WENN JEMAND sich mit Höhen und Tiefen auskennt, dann Jupiter Jones. Die Band aus der Eifel spielt schon jahrelang Festivals und veröffentlicht Platten, als ihr 2011 der große Wurf gelingt. Mit „Still” schaffen sie den Durchbruch, die gefühlvolle Ballade wird zum meistgespielten Lied im deutschen Radio. Dafür gibt es einen ECHO.

Auf den Höhepunkt folgt der Schock: Jupiter Jones sagen nur vier Tage vor ihrer geplanten Tour alle Konzerte ab. Die Band erklärt: „Sänger Nicholas leidet an einer Angststörung, die eine Konzertreise auf dringendes Anraten der behandelnden Ärzte unmöglich macht.“ Zwei Monate später steigt Nicholas Müller endgültig aus. Jupiter Jones stehen vor rauchenden Trümmern.

Aber sie schaffen das Comeback: Sven Lauer, ein Kindergartenfreund, springt als neuer Sänger ein. Er singt auf Tour die alten Songs. Dann beginnen die Vier mit der Arbeit an neuen Songs. Die bringen Sven, Sascha, Becks und Hont dann im März diesen Jahres heraus. „Brüllende Fahnen“ steht für die Wiederauferstehung einer Gruppe, die eigentlich schon am Ende war. Der Sound: rebellischer, politischer, „oldschooliger“. Klare Kante statt Melodien für die Masse. Willkommen zurück!

 

Jupiter Jones - Selfie
SELFIE-TIME! Jupiter Jones beim Interview in Berlin

Coke, Coke light, Coke Zero oder Coke Life?

Sascha: „Normale Cola, alles andere macht mir irgendwie Kopfschmerzen.“

Becks: „Ich trinke generell nicht so gerne Cola.“

Hont: „Ich trinke in der Tat ganz gerne Coke light. Aber nicht wegen der Kalorien, sondern weil mir das ganz gut schmeckt.“

Ihr habt euch nach dem „Drei ???“-Detektiv Jupiter Jones, der im Deutschen 'Justus Jonas' heißt, benannt. Welche TV-Charaktere würdet ihr heute ins Auge fassen?

„Walter White, Dexter, Columbo? Oder wir nennen uns einfach 'True Detective'”.

Euer Comeback-Album heißt 'Brüllende Fahnen'. Wie entsteht so etwas bei euch? Hat jeder einen Wunsch frei?

Sven (lacht): „Wünsche äußern darf man in dieser Band, aber nach dem demokratischen Prinzip wird selten entschieden.”

So ein Albumtitel ist ja doch wichtig...

Becks: „Es machen schon alle Vorschläge. Aber am Ende gibt es keine Masterregel, wie das abläuft. Man diskutiert einfach verschiedene Ideen, die in den Raum geworfen werden.“

Sascha: „Es gab auch mal Zeiten, da wurde gar nichts in den Raum geworfen – da haben wir das Album dann 'Jupiter Jones' genannt.“

 


Bei den Aufnahmen hat sich viel verändert: eine neue Stimme, ein neues Studio, ein neuer Produzent. Was war die größte Veränderung für euch?

Becks: „Wir haben eigentlich alles auf den Kopf gestellt. Vom Songwriting, über Produzenten, den Aufnahmeprozess, die Abmischung. Wir haben komplett anders gearbeitet als vorher.“

War der Ausstieg von Nicholas in diesem Sinne auch gut für einen Neustart?

Becks: „Wir waren kurz davor, uns aufzulösen, nachdem, was mit unserem ehemaligen Sänger passiert ist. Dann haben wir die Entscheidung getroffen weiterzumachen, und es war sofort ein neuer Geist in der Band.“

War es für euch auch das schwerste Album, weil ihr euch neu finden musstet?

Sascha: „Nein. Ich habe zwar im Vorfeld oft gehört, das sei das wichtigste Jupiter-Jones-Album aller Zeiten. Aber da müssen wir leider widersprechen. Jedes Album ist das wichtigste Album. Das ist zwar ein dummer, alter Spruch, aber er stimmt. Die Leute sagen, das erste Album ist das Wichtigste. Dann sagt man immer, das Zweite ist das Schwierigste. Das erste Album nach dem großen Erfolg ist das Wichtigste. So kann man das immer weiterführen.“

 

Wir hatten Bock auf etwas, das lebt und atmet und nicht komplett totproduziert klingt


Jetzt ist alles neu, euer gesamter Sound…

Sascha: „Der hat sich ja in der alten Besetzung auch immer wieder geändert. Von daher war es jetzt nicht von vornherein klar, dass wir auch mit einem neuem Sänger anders klingen wollten. Das hat sich einfach so in der Songwritingphase ergeben. Wir hatten einfach mehr Bock auf etwas, das wieder mehr lebt und atmet und nicht so komplett totproduziert klingt, wie vieles, das gerade im Deutschsprachigen Raum veröffentlicht wird.“

Wie sehr trifft es euch, wenn etwa der „Musikexpress“ von einer „Austauschbarkeit“ der neuen Stimme spricht?

