RUPERT EVANS STRAHLT. „Wie cool! Machen sie das in Deutschland mit Namen? Das gibt es bei uns nicht.“ Grund für seine Freude: Wir überreichen ihm bei unserem Interview im Berliner Soho House eine personalisierte Coke Flasche: „Trink 'ne Coke mit Rupert“!

Rupert Evans - Selfie

SELFIE beim Interview: Rupert Evans

So erfreut er auf unser kleines Präsent reagiert, so gelassen gibt sich Rupert Evans auch im Gespräch. Er lacht, denkt nach, holt zwischendurch das Smartphone vom Hotelzimmer, um seine Spotify-Playlist zusammenzustellen. Das Leben aus dem Koffer ist für den 39-jährigen Schauspieler längst zum Alltag geworden. Er lebt in Großbritannien und arbeitet häufig in den USA. Seine Hollywood-Karriere begann 2004 mit der Comic-Adaption „Hellboy“. Es folgten Rollen in „Die Säulen der Erde“ und „Emma“.

Serienfans weltweit kennen Evans durch seine Hauptrolle in der Amazon-Erfolgsserie „The Man In the High Castle“, die auf dem Roman „Das Orakel vom Berge“ (1962) von Philip K. Dick basiert.

Das Konzept der dystopischen Science-Fiction ist einzigartig: Sie spielt in einer alternativen Welt, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt haben. Die zweite Staffel läuft ab dem 13. Januar in deutscher Sprache auf Amazon Prime. Einige Szenen wurden in Berlin gedreht. Wir sprechen mit Rupert Evans über seine eigenen Traumwelten und die Sehgewohnheiten in Zeiten von Amazon und Netflix.

Coke, Coke light, Coke Zero Sugar oder Coke Life?
„Wenn ich mich entscheiden müsste, dann die normale Coke. Ich bin öfter in Guyana in der Karibik. Und dort sagen sie uns immer: 'Trinkt kein Wasser, trinkt Coca-Cola'.“

Dürfte dein Charakter in der Serie eigentlich eine Coke trinken?
„Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, Coca-Cola existiert nicht im Universum von The Man in the High Castle. Oder? Nein, ich glaube nicht. Vielleicht aber doch...“

Du hast noch nie eine Flasche am Set gesehen?
„Nein. Damit müssen wir sowieso sehr aufpassen. Wir nutzen Produkte, die es nicht mehr gibt oder verändern sie. Die Zuschauer passen genau auf, ob es Fehler gibt. Aber das macht ja auch Spaß.“


BERLIN-SOUVENIR: Rupert Evans auf Instagram

Kulissen und Requisiten in der Serie sind unglaublich detailgenau...
„Ja, total. Die Kollegen dort arbeiten sehr hart an den kleinsten Details. Es muss so aussehen, als ob es echt wäre, aber zugleich auch anders. Wir leben halt nicht in der realen Welt. Es ist die Realität mit einer kleinen Abänderung.“

Haben dich bestimmte Details am Set überrascht?
„Ja, in der ersten Staffel habe ich viel Zeit in meinem Appartement verbracht. Am Telefon gab es Nazi-Symbole auf der Wählscheibe. Das ist ein Beispiel für die kleinen Details.“

Hast du die Romanvorlage schon als Schüler gelesen oder erst in Vorbereitung auf die Serie?
„Erst, als ich von diesem Job hörte. Peinlich, aber wahr.“

Warst du denn Science-Fiction-Fan?
„Schon immer. Ich war besessen von der Serie „Zurück in die Vergangenheit“. Da geht es um diesen Typen, der in jeder Episode durch die Zeit reist. Als ich das Drehbuch zu „The Man in the High Castle“ bekam, war ich fasziniert. Da musste ich einfach das Buch lesen.“

Wenn ich solche Storys lese, denke ich immer: Was müssen die Autoren geraucht haben, um auf solche Ideen zu kommen...
„Philip K. Dick zumindest hat wohl viel Zeug geraucht. Und andere verrückte Dinge getan...“

Rupert Evans – Szenenfoto

WÜTENDER MANN: Frank Frink (Rupert Evans) radikalisiert sich


Er hat auch an Verschwörungstheorien und übernatürliche Kräfte geglaubt. Damit steht er nicht allein. Wie sieht's bei dir aus?
„Ich glaube an manche Verschwörungstheorie, an andere nicht. Ich glaube, dass viel auf der Welt vor sich geht, über das die Regierung nichts verrät. Ich glaube etwa, es gibt viele Geheimnisse rund um den Weltraum und den Mond. Ich habe das Gefühl, sie wissen mehr, als sie uns erzählen. Wenn ich an Außerirdische und andere Welten denke, glaube ich, dass es mehr da draußen gibt.“

„Mein Bruder und ich haben immer Welten erschaffen. Ich war ein großer Träumer.“


Gerade junge Menschen flüchten sich oft in eine alternative Traumwelt. War das bei dir auch so?

„Ja, ich bin auf einer Farm aufgewachsen. Mein Bruder und ich haben immer Welten erschaffen. Ich war ein großer Träumer.“

Wenn du heute in einer alternativen Welt leben könntest: Was wäre dort ein Muss und auf was würdest du gerne verzichten?
„Ich wollte immer unter Wasser leben können. Unter Wasser zu atmen, das wäre meine alternative Traumwelt. Als ich jung war, gab es den Film „The Water Babies“. Ein normaler Spielfilm. Aber als die Kinder ins Wasser sprangen, verwandelte er sich in einen Cartoon. Daran erinnere ich mich bis heute. Das war meine Welt. Vielleicht ist das mein 'Meerjungfrauen-Traum'.

