Die September-Ausgabe der Zeitschrift emotionJOB zeigt Frauen, die im Beruf ihren eigenen Weg gehen. Darunter auch drei Coca-Cola Mitarbeiterinnen. Von der Lehre als Kauffrau zum Posten als Personaldirektorin? Bei Coca-Cola ist das möglich. Dabei fördert das Unternehmen nicht nur die eigenen Mitarbeiten sondern will fünf Millionen Frauen weltweit berufliche Chancen eröffnen. Ganz nach dem Motto "Je bunter, desto besser".

DIE OPTIONENGEBERIN

Schon als Nadine Ziese noch die Frau für Streitfragen war, war ihr eines besonders wichtig: Möglichkeiten aufzuzeigen. Das liegt ihr auch als Human Resources Director am Herzen - und dafür schafft sie Spielräume

TEXT: ANNEKATRIN LOOSS

Dass Nadine Ziese gern mit Menschen umgeht, erkennt man an ihrem offenen Blick und der geduldigen, weichen Stimme. Seit einem Jahr gehört sie zur Geschäftsführung von Coca-Cola. Mit 31 wurde die Berlinerin 2012 Director Human Resources bei dem Getränkegiganten. 

Nadine Ziese

Nadine Ziese

Foto: Michael Danner


Eine steile Karriere, die im Jahr 2000 mit einer Lehre zur Industriekauffrau begann. Es folgte ein BWL-Studium, parallel zur Arbeit. Als 2010 der Personalbereich von Coca-Cola umgebaut wurde, war sie mit zuständig für die Neustrukturierung. „Eine spannende Zeit. Auch wenn es wehtat, seine eigenen Aufgaben aufzugeben", sagt die 32-Jährige. Im selben Jahr wechselte sie in den Bereich Employer Relations, wo sie für die Niederlassungen in Nord-West-Europa bei Streitfragen vermittelte, egal ob sie zwischen Kollegen oder mit Vorgesetzten auftraten. Ihr Erfolgsrezept: "Ich fühlte mich nicht als Problemlöserin, sondern als Optionengeberin." Das kam gut an. Zwei Jahre später wurde sie Personaldirektorin.

Dass die Firma sehr flexible Arbeitszeiten hat und ein Gleitzeitmodell mit äußerst großzügigen Kernzeiten sind Regelungen, die sie mit eingeführt hat. "Unsere Mitarbeiter entscheiden frei, wann und wo sie arbeiten." Alle sind mit einem Laptop ausgestattet, der sie überall mit dem internen System verbindet. "Es geht bei uns nicht darum, wie lange jemand im Büro sitzt, sondern wie gut seine Leistung ist." Eine Haltung, von der vor allem Frauen mit Kindern profitieren. Wohl auch deshalb arbeiten auf der mittleren Führungsebene inzwischen ein Drittel Frauen. Auch in vier der neun Büros der Geschäftsleitung, die an den Geschäftsführer Hendrik Steckhan berichten, sitzen Frauen. „Sie sind für uns als Arbeitgeber eine wichtige Zielgruppe", sagt Nadine Ziese. Für Frauen, die Familie und berufliches Vorwärtskommen verbinden möchten, bietet die Firma weitere Möglichkeiten: Projektarbeit, virtuelle Arbeit und Elternarbeitszimmer.

Von einer Frauenquote hält sie dagegen nichts: "Es geht eher um die Frage, welche Barrieren wegmüssen, damit wir nicht mehr über eine Ouote nachdenken müssen." Ein Weg sei, auch die Männer von flexiblen Arbeitszeiten und Elternzeit zu überzeugen. Die Logik dahinter: Wer Männer zu mehr Familienzeit ermutigt, fördert indirekt auch die Frauen. "Bei uns gibt es keine Frauenthemen, sondern Elternthemen."

Und was hat sie persönlich so weit gebracht? „Ich hatte immer Mentoren. Es gibt stets etwas, das man von anderen lernen kann." Drei Ratschläge würde sie einer Mentee mitgeben: „Den Mut, Dinge anders zu machen. Rückschläge oder Hürden nicht fürchten. Und auf das eigene Bauchgefühl hören." Den bislang wichtigsten Rat erhielt sie, als man ihr den Posten als HR Director anbot. Nadine Ziese zögerte: „Bin ich der Aufgabe gewachsen?" Ihr Mentor bestärkte sie: „Andere trauen dir das zu. Warum zweifelst du?" Heute sagt sie: „Zum Glück hatte er recht." Und lacht.