Sascha: „Ach, der „Musikexpress“ hat vorher noch nie über uns berichtet. Dieses Mal haben sie sich dann zu einem Review hinreißen lassen, der für ein „12 Jahre ignorieren“ vorher gar nicht mal so übel ist. Und generell darf man solche Reviews auch nicht zu ernst nehmen. Jeder hört Musik anders, und man weiß ja auch nie, wer sowas schreibt und ob man die- oder denjenigen auch wirklich ernst nehmen möchte oder kann.“

 


Wie dick sollte generell das Fell eines Musikers heutzutage sein?

Sascha: „Ich glaube, das sollte generell recht gut gepolstert sein. Wie ich schon sagte: Man darf sich vieles einfach nicht so zu Herzen nehmen, sondern sollte eher schauen, dass man das, was man tut, wirklich mit ganzem Herzen macht. Dann kann man auch blöde Kommentare besser verarbeiten. Allerdings kann das Netz, vor allem heutzutage, echt fies werden. Wenn man in sowas wie einen Shitstorm reingerät, ist am besten: paar Tage Rechner aus und sich einfach nicht mit solchem negativen Quatsch beschäftigen.“

„Brüllende Fahnen“ ist gesellschaftskritischer und politischer denn je. Sollten in Zeiten von Pegida und AfD mehr Musiker Flagge zeigen eurer Meinung nach – so wie früher etwa Udo Lindenberg oder Rio Reiser?

Sascha: „Das sollten definitiv mehr Musiker tun. Ich finde allerdings, dass das nicht nur den sowieso schon politisch engagierten Musikern oder Bands überlassen werden sollte, sondern das auch mal Künstler oder Bands, die eher den Mainstream erreichen, etwas politischer werden sollten. Nicht unbedingt in musikalischer Form, aber durch Zeichen und Statements.“

Ihr habt nach Jahren wieder eine Tournee durch kleinere Clubs gemacht. Was hat sich dort seitdem verändert? Schweiß statt Zigarettenqualm?

Auf 'ne Coke mit... Hier alle Interviews lesen

Becks:Es ist fast schon drei Jahre her, dass wir durch Deutschlands Clubs gezogen sind. Wir haben trotzdem fast alles wiedererkannt und außer manchen Schmierereien auf den Toiletten hat sich da nicht viel geändert -– zum Glück.“

Im Sommer seid ihr Open Air unterwegs. Außerdem gebt ihr im Sommer und zum Jahresende traditionell Konzerte, bei denen ihr Talenten die Chance gebt, vor einem großen Publikum aufzutreten. Ist es heute schwerer geworden für Newcomer?

Hont: „Ich würde sagen leichter, auch wenn die Banddichte größer geworden ist. Ich habe das Gefühl, man kann mit eigener Motivation unglaublich viel erreichen.“

Sven: „Durch das Internet ist es einerseits leichter geworden, sich einer breiten Masse zu präsentieren. Dadurch, dass das alle jetzt können, ist natürlich die Wahrscheinlichkeit geringer. Du musst dich durch irgendetwas absetzen von dem riesigen Markt, den es da draußen gibt.“

Sascha: „Die Voraussetzungen haben sich zwar geändert, aber eigentlich ist alles gleich geblieben. Man muss Gas geben.“

 

Ich glaube, viele Newcomer gehen etwas naiv daran. Man kriegt nach wie vor nix in den Schoß gelegt


Becks: „Ich glaube, heute gehen viele Newcomer etwas naiv daran. Man kriegt nach wie vor nix in den Schoß gelegt. Man muss sich alles hart erarbeiten, oft über seine Grenzen hinausgehen und die Sache mit Energie und Leidenschaft betreiben. Irgendwann klappt es dann auch.“

Apropos Newcomer. Auch Bundestrainer Joachim Löw gibt dem Nachwuchs bei der Fußball-EM eine Chance. Ihr als Fußballfans: Holen wir mit Kimmich, Weigl, Sané und Brandt den Titel in Frankreich?

Sascha: „Puh, wird sicherlich schwierig, nach der WM jetzt auch den EM-Titel zu holen. Ich glaube, dass diese Mannschaft das Zeug hat, ins Halbfinale zu kommen. Da wird’s aber dann schwer. Wir drücken die Daumen.“

Mit wem würdet ihr euch gerne mal auf 'ne Coke treffen?

Dave Grohl, Jack White, Jimmy Page, Alex Meier.

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Die fünf Lieblingssongs von Jupiter Jones. Jetzt hören in unserer Spotify-Playlist!

1. Arctic Monkeys: „R U Mine?“
Eine Band, die uns während der Produktionsphase zum aktuellen Album immer wieder
begleitet und beeinflusst hat. Vor allem das Songwriting des „AM“-Albums ist
wirklich großartig.

2. Love A: „Windmühlen“
Eine der besten deutschsprachigen Bands mit einem der besten deutschsprachigen Textern. Außerdem wunderhübsche Menschen, die man bedenkenlos auf Tour dabeihaben kann.

3. The Dead Weather: „I Cut like a Buffalo“
Weil Jack White einfach nichts falsch machen kann.

4. The Black Keys: „Lonely Boy“
Weil wir, seitdem wir einmal das Video gesehen haben, genauso tanzen wollen können. Schaffen wir aber nicht.

5. Dendemann: „Stumpf ist trumpf“
Der größte Wortakrobat im deutschen Hip Hop, ohne Frage.