In „The Man In the High Castle“ geht es um die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Ist das in Großbritannien immer noch ein häufiges Thema?
„Ja, ich denke in Europa generell wird darüber sehr viel gesprochen. Das ist irgendwie Teil unserer DNA. In Amerika ist das anders. Sie sind natürlich erst später in den Krieg involviert worden. Darum ist ihr Ansatz ein anderer. In der Serie geht es ja darum, als Land okkupiert zu sein. In Europa haben wir damit unsere Erfahrungen. Wir wissen, was das bedeutet. Aber in Amerika kennen sie so etwas nicht. Es ist deshalb schwer für die amerikanischen Autoren, die Zuschauer damit vertraut zu machen. Meine Großmutter, die vorletztes Jahr gestorben ist, hat den Krieg noch erlebt. In Europa fühlt sich das alles realer an.“

„Viele Amerikaner vertrauen ihrer Regierung nicht. In Europa ist im Allgemeinen mehr Vertrauen vorhanden.“

Reagieren amerikanische Zuschauer verängstigt auf die Serie?
„Ich würde nicht sagen verängstigt. Ich glaube eher, die Vorstellung, dass andere ihr Land übernehmen, ist für sie extrem. Aber dann sehen sie viele Parallelen zur heutigen Welt. Viele Amerikaner vertrauen ihrer Regierung nicht. In Europa ist im Allgemeinen mehr Vertrauen vorhanden.“

Die Drehbücher zu „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“, die auch auf Romanen bzw. Comicreihen basieren, unterscheiden sich teilweise extrem vom Original. Das ist auch bei „The Man in the High Castle“ der Fall. Warst du manchmal überrascht, als du das Buch gelesen hast?
„Ja, auf jeden Fall. Aber das ist auch gar nicht anders möglich bei zwei Staffeln. Das Buch ist die Vorlage, auf der die Geschichte basiert. Aber die Serie unterscheidet sich vom Roman. Dort ist mein Charakter zum Beispiel geschieden, in der Serie bin ich in einer Beziehung. Aber die Charaktere und die Welt, in der die Geschichte spielt, basieren auf dem Roman.“

The Man In The High Castle - Besetzung

STOFF für viele Staffeln: Die Besetzung von „The Man In The High Castle“. In der Mitte: Juliana Crain (Alexa Davalos)

Könnte die Geschichte also über mehrere Staffeln weitererzählt werden?
„Das glaube ich schon. Im Buch wird die Situation auf der ganzen Erde dargestellt. Die Nazis haben etwa den Mittelmeerraum trockengelegt, um ihn als Ackerland zu nutzen. Diese ganzen Geschichten haben wir noch gar nicht angerührt. In der zweiten Staffel beschäftigen wir uns etwas mit den unterschiedlichen Realitäten, die es in der Story gibt. Das könnten wir quasi unendlich weitererzählen. Hoffe ich...“

Es gibt mittlerweile viele erfolgreiche Serien, die von Streamingdiensten produziert werden...
„Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren, oder? Das Zuschauerverhalten hat sich komplett geändert. Sie schauen auf ihren Smartphones – im Bus, auf dem Weg zur Arbeit, drei Episoden hintereinander. Für mich bestimmen Dienste wie Amazon, bei denen ich etwas schauen kann, wann ich will, das neue Fernseh-Zeitalter.“

Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt...
„Wir haben nicht mehr die Routine wie früher, arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten. Wir setzen uns nicht mehr hin und gucken jeden Montagabend Filme oder Serien.“

Stirbt das klassische Fernsehen aus?
„Ich glaube nicht, dass es ausstirbt, aber es verändert sich auf jeden Fall. Der Fernseher wird zum Computer. Technologie verändert sich, alles wird verbunden.“

Schaust du selbst noch regelmäßig fern?
„Ich schaue die Nachrichten und Sport. Nachts manchmal auch Dramaserien. Aber ich reise oft und schaue mir deshalb viel auf meinem iPad an oder lade mir etwas runter.“

Was können wir von der zweiten Staffel „The Man in the High Castle“ erwarten?
„Sie ist ganz anders. Alle Charaktere gehen in eine andere Richtung. Frank ändert sich sehr. In der ersten Staffel wollte er seine Beziehung zu Juliana retten und hat sich eher bedeckt gehalten, um zu überleben. In der neuen Staffel radikalisiert er sich. Er versucht, Kontrolle über sein Leben zu bekommen, sich zu erheben und gegen die japanischen Besetzer aufzubäumen. Er ist ein sehr wütender Mann geworden.“

Mit wem würdest du dich mal gerne auf ne Coke treffen?
„Aufgrund des Jobs hätte ich gerne mal was mit Philip K. Dick getrunken. Auch wenn das vermutlich eine Coke mit weiteren Zutaten gewesen wäre.... Muss ein interessanter Typ gewesen sein.“

Die fünf Lieblingssongs von Rupert Evans:

Bob Dylan: „Simple Twist of Fate“
„Dieser Song erinnert mich an eine schwere Zeit, die ich durchlebt habe.“

Prince : „Stare“
„Ich wünsche mir noch zwei Songs von Künstlern, die 2016 gestorben sind.“
(Dies ist der einzige Song von Prince auf Spotify. Evans ursprünglicher Wunschsong war Raspberry Beret, Anm.d.Red.)

David Bowie: „Sound and Vision“

Lou Reed: „Berlin“
„Er ist zwar schon 2013 gestorben, aber da wir gerade in Berlin sind...“

Pulp: „Common People“
„Dann muss ich noch einen Song einer britischen Band auswählen. Das kennt glaub' ich jeder.“

The Man In The High Castle
„The Man in The High Castle“:

Die zweite Staffel, jetzt in der deutschen Fassung auf Amazon Prime.

 

 

Folge Rupert Evans auf Twitter und Instagram!