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INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

„5by20" - hinter der kleinen Formel verbirgt sich ein großes Ziel: Bis zum Jahr 2020 will Coca-Cola fünf Millionen Frauen mit einem Business-Training zur Selbstständigkeit verhelfen 

INTERVIEW: JULIA GROSSE

Charlotte Oades

Charlotte Oades 


Charlotte Oades hat den Women's  Leadership Council bei Coca-Cola mitgegründet. Und sie ist eine treibende Kraft hinter der Initiative 5by20, die die Lebensbedingungen von Frauen verbessern will. Hier erzählt sie, was dahintersteckt.

emotion: Frau Oades, woher kam die Idee, gerade Frauen als Unternehmerinnen zu fördern?
CHARLOTTE OADES: Wir wollen auf etwas hinarbeiten, das wirklich Veränderung schafft und einen langfristigen Einfluss hat. In die Fähigkeiten und Stärken von Frauen zu investieren, ist einer der wirkungsvollsten Wege, um Entwicklung und
Wirtschaftswachstum zu fördern. Denn Frauen neigen stärker als Männer dazu, den Großteil ihres Einkommens wieder für die Gemeinschaft zu investieren, Sie stecken Geld in die Familie, sie kaufen ein, sorgen sich um die Gesundheit und finanzieren die Ausbildung ihrer Kinder. Wir arbeiten in über 200 Ländern der Welt und stellen fest: Frauen sind die Säulen ihrer Gemeinschaft.

Haben Sie ein Beispiel?
CHARLOTTE OADES: Die kleinen Läden auf den Philippinen werden zu 86 Prozent von Frauen betrieben. Dort haben wir zusammen mit einer Regierungsstelle ein Business-Trainingsprogramm entwickelt und 300 Frauen, die so einen Kiosk führen,
wirtschaftliches Grundwissen vermittelt. Das hat sich so schnell herumgesprochen, dass wir vergangenes Jahr 10000 weitere Frauen auf den Philippinen ausbilden konnten. Bis Ende 2020 sollen es 100000 sein.

Wo setzt dieses Training an?
CHARLOTTE OADES: Frauen stehen vor mehr Hürden, wenn sie ein Unternehmen aufbauen. Sie haben oft weniger Zugang zu finanziellen Hilfen. Durch unsere Initiative bekommen sie das nötige Wissen und werden Teil eines Netzwerks, das sie unterstützt - auch dabei, eine Finanzierung zu finden.

Haben Sie Partner, die die Situation vor Ort kennen?
CHARLOTTE OADES: Wir arbeiten mit Initiativen und Nichtregierungsorganisationen aus den jeweiligen Ländern zusammen, und dazu mit internationalen Partnern wie UN Women oder der Gates-Stiftung. Wir schauen sehr genau, was die Frauen in den Gemeinden machen und brauchen: Ist es eine Gegend mit Einzelhandel, oder werden dort eher Früchte angebaut, die dann in unsere Getränke kommen? Wir müssen die Community, in der wir die Trainingszentren aufbauen, genau kennen. Das Training muss zeitlich in den Alltag der Frauen passen, und das Zentrum muss einfach und sicher zu erreichen sein.

Sie setzen auf die Strahlkraft der Frauen und darauf, dass sie ihr Wissen weitergeben. Was passiert da konkret?
CHARLOTTE OADES: Die Brasilianerin Regina ist ein gutes Beispiel. Sie lebte in einer Favela in Rio, ist ungefähr 50, kümmert sich um fünf Enkelkinder und hatte keine Ausbildung. Um ihre Umgebung sauber zu halten, sammelte und recycelte sie Müll. Wir haben ein Trainingsprogramm in der Favela gegründet und unterstützen Frauen wie Regina, ihre Ideen professionell zu nutzen.

Was hat ihr das Training gebracht?
CHARLOTTE OADES: Sie beschäftigt inzwischen zehn Angestellte, konnte sich ein eigenes Haus kaufen, und sie kann ihren Enkelkindern eine Ausbildung finanzieren. Außerdem unterstützt ihr Projekt weitere 700 Menschen aus ihrer Community. Es ist ein Projekt entstanden, in dem aus leeren Verpackungen kunsthandwerkliche Objekte designt werden, und auch diese Fertigung leitet sie.

Da wächst sicherlich auch das Selbstbewusstsein.
CHARLOTTE OADES: Absolut. Das erleben wir bei vielen der Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten. Ein anderes Beispiel ist Alice, eine Mango-Bäuerin und dreifache Müller aus Kenia. Nach ihrer Fortbildung bei uns wurde sie kürzlich zur Leiterin der örtlichen Bauerngruppe gewählt und bildet nun andere Mitglieder aus. Alice selbst sagt: „Ich war wirtschaftlich von meinem Mann abhängig. Jetzt kann ich die Kleider für meine Kinder kaufen. Ich würde mich nicht als den „Boss“ zu Hause bezeichnen, aber ich habe nun die Kontrolle über das Geld. Ich fühle mich hervorragend.'"


