Frauen und Technik sind ein verkanntes Traumpaar. Daran könnte sich etwas ändern. Wenn die BerlinGeekettes weiter wachsen, wird es bald kaum noch Frauen geben, die es nicht wissen. Vielleicht werden Mädchen zukünftiger Kindergartengenerationen sich im Sandkasten darüber unterhalten, dass sie Programmiererin und natürlich Geekette werden wollen. Alles ist eine Frage der Vorbilder.

Vorbilder, so stellte eine Hand voll technikbegeisterter Frauen an einem Abend in Berlin fest, gab es für sie nicht. Frauen die programmieren, Unternehmen gründen, Ideen technisch umsetzen, Spiele entwickeln, Softwareunternehmen leiten - überhaupt Frauen in Technikberufen mussten sie auf der ganzen Welt mit der Lupe suchen. Kein Wunder, dass jeder Technikfreak in Rock und Schminke sich immer schon fragte: bin ich die einzige, bin ich vielleicht falsch hier, kann ich das überhaupt? Genau das wollten die motivierten Technikfrauen an jenem Abend in Berlin ändern. Sie wollten sich austauschen und zeigen, dass sie keine Aliens in einer Männerwelt sind, sondern Techniktalente. Und sie wollten anderen Frauen und vor allem nachfolgenden Generationen etwas geben, was sie selbst gerne gehabt hätten: Vorbilder.

Nerds unter sich

Berlin Geekettes

Sie gründeten zuerst eine Facebookgruppe, die „Geekettes“. Geekettes war fortan die weibliche Form von „geek“, also Technikfreak. Aus der Facebookgruppe wurde ein Blog, dann eine Bewegung und schließlich im Juni 2013 eine Gesellschaftsform. Heute, etwa anderthalb Jahre nach der Gründung, sind die Geekettes unter Technikfrauen längst eine Institution. Die Gründerinnen Jess Erickson und Denise Phillip kümmern sich inzwischen hauptberuflich um die Weiterentwicklung des Netzwerks für „Women in Tech“. Mehr als 600 Geekettes zählen heute zu den BerlinGeekettes, die HamburgGeekettes haben momentan 150 Mitglieder, München und London stehen kurz vor der Gründung. Die Geekettes wachsen beim Zusehen.

Lernen, austauschen, inspirieren 

Was aber machen die Geekettes eigentlich? „Wir bringen Frauen in Technikberufen zusammen,“ erzählt Denise Philipps, Co-Gründerin der Geekettes. „Wir zeigen, dass es dynamische Frauen in der Technikszene gibt, wir entwickeln Mentorenprogramme und Veranstaltungen und kümmern uns darum, dass die nächste Generation sich für Technik nicht nur begeistert, sondern sie mitgestaltet. Im Grunde versuchen wir das Image der Technikberufe zu verändern.“ Und dieses Image hat eine Politur bitter nötig. Das zeigt schon ein Blick in die üblichen Hackathons. Hackathons sind Wochenendveranstaltungen, bei denen Hacker sich zusammensetzen und unter Marathonbedingungen, in etwa 24 bis 48 Stunden, Programme entwickeln. Normalerweise werden diese Veranstaltungen zu 95 Prozent von Männern besucht. Frauen kommen - wenn überhaupt - vereinzelt vor. Die Geekettes drehten den Spieß um und organisierten nun schon zum zweiten Mal einen All-Women-Hackathon. Männer waren nicht ausgeschlossen, aber es ging um die Frauen. Und die kamen in Scharen.

Berlin Geekettes

Hacken in Berlin

Mehr als 100 weibliche Technikfans kamen im Oktober in der Coca-Cola Zentrale in Berlin zusammen und hackten sich durch das Wochenende. „Die Frauen haben unglaubliche Talente und jede Menge Spaß aber nur zwei von ihnen waren jemals auf einem Hackathon. Das kann eigentlich nicht wahr sein,“ stellt Jess Erickson beim Hackathon in Berlin fest. „Hier fühlen sie sich angesprochen und sie sehen, dass sie nicht die einzigen sind. Sie probieren aus, sie bauen zusammen Programme, sie kreieren lustige und wichtige Lösungen für den Alltag.“ Und der Alltag von Frauen sieht nun einmal anders aus, als der Alltag von Männern. „Frauen haben andere Erfahrungen und eine andere Perspektive,“ so sieht es auch Denise Philipp. Deshalb sollen Frauen in Hackathons und in Mentorenprogrammen gezielt motiviert werden. „Frauen haben viel aufzuholen, schon weil es kaum Vorbilder gab und die Computererziehung bei Mädchen noch immer hinterherhinkt. Wir wollen das Gleichgewicht herstellen. Es geht nicht darum, dass die Frauen unter sich bleiben. Es kann aber nicht sein, dass ein Bereich, der unsere Zukunft sehr stark bestimmt, von nur einem Geschlecht beherrscht wird.“ Diversity macht das Leben nun einmal spannender und die Technikwelt ein wenig bunter. Dass es sich lohnt, Frauen an die Technik zu bringen, zeigen auch die Ergebnisse des Hackathons. In zwei Tagen sind hier Verhütungs-Apps, Motivationsprogramme, Social-Media-Tools, Aufklärungs-Spiele und digitale Tanztrainer entstanden. Frauen und Technik sind eben das verkannte Traumpaar.