Jeden Monat gibt’s auf Journey erfrischende Interviews mit Promis aus Show und Sport. Heute: Michael Michalsky. Der „deutsche Mode-Papst“ (Vogue) ist der absolute Star der Berliner Fashion Week, seine StyleNite für viele der Höhepunkt. Wir sprechen mit ihm über inspirierende Musik, seine Liebe zu Berlin und …Hochzeitspläne.

Teppiche, Sofas, Tableware, Sneakers: Es gibt kaum Gegenstände, von denen es noch keine Kollektion von Michael Michalsky gibt. Dem Wahlberliner ist schon früh klar, wohin die Reise gehen soll: in die Modewelt. Studium in London, Designmanager für Levi Strauss & Co., Chefdesigner bei Adidas und Creative Director für den Taschenhersteller MCM – der Weg des 48-Jährigen geht immer steil nach oben. Vor knapp zehn Jahren erfüllt sich Michalsky seinen großen Traum: Er gründet sein eigenes Premium-Label. Am 10.Juli präsentiert der „deutsche Mode-Papst“ (Vogue) bei der Berliner Fashion Week seine neue Couture Kollektion.
Wir besuchen ihn in seinem Atelier.

Michalsky Sneaker
SNEAKER von Michalsky

Coke, Coke Light, Coke Zero oder Coke Life?
„Ich trinke, seit es sie gibt, Coke Zero.“

Nehmen wir an, ich bewerbe mich morgen für einen Job bei dir. Wie sehr achtest du auf meine Kleidung?
„Ich gucke nicht zuerst auf die Kleidung, sondern auf die Schuhe. Das hängt mit meinem früheren Job als Creative Director für Adidas zusammen. Ich habe schon sehr viele Sneakers designt und mache das ja immer noch. Mich interessiert, was die Leute an den Füßen tragen. Schuhe sind für den Gesamteindruck wichtig. Man kann das schönste Outfit tragen: Wenn die Schuhe nicht passen, ist es ruiniert.“ 

Achtest du auch privat darauf, was andere Leute tragen oder auf das Design von Produkten im Supermarkt?
„Klar, als Designer habe ich ja keinen Job, in dem ich nur von neun bis fünf Uhr arbeite. Mein Stilempfinden ist immer angeschaltet. Produktdesign gehört dazu, denn ich gestalte ja auch Produkte und Verpackungen.

Beeinflusst schickes Design auch deine Kaufentscheidung?
„Es kommt auf das Produkt an. Bei Mode und Lebensmitteln achte ich vorrangig auf die
Qualität. Wenn gute Qualität und schöne Verpackung zusammen kommen, ist es umso besser. Ein gutes Beispiel ist die Coca-Cola-Flasche. Sie ist ikonisch, wird überall auf der Welt erkannt und beinhaltet ein Qualitätsprodukt. Die Firma Coca-Cola wäre nicht seit über 100 Jahren so erfolgreich, wenn sie nur eine schöne Flasche hätte...“


Wir treffen dich kurz vor deiner StyleNite im Rahmen der Berliner Fashion Week. Der Stress steigt, oder?
„Natürlich, aber das ist positiver Stress. Die Vorbereitung der Show macht sehr viel Spaß. Ich freue mich unheimlich auf die Präsentation der Mode, an der ich acht Monate gearbeitet habe. Man will dann auch mal sehen, ob es den Leuten gefällt. Sehr spannend.
Models, Stoffe, das Design des Catwalks – das alles ergibt ein Gesamtbild, das ich vorher schon im Kopf habe. Es ist aufregend zu sehen, wie jeden Tag ein kleines Stück dazukommt und am Abend der Show als Gesamtwerk funktionieren wird.“

Weniger Masse, mehr Stil: Deine neue Kollektion steht für hochwertige Qualität. Und der Rahmen fällt persönlicher aus…
„Früher habe ich 1.500 Gäste eingeladen. Jetzt nur noch 350. Es wird eine fast intime Atelier-Präsentation im Ritz-Carlton. Darauf freue ich mich sehr.“

Es ändert sich nicht nur die Größe, sondern auch die musikalische Untermalung. Früher spielten Lady Gaga, Hurts oder Rita Ora bei dir. Diesmal gibt es keine Livemusik?
„Ich möchte, dass sich die Besucher mehr auf meine Mode konzentrieren können.
Dabei geht es mir um die Vision, wie Mode in der Zukunft aussehen kann. Deshalb lasse ich dieses Mal die großen Live-Acts weg. Aber natürlich gibt es Musik, auch live.“

Wie inspiriert dich Musik? Siehst du schon Farben und Formen vor dir, wenn du einen Song hörst?
„Ich bin ein Kind der 80er und habe früh mitbekommen, dass Mode durch Subkultur und Street-Culture entsteht. In dieser Zeit haben Musiker oft auch Mode als Kommunikationsmittel benutzt, um ihre künstlerische Botschaft zu vermitteln. Mode und Musik inspirieren sich gegenseitig. Darum war mir das schon immer wichtig.“

Dafür ist Lady Gaga ein gutes Beispiel. Habt ihr noch Kontakt?
„Ja, klar. Jedes mal wenn sie nach Berlin kommt, treffen wir uns.“

