Gewalt auf der Straße, Dealer im Park, verdreckte Spielplätze. Es gibt viele Dinge, die Erwachsene stören. Aber auch den Kleinsten in der Gesellschaft stinken sie schon. Jetzt machen sie den Mund auf.

PAFF! Die rechte Faust fliegt nach vorn und trifft den Handschuh der Trainerin. Das peitschende Geräusch klingt in der großen Halle nach. Zurück in die Ausgangsstellung. Der Kopf des kleinen Mädchens versinkt wieder hinter den dicken Handschuhen. Jetzt ist ihr Nachbar dran, ein schmächtiger Junge mit blondem Haar. Paff! Auch sein Schlag sitzt.

18 Kinder sind in der Turnhalle versammelt und wechseln sich ab zwischen Springseil und Boxhandschuhen. Es ist Projektwoche und das Team von RespAct ist mit drei Trainerinnen gekommen, um ein besonderes Programm umzusetzen.

Die Schule liegt eingebettet in eine Häuserfront, wer sie nicht kennt, läuft vorbei. Dieser Kiez in Berlin-Neukölln gilt als problematisch. Zwar bevölkern mittlerweile Hipster und Touristen die ehemaligen Spelunken in den Seitenstraßen. Die Immobilienpreise überschlagen sich. Doch die Armut zeigt sich immer noch an vielen Ecken. Die Straßen sind verdreckt und die Kriminalitätszahlen hoch. Worüber Erwachsene im Vorbeigehen mit den Schultern zucken, das ist für Kinder hier oft prägend.

„Ja zum Sport, nein zur Gewalt. Boxen ist der perfekte Sport für Kinder.“

„Boxen ist der perfekte Sport für Kinder“, sagt Trainerin Josie, die das RespAct-Team leitet. „Es verbindet Körper und Köpfchen. Gleichzeitig sensibilisieren die Übungen und zeigen Grenzen auf. Ja zum Sport, nein zur Gewalt. Denk auch an den anderen.“

Wenn es beim Linienball zu ruppig wird, muss das besprochen werden: Tue keinem weh, kümmere dich um die anderen. Das Konzept bewährt sich. Die Kinder sind im Umgang miteinander konstruktiv, körperliche Überlegenheit spielt keine Rolle. Jungs und Mädchen ziehen an einem Strang.

Coca-Cola & RespAct – Trainerin Josie
KRAFT UND KÖPFCHEN: Für einen guten Treffer braucht es beides, sagt Trainerin Josie

Das Programm heißt RespAct: eine Mischung aus aktivem Handeln und gegenseitigem Verständnis, die Lernerfolge durch praktische Umsetzung garantiert. Coca-Cola unterstützt das Projekt seit Jahren aus finanziellen Mitteln der The Coca-Cola Foundation, ohne weiteren Einfluss auf die Organisation zu nehmen.

„Wir schaffen das!“ Die Kinder rufen das Motto laut durch die Turnhalle, dann geht´s rüber ins Klassenzimmer. Dort wartet die nächste Herausforderung: einmal Bürgermeister/in von Neukölln sein!

Attacke gegen Hundekacke

Die Herangehensweise ist spielerisch, die Botschaft ernst. Kinder haben außerhalb geschützter Räume keine echte Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen. Das will RespAct ändern.

Coca-Cola & RespAct – Bürgermeister
SPIEL UND ERNST: Zur Müllkampagne kam sogar die echte Bürgermeisterin

In der Rolle des Bürgermeisters lernen die Kinder, sich zu organisieren und ihre Forderungen zu artikulieren. Am Ende produzieren sie eine Videobotschaft. Die Rolle des Bürgermeisters wird heute abwechselnd von Mädchen und Jungen gespielt. Auch Regie und Kamera liegen in Kinderhand. Inhaltliche Vorgaben gibt es nicht – aber ordentlich Wut in den kleinen Bäuchen. Die beklagten Punkte sind wenig kindlich und gehören doch zum Alltag vieler hier. Wenn der Straßenverkehr für die Kinder zum Spießrutenlauf wird, stimmt etwas nicht. Echt genervt sind die Grundschüler auch von Betrunkenen und Drogendealern im Park, dreckigen Spielplätzen und den vielen Hundehaufen im Viertel.

Coca-Cola & RespAct – Boxhandschuh
PAFF! Mittlerweile hören den kleinen Champions auch die Medien zu

Wir Erwachsenen haben uns schon an vieles gewöhnt und gehen schulterzuckend daran vorbei. Aber die Kinder wollen das nicht akzeptieren. Und inzwischen werden sie auch außerhalb der Schule gehört. An ihrer Demonstration „Attacke gegen Hundekacke“ nahm sogar die Bezirksbürgermeisterin teil, die Medien griffen das Thema auf. Respekt!