MANCHE SPORTARTEN verändern sich im Laufe von Jahrhunderten nicht. Andere ständig. Zum Beispiel Bierkastenrennen. Wer heute nach der Historie und dem Regelwerk sucht, wird bei Wikipedia fündig. Beim Bierkastenrennen, so steht dort zu lesen, gehe es darum, einen Bierkasten im Zweierteam über eine festgelegte Strecke zu tragen und ihn während des Laufs zu leeren. Das Reglement unterscheidet sich in Feinheiten, je nach dem wo das Rennen ausgetragen wird und welche Brauerei das Gelage unterstützt. Erste Belege für ein Bierkastenrennen führten laut Wikipedia in das Jahr 1982. Und das ist, wie wir beweisen werden, falsch.

Erste Belege für ein Bierkastenrennen führen laut Wikipedia in das Jahr 1982. Das ist falsch.

Wir fanden im Coca-Cola Archiv deutlich frühere Belege. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1957 und zeigt, wie auf der beschriebenen Rückseite dokumentiert, das Bierkasten-Rennen in Berlin. Vier Herren im schwarz-weißen Kellner-Outfit rennen auf die Zielgerade zu, wo sie von der jubelnden Menge erwartet werden. Auf der Schulter tragen sie jeweils einen Kasten Bier. Ein bisschen sieht es aus, als hätten sie gerade besonders durstige Gäste zu bedienen.

Die Kronkorken: unversehrt

Das Banner, das sie im Ziel willkommen heißt, stammt aus dem Hause Coca-Cola. „Trink Coca-Cola eiskalt“ steht dort. Genau das werden die schnellen Kellner hoffentlich getan haben. Das geschleppte Bier kam damals jedenfalls, das ist an den Kronkorken zu sehen, unangetastet ins Ziel; es war aber wohl kräftig durchgeschüttelt und erst einmal ungenießbar.

Aufrecht ins Ziel

Das Bier war seinerzeit wohl lediglich Gewicht und Sportgerät und nicht dazu gedacht, das Rennen mehr und mehr zu einem Trinkspiel werden zu lassen. Wer immer heute bei einem Bierkastenrennen ins Ziel stolpert, wird dabei vermutlich weniger Haltung zeigen, als die Kellner auf unserer Schwarz-Weiß-Aufnahme. Ein anderer Unterschied, der auch klar zeigt, dass es 1957 eher um Sport ging als heute: die Kästen wurden damals nicht zu zweit, sondern alleine getragen. Und das Gewicht der Fracht blieb über die gesamte Strecke gleich. Die Coke im Ziel haben die Kellner sich also redlich verdient.