Jeden Monat gibt’s auf Journey erfrischende Interviews mit Promis aus Show und Sport. Heute: Boris Becker. Die Legende aus Leimen ist heute wieder erfolgreich auf den Tennisplätzen der Welt unterwegs – als Trainer des Weltranglistenersten Novak Djokovic. Wir haben ihn gefragt, wie schwer ihm der Wechsel auf den Trainerstuhl fiel und wo er die meisten seiner berüchtigten Tweets schreibt.

Es ist der 7. Juli 1985, als ganz Deutschland mitfiebert. Mit einem schüchternen Teenager, gerade mal 17 Jahre alt. „Bobbele“ schafft es tatsächlich: Er gewinnt das wichtigste Tennisturnier der Welt. Boris Becker ist bis heute der jüngste Wimbledon-Sieger. Es folgt eine Karriere, die ihresgleichen sucht. Aber auch außerhalb des Platzes sorgt Becker immer wieder für Schlagzeilen. Heute – 30 Jahre nach seinem Triumph – ist Becker wieder auf dem Tennisthron. Als Trainer des Serben Novak Djokovic. Wir sprechen mit dem 47-Jährigen auf dem Weg zwischen zwei Terminen im Auto.

Coke, Coke Light, Coke Zero oder Coke Life?
„Man hat die Qual der Wahl, also ich würde eine ehrliche Coca-Cola bevorzugen.“

Als Spieler waren Sie für Ihre Becker-Faust bekannt. Wie oft machen Sie die jetzt noch als Trainer?
„Wenn Sie mich auf den Tribünen dieser Welt beobachtet haben, dann stehe ich schon regelmäßig auf und versuche, meinen Spieler zu unterstützen. Dann kommt auch schon mal die Becker-Faust.“

Aber den Becker-Hecht machen Sie beim Training nicht mehr?
„Den letzten Becker-Hecht habe ich vor 20 Jahren versucht.“

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben? Ein Vulkan wie Jürgen Klopp oder ein Gentleman wie Pep Guardiola?
„Ich glaube, die Mischung macht's. In bestimmten Momenten bin ich emotional. Ich schreie zwar nicht, aber werde klar und deutlich. In anderen Momenten bin ich ruhiger und konzentrierter. Es kommt auf die Situation an.“

Wie schwer ist es für Sie als Trainer, während des Spiels machtlos zu sein und nicht eingreifen zu können?
„Das ist in der Tat schwierig. Vor allem, wenn man all die Spielsituationen kennt und schon einmal selbst erlebt hat. Ich bespreche mich mit meinem Team auf der Tribüne. Dessen Serbisch ist besser als meins, und sie brüllen dann schon einmal etwas in Richtung Novak.“

Haben Sie als Spieler auf dem Feld das gemacht, was Ihnen der Coach mit auf den Weg gegeben hat? Oder haben Sie auf dem Platz eher intuitiv gehandelt?
„Die Gespräche und Auseinandersetzungen mit dem Trainer waren schon sehr wichtig. Je länger man erfolgreich zusammenarbeitet, desto besser sind die Resultate. Es gibt sicherlich Situationen, in denen man spontan reagieren muss, aber man hat eine klare Strategie und daran hält man sich.“

Bastian Schweinsteiger und Oliver Pocher schauen sich momentan ja auch viel Tennis an, und zwar Damentennis. Sind Sie denen schon mal begegnet auf der Tribüne?
„Häufig. Oli Pocher ist ständig mit Sabine Lisicki unterwegs, Schweinsteiger ist neu im Tennis-Zirkus. Aber in Paris bei den French Open habe ich ihn zuletzt fast jeden Tag gesehen.“


Der Fußball ist in den letzten Jahrzehnten viel schneller geworden. Welche Entwicklung gibt es im Tennis?
„Auch der Tennissport ist körperlicher geworden. Bei den Grundschlägen auf jeden Fall schneller, etwas mehr Top-Spin. Alles ist ein bisschen wissenschaftlicher geworden und die Trainerteams größer.“