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Alexandra Megid

Alexandra Megid

Foto: Michael Danner


DIE ENERGIEGELADENE

Ein Sprung ins kalte Wasser ist etwas, das Alexandra Megid als erfrischend empfindet. 
Klar, dass sie die Richtige ist, wenn es darum geht, das coole Image einer Marke aufzubauen.


TEXT: MARGOT WEBER
 
Das Erste, was an ihr auffällt, ist ihre Energie. Alexandra Megid strahlt Stärke und Durchsetzungsfreude aus. An diesem Vormittag ist sie mit einem sechsköpfigen, ausschließlich männlichen Team kreuz und quer durch München unterwegs. „Marktbesuch" nennt sie das. Aus ganz Europa sind die Coca-Cola Manager angereist, die für die Entwicklung der „Venturing & Emerging Brands" zuständig sind, also junger Getränke, die ganz anders im Markt positioniert werden als die Klassiker. Die Frage, um die Alexandra Megid täglich aufs Neue kreist: Wie bekommt sie eine kleine Marke groß? „Meine Aufgabe ist es, jetzt zu säen, damit wir später ernten", sagt die 45-Jährige.

Vier Produkte betreut sie: das Kokoswasser „Zico", das Vitamingetränk „Glaceau", die Kaffeemarke „Chaqwa" und den Energydrink „Relentless". Heute geht es ihr darum, zu erfahren, wie das Kokoswasser beim Verbraucher ankommt. Die Zielgruppe: Frauen um die 30, die vor allem in der Yoga- und Fitness- Community anzutreffen sind. Seit Jahresbeginn ist „Zico" in 103 ausgewählten Münchner Delis, Studios und Cafes zu haben. „Um eine Marke zu stärken, müssen wir zunächst ihr Image aufbauen", erklärt sie. Wer zu früh in die Supermärkte geht, kann kein Premium-Gefühl etablieren. Davon ist sie überzeugt - und für ihre Überzeugungen würde sie jederzeit kämpfen. „Ich kann durchaus ein kleiner Terrier sein", meint die Frau mit den wilden Locken und lacht. Das Coca-Cola Team betritt ein nobles Fitness-Studio in Bogenhausen. In wenigen Sekunden hat Alexandra Megid ein persönliches Verhältnis zum Besitzer aufgebaut. Sie erzählt, wie sportbegeistert sie selbst ist und an welchen Geräten sie trainiert. Im Handumdrehen herrscht eine lockere Atmosphäre. „Komm wieder", sagt der muskelgestählte, tätowierte Mann beim Abschied, „auch mal so! Du würdest gut zu uns passen!" 

Ein paar Tage später, auf einem Hardrock-Festival. Die Besucher sind die Zielgruppe für den Energydrink „Relentless". Ganz unkompliziert kommt sie ins Gespräch. Alexandra Megid hat sehr feine Antennen, die ihr dabei helfen, sich auf unterschiedlichste Menschen einzustellen, ohne sich zu verbiegen.

Geboren wurde sie im nördlichen Ruhrgebiet, in Datteln, als Tochter einer Deutschen und eines Ägypters. Sie studierte in Bochum Orientalistik und BWL. Ihr erster Job führte sie 1994 als Sales Representative zu Wrigley's. Ein Jahr später wurde innerhalb des Konzerns die Position eines Area Managers für Ägypten, Marokko, den Libanon und Jordanien frei. Alexandra Megid, damals 28, zögerte keine Sekunde. Drei Wochen später war sie in Kairo, sollte zwei Jahre dort bleiben. Ihr Job: der Aufbau des Nahost-Geschäfts. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sie sich. Zumal sie die erste weibliche Führungskraft auf dieser Position war. „Aber ich war mir sicher, ich schaffe das", sagt sie. „Aufgeben war nie eine Option." 

Danach arbeitete sie vier Jahre im Marketing in München, anschließend ein Jahr als Global Market Research Manager in Chicago. Dann rief Coca-Cola. Und sie zog zum bisher letzten Mal um, nach Berlin: Im Herbst 2002 startete sie in der Marketingabteilung des Getränkeherstellers. Seit Februar 2012 führt sie nun als Director Venturing & Emerging Brands ein Team von 20 Mitarbeitern, direkt und indirekt. „Ich kann hier sehr selbstbestimmt arbeiten", schwärmt sie, als sie schnellen Schrittes über die Schwabinger Leopoldstraße eilt. Im angesagten „Freshbury"-Deli an der Münchner Freiheit wartet man bereits. Eine Familie statt eines aufregenden Jobs zu haben, könnte sie sich nicht wirklich vorstellen. Sie liebt ihre Freiheit, ist eins mit sich und ihren Bedürfnissen. Und sie liebt, was sie tut: „Ich habe den tollsten Beruf der Welt."