeit warteten 5.000 Abonnenten auf Karlas Buchkritiken.

Karla Paul – Buchkolumne – Blogoskop – Coca-Cola Journey

„Es hat mich damals verblüfft, dass es so viele Büchermenschen gibt, die sich austauschen wollen,“ erinnert sie sich heute. „Im Freundeskreis war ich immer der einsame Literatur-Nerd. Auch heute bin ich immer wieder überrascht, wie begeisterungsfähig die Leute sind. Das motiviert mich und lässt mich nach neuen Ideen und Projekten suchen.“ Was für Karla in den Jahren mit Podcast und schließlich auch dem Blog Buchkolumne immer deutlicher wurde, war vor allem eins: Literatur und Onlinemedien schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil, das passt wunderbar zusammen.


#Lesenacht

Ein Aha-Erlebnis in dieser Richtung hatte Karla erst wieder Anfang Oktober. Irgendwann an einem Samstagabend startete ein einsamer Leser unter #Lesenacht eine kleine Twitterlawine. Innerhalb einer Stunde twitterten tausende Leser, welches Buch sie gerade lesen, wie sie es finden und warum. Es gibt sie also, die Vielleser, die offline Bücher lesen und sich online darüber austauschen. An diesem Abend jedenfalls hat der ein oder andere Leser ganz offensichtlich von seinem Buch hochgeschaut, den Twitteraccount geöffnet und so Gleichgesinnte samt Literaturempfehlungen kennengelernt.

Es gibt sie, die Vielleser, die offline Bücher lesen und sich online darüber austauschen.



Lesen auf Papier

Letztlich geht es Karla bei all den Onlineformaten um eines: Bücher. Und Bücher zu lesen bedeutet: Handy aus, Rechner zu und raus aus der realen und digitalen Welt. „Natürlich lege ich das Smartphone weg wenn ich in die Texte eintauche. Wenn Literatur gut ist, kommt das von allein. Da vergesse ich den Rest der Welt.“ Schweift der Blick immer wieder zum Display, sollte der Leser seine Lektüre überdenken. „Wenn man sich zu leicht ablenken lässt, sollte man sich ein anderes Buch nehmen. Für mittelmäßige Bücher ist das Leben zu kurz.“

Schweift der Blick beim Lesen immer wieder zum Smartphone, sollte man seine Lektüre überdenken.


Wie aber finde ich das richtige Buch und was macht ein Buch überhaupt zum guten Buch? „Für mich muss ein guter Text gleichzeitig informativ und unterhaltsam sein. Es muss sich auf der einen Seite so spannend lesen, dass es mich in seinen Bann zieht, auf der anderen Seite habe ich den Anspruch, dass ich danach ein besserer, ein anderer Mensch bin. Es muss mir etwas mitgeben, mich gedanklich in eine Richtung schubsen und meine Welt erweitern. Am Ende muss ich mir sicher sein, dass diese zwei oder zehn Stunden sinnvoll verbrachte Lebenszeit waren.“

Das gute Buch

Wer sich in diesem April mit einem Buch so richtig eingraben will, bekommt hier drei besondere Empfehlungen von Karla Paul: Da ist einmal der Roman Mehr als wir sind von Jürgen Neffe. „Das ist eine tolle Geschichte, unterhaltsam, packend, ein wunderbar Stil, es ist das perfekte Buch für mich. Ich kippe da vollkommen rein. So etwas erlebe ich vielleicht drei Mal im Jahr. Das ist dann ein besonderes Highlight, bei dem ich jede Seite auskoste.“

Karla Paul – Buchkolumne – Blogoskop – Coca-Cola Journey
KARLA PAUL: „Ein gutes Buch erweitert meine Welt.“

Eines der größten Bücher überhaupt ist für die Bloggerin Das größere Wunder von Thomas Glavinic. „Ein fabelhafter Roman. Das habe ich zwei Mal gelesen und schon sehr oft empfohlen.“ Ein Buch, das Karla auch schon seit Jahren empfiehlt ist Die Stadt der Blinden von Nobelpreisträger José Saramago. „Der Roman ist sehr gesellschaftskritisch. Ich fände es toll, wenn das gerade jetzt mehr Menschen lesen würden, weil man viele Dinge wiedererkennt, die wir heute beim Thema Flüchtlinge wiedersehen. Es war das erste und das einzige Buch, das meine Sinne komplett gefangen genommen hat. Es lehrt mich, wie weit Menschen gehen können. Im Guten wie im Schlechten.“

Hast du einen Lieblingsblog?

„Uwe Kalkowski vereint als Kaffeehaussitzer zwei meiner größten Leidenschaften – Literatur und den Genuss koffeinreicher Getränke in schöner Umgebung. Er kritisiert und lobt auf hohem Niveau mit Liebe zum Detail und zum geschriebenen Wort.“ 

Und einen Lieblings-Social-Media-Kanal?

„Clemens Setz ist nicht nur ein bekannter und beliebter Autor für die gedruckte Langstrecke (mit seinem aktuellen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre), er twittert auch sehr unterhaltsam – Literatur in 140 Zeichen.“

Journey-Leser kennen Karla Paul bereits aus unseren Blogoskop #bloggerfuerfluechtlinge.