Fehlen heute außergewöhnliche Typen wie damals Ivanisevic, Chang, McEnroe?
„Nein, es gibt viele große Persönlichkeiten wie Novak, Roger Federer oder Rafael Nadal. Aber wir leben im Jahr 2015. Die Medien sind sehr neugierig, die sozialen Medien sind noch neugieriger. Insofern halten sich Spieler heute mit Fehltritten zurück. Aber es sind genauso große Persönlichkeiten wie früher.“

Apropos soziale Medien. Sie sind ein Twitterer der ersten Stunde und haben schon über 16.000 Tweets geschrieben. Können Sie sich noch an den allerersten erinnern?
„Nein, kann ich nicht. Ich mache das ja schon einige Jahre und habe meine Tweets auch nicht gezählt. Ich retweete ja auch häufig. Es kommt also nicht immer ein eigener Spruch. Wenn mir Bilder oder Aussagen von Freunden gefallen oder etwas aussagen, dann wiederhole ich das gerne. Es ist also eine Kombination.“

Wo schreiben Sie denn die meisten Tweets? Im Taxi, im Bett, in der Wanne?
„Am Besten natürlich, wo das Internet funktioniert, das ist unterschiedlich. Im Auto oft nicht. Die meisten Tweets schreibe ich wahrscheinlich im Hotelzimmer.“

Gibt es einen Tweet, den Sie im Nachhinein bereuen?
„Nein, das sind aber auch alles Momentaufnahmen und nicht die seriösesten Texte der Welt. Ich habe viel Humor und finde vieles auch sehr lustig, ohne dass es jetzt meine Meinung ist. Ich finde, das wird alles zu Ernst genommen, was man in sozialen Netzen loslässt. Bei mir hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, aber am Anfang war es gerade in Deutschland schon eine neue Sache, dass der Becker im Netz ist.“

Nervt es Sie manchmal, dass in Deutschland mehr über Ihre Twittertätigkeit als über Ihre erfolgreiche Trainertätigkeit berichtet wird?
„Ich glaube, das hat sich schon geändert. Es gab eine Zeit, da wurde sehr genau beobachtet und teilweise auch kritisiert, was ich in sozialen Netzwerken schreibe. Das ist aber seit einigen Jahren nicht mehr der Fall.“

Mussten Sie mit Ihren Kindern schon mal ein ernstes Wort reden, weil sie vielleicht etwas Unangebrachtes bei Twitter oder Facebook geschrieben haben?
„Wir als Eltern achten natürlich darauf, dass die Internetnutzung im Rahmen bleibt. In der Regel sind meine Kinder vernünftig. Es gab schon das ein oder andere Bild oder Kommentare, die nicht angebracht waren. Aber grundsätzlich ist vor allem mein ältester Sohn in dieser Welt eher zuhause als ich. Darum habe ich mehr von ihm gelernt, als er von mir.“

Während Sie im Netz sehr präsent sind, hält sich Steffi Graf eher bedeckt in sozialen Netzwerken, bis auf Facebook. Haben Sie darüber Kontakt zu ihr?
„Nein, das ist auch jedem selbst überlassen, inwieweit er soziale Medien nutzt. Für unsere Generation war das neu. Ich wollte mit meinen Kindern mitgehen, und mein ältester Sohn ist deutlich älter als die Kinder von Steffi und Andre Agassi. Ich finde nach wie vor, dass es ein wichtiges Informationsvehikel ist. Ich sehe Steffi leider nur selten. Das letzte Mal ist auch schon ein paar Jahre her.“

Mit wem würden Sie sich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Das ist eine längere Liste von Schauspielern, Musikern und Sportlern, die ich bewundere. Da
müssten wir einen ganzen Coke-Abend machen.“

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