Musik wird gemeinhin mit Jugendkultur gleichgesetzt. Wie nah bist du noch an der Jugend?
„Der Begriff „Jugendkultur“ hat heute nicht mehr viel mit einem Alter zu tun. Ich kenne 18-Jährige, die langweilig und 60-Jährige, die cool drauf und inspirierend sind. Ich gehe noch in Clubs, wenn auch nicht mehr so ausgiebig, aber es interessiert mich trotzdem, was die Menschen bewegt – egal in welchem Alter sie sind. Man sagt ja heute auch, 40 ist das neue 20, 50 ist das neue 30. Wenn ich von Jugendkultur spreche, meine ich ein aufgeschlossenes, neugieriges, positives Lebensgefühl.“

Dein Twitter-Account ist verwaist. Stehst du mit den sozialen Medien auf Kriegsfuß?
(Lacht) „Im Gegenteil. Ich liebe soziale Medien, zumindest einige Plattformen. Twitter habe ich bis heute noch nicht ganz verstanden. Man kann ja auch nicht überall sein. Aber Instagram finde ich cool. Und ich bin intensiv auf Facebook unterwegs und mit Freunden auf der ganzen
Welt vernetzt. Ich bin da sehr aktiv, manche meiner Freunde sagen fast zu aktiv...“

Aber du spielst dort nicht Candy Crush Saga oder FarmVille?
„Nein. Dafür habe ich nicht genug Zeit.“

Deine Kollektion für diesen Herbst und Winter heißt „City Love“. Was liebst du an Berlin?
„Die Vielfalt, das Unfertige, das Raue, das Internationale. Ich wohne seit fast zehn Jahren in
Berlin. Es gibt keinen Ort, an dem ich aktuell lieber leben würde. Ich finde sehr faszinierend, wie sich die Stadt ständig verändert und entwickelt. Hier ist Platz für jeden Typen und jeden Geschmack. Das ist gut.“

Würdest du ausschließen, nochmal aus Berlin wegzuziehen?
„Ausschließen kann ich das nicht. Ich könnte mir gut vorstellen, eines Tages mehr Zeit in der Sonne zu verbringen. Aber ich würde immer eine Basis in Berlin haben, weil die Stadt nie langweilig wird. Wer Berlin langweilig findet, der ist vom Leben gelangweilt!“

Mode und Berlin – da fallen vielen sofort die Hipster ein. Wie gefällt dir diese Modeströmung?
„Na ja, es ist einer von vielen Trends. Ich finde immer gut, wenn sich Menschen durch Mode ausdrücken und definieren. Wenn ein bestimmter Lifestyle durch Mode unterstützt oder präsentiert wird.“

Michael Michalsky – Coca Cola Journey
MICHAEL MICHALSKY: „Wer Berlin langweilig findet, der ist vom Leben gelangweilt.“

Du lässt dich bei deinen Shows immer wieder von gesellschaftspolitischen Themen inspirieren, wie Toleranz und Privatsphäre. Wie intensiv verfolgst du aktuelle politische Themen?
„Ich habe zu vielen Themen eine Meinung und sage die oft auch ziemlich direkt. Aber ich würde mich nicht als politischen Menschen, im Sinne von Zugehörigkeit zu einer politischen Richtung, betrachten. Mich interessieren allgemein viele Themen unseres Zusammenlebens. Umweltschutz und Toleranz stehen ganz oben auf meiner Liste.“ 

Eine aktuelle Diskussion dreht sich um die Eheöffnung für Homosexuelle. Ist das auch privat ein Thema, das dich beschäftigt?
„Ich finde es unmöglich, dass Homosexuelle auf diesem Gebiet Bürger zweiter Klasse sind. Da muss unbedingt etwas passieren. Wir befinden uns da geistig auf dem Stand der 50er Jahre. Das ist schon traurig.“

Würdest du so weit gehen, zu sagen: Ich heirate nur, wenn es die gleichgestellteEhe für alle gibt?
„Die Frage ist hypothetisch weil es aktuell keinen gibt, den ich heiraten würde. (lacht) Ich finde aber generell, dass in Deutschland jeder die gleichen Rechte haben sollte. Keine
politische Partei sollte das Recht haben zu bestimmen, was eine echte Familie ist. Das ist albern. Es gibt so viele gute Lebensmodelle. Die finde ich alle okay, solange die betroffenen Personen damit glücklich sind. Liebe ist Liebe.“

Apropos Liebe: Designst du anders, wenn du glücklich bist?
„Das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht, denn mein Zufriedenheitslevel oder Glückszustand ist im Allgemeinen sehr hoch. Ich bin happy damit, was ich tue. Es ist mein Traumberuf. Natürlich gibt es schlechte und anstrengende Tage. Wenn ich mal traurig bin, werden die Farben vielleicht etwas dunkler. Aber hey. Schwarz ist eine tolle Farbe... (lacht)

Mit wem würdest du dich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Mit Madonna.“ 

Ich dachte, die hättest du schon mal getroffen.
„Oh ja, aber da gab es keine Coke.“

Die fünf Lieblingssongs von Michael Michalsky:
Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!



1) Madonna – Lucky Star

„Ich bin Madonna-Fan der allerersten Stunde. Dieses Lied liegt mir ganz besonders am Herzen.“
2) Diana Ross – Upside Down
„Ich finde Diana Ross toll, schon zu 'The Supremes'-Zeiten.“
3) ABC – The Look Of Love
„Ein sensationelles Beispiel, wie Popkultur und Mode verschmelzen. Außerdem ist es einfach
gute Musik.“
4) David Bowie - Helden
„Mein großer Held, einfach eine Modeikone und ein sensationell guter Künstler mit Berlin-Bezug.“

5) Carl Bean – I was born this way
„Das war die erste schwule Disco-Hyme.“

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