ES IST EIN LANGER TAG für Omar Sy. Früh morgens sitzt er schon im Frühstücksfernsehen. Dort will er über seinen neuen Film sprechen, muss aber auch seine Tanzkünste unter Beweis stellen. Später dreht er für einen TV-Sender eine Runde im Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt, muss bei einem Interview spontan deutsche Weihnachtslieder anstimmen.

Der 38-jährige Schauspieler lässt alles mit einem Lächeln über sich ergehen. Zwar begann er seine Karriere als Komiker und versteht es, Menschen schon mit einer Augenbrauenbewegung zum Lachen zu bringen. Doch Omar Sy kann auch ernst sein. Das macht er deutlich, als wir ihn in seinem Hotel am Ku'Damm treffen: „Nur Fragen zum Film bitte“. Keine Clips für Snapchat, und bitte nicht mehr singen. Wir verstehen.

Eine weltweite Filmkarriere, ein Leben im Rampenlicht – das kam für den in einer Pariser Vorstadt aufgewachsenen Sy schließlich völlig überraschend.

Es ist dieser eine Film, der ihn 2011 über Nacht berühmt macht: „Ziemlich beste Freunde”. Die französische Tragikomödie um einen gelähmten Millionär und seinen unfreiwilligen Pfleger begeistert Kritiker und Fans. Sy wird mit dem französischen Filmpreis César als Hauptdarsteller des Jahres ausgezeichnet und zieht mit seiner Frau und vier Kindern nach Los Angeles. Es folgen Rollen in Blockbustern wie „X-Men” und „Jurassic World”. Jetzt zieht es ihn zurück zu seinen Wurzeln: „Plötzlich Papa” ist wieder eine französische Komödie, die den Zuschauer aber auch mitfiebern und -weinen lässt. Sy spielt darin den Lebemann Samuel, dessen Leben sich schlagartig ändert, als eine Ex plötzlich mit ihrem gemeinsamen Baby vor