Blogs gibt es wie Sand am Meer - zu jedem Thema. Um unseren Journey-Lesern eine Orientierung zu geben, stellen wir jeden Monat einen unserer Lieblingsblogs vor.  Diesen Monat: BerlinFreckles.
Ein bisschen Lifestyle, ein bisschen Latte Macchiato und eine Menge ganz normales Leben, so zeigt sich BerlinFreckles, der sommersprossige Mama-Blog von Sophie Lüttich. Ein lesenswertes Sammelsurium aus Praktischem, Politischem und Skurrilitäten, nicht nur für Großstadtmütter. 
Sophie Lüttich

Viel Action im heimischen Wohnzimmer - auch darüber schreibt Sophie Lüttich in ihrem Blog


Angefangen hat alles in Sophies erster Elternzeit. Einmal pro Woche schrieb die junge Mutter damals eine Kolumne für ein Kinderstadtmagazin. Die Texte wurden fleißig kommentiert und Sophie merkte zwei Dinge: Zum einen gab es eine Menge Menschen, die sich für ihre Ansichten interessieren und zum anderen hatte sie sich daran gewöhnt, ihre Alltagsbeobachtungen mit anderen zu teilen. Sie setzte ihren Blog auf, übernahm ihren Twitternamen „BerlinFreckles“ und bloggte los. Die Sommersprossen passten zu ihrer bunten Sammlung punktueller Beobachtungen aus allen Facetten des Mütterdaseins. Die Freckles grenzen nicht ein, sondern machen alles möglich. „Ich wollte es damals schon nicht „Sophies Mama-Blog“ nennen. Berlin Freckles passte gut. Zum einen spielt Berlin eine große Rolle, zum anderen lassen die Freckles mir jeden Freiraum. So kann ich alles machen. Vielleicht will ich ja irgendwann über ganz andere Dinge schreiben. Ich definiere mich als Mutter nicht nur über die Kinder und ich schreibe nicht nur noch über Babybrei und Windeln.“

Artikel für alle. Aber Privates bleibt Privat und Job bleibt Job.

Was Babybrei, Windeln, Kindererziehung und Spielplatzszenen betrifft, kann Sophie inzwischen einiges erzählen, immerhin ist Kind eins inzwischen auf der Schule, Kind zwei im Kindergarten und Kind drei gerade geboren. Aber die Mutter hat trotzdem, außer Gläschen, auch noch andere Dinge im Kopf. Mal sucht sie die richtige Farbe für das Kinderzimmer, mal regt sie sich über Gesellschaftliches auf, mal berichtet sie über den miesen Zustand von Spielplätzen, mal steckt sie mit den Kindern im ICE fest und berichtet darüber, wie sie das am besten mit guter Laune übersteht. Nach der Elternzeit ging Sophie zurück in ihren Job, der Blog blieb trotzdem. „Natürlich bin ich eine bloggende Latte-Macchiato-Mutter aus Berlin. Aber ich bin eben auch berufstätig. Und wenn mich jemand auf meinen Kaffee anspricht, kann ich immer noch sagen, den habe ich mir verdient.“ Klischees und eigene Macken nimmt Sophie im Blog genauso intensiv unter die Lupe, wie die Alltagsbeobachtungen, die eine Kinderwagenschieberin beim Überwinden mehrerer Stockwerke bei kaputtem Aufzug anstellt. „Natürlich verblogge ich nicht jeden Ausflug und nicht jeden Kindergarten-Elternabend. Alles, was ich schreibe, ist persönlich, aber bei Privatem gehe ich bis zu einer bestimmten Grenze. Das betrifft auch meine Kinder. Wenn mein Sohn ein Bild blöd findet, dann nehme ich ein anderes. Er ist groß genug, das mit zu entscheiden. Auch die Namen meiner Kinder nenne ich nicht.“ 

Ein Nest und ein Netzwerk

Sophie Lüttich

Einmal kurz durchatmen: Momente ganz ohne Kinder, Job oder Blog gibt es selten für den BerlinFreckle


Berliner Mama-Bloggerinnen gibt es eine ganze Menge und jede schreibt über etwas anderes. Die eine mehr über Brei, eine andere mehr über Kindermöbel. „Hier gibt es schon so etwas wie ein Nest. Trotzdem sollte man die Blogs nicht schnell in eine Schublade stecken. Jede dieser Mütter lebt ein anderes Lebensmodell und jede hat einen anderen Schwerpunkt. Trotzdem ist es natürlich großartig, wenn wir uns austauschen, vernetzen und verlinken können.“ Sophie selbst gründete, als sie die Vorurteile kennenlernte, denen sie als berufstätige Mutter ausgesetzt ist, noch einen zweiten Blog, NetWorkingMom.de.  „Ich bin nicht nur Bloggerin und nicht nur Mutter. Ich habe einen ganz normalen Job,“ erzählt sie. Trotzdem kommt Sophie immer wieder in Situationen, in denen andere glauben, für sie mitdenken zu müssen. Wenn sie zu Nachmittagsmeetings nicht eingeladen wird, weil jeder davon ausgeht, sie könne als Mutter eh nicht. Oder wenn sie ungefragt erfährt, dass es nicht gut sei, Kinder in Fremdbetreuung zu geben. „Die besten Sprüche kommen von Kinderlosen. Da seufzt die Kollegin, wenn ich in letzter Minute loshusche, um die Kleine von der Kita zu holen, sie hätte jetzt auch gerne frei. Oder sie echauffiert sich über Fremdbetreuung. Was für ein blödes Wort. Ich würde meine Kinder nie einem Fremden geben. Ich weiß sehr genau, wer sie betreut und die machen das großartig.“

Zwischen Mutitasking und Multiperspektivität

Dass eine Mutter berufstätig ist, wird offensichtlich auch im Jahr 2014 noch kommentiert. Dass eine berufstätige Mutter bloggt, ruft bei vielen Menschen endgültig Unverständnis hervor. „Manche fragen, was mir das bringt und andere, wie ich das hinkriege. Die Antwort ist, ich schreibe nur, wenn ich will und ich mache viele Sachen nicht.“ BerlinFreckles ist das liebgewonnene Onlineleben von Sophie. Es ist Hobby und Ausgleich, Vernetzung und Fortbildung. Beim Bloggen sammelt sie Onlinekompetenzen, von denen sie beruflich profitiert. Sie kennt die Stolpersteine und Chancen, ihren jetzigen Job hat sie auf diesem Weg bekommen. Zudem macht die Mischung aus Job auf der einen und Blog auf der anderen Seite sie unabhängiger als so manchen Vollzeitblogger. „Ich muss nicht irgendwelche Produkt-Tests machen, weil ich die Miete noch nicht reingebloggt habe, sondern kann mich auf das konzentrieren, was ich erzählen will, ohne auf Klickzahlen zu achten.“ Klickzahlen kontrolliert die Bloggerin natürlich trotzdem und es macht ihr auch Spaß zu sehen, dass über 8.000 Leser im Monat durch BerlinFreckles surfen. Manchmal kommt es auch vor, dass eine Mutter auf dem Spielplatz sich als begeisterte Leserin entpuppt. Da verlängert sich das Onlineleben dann in nette Offline-Erlebnisse. Auch Bloggerinnen haben schließlich mal die Füße im Sand und einen Kaffee im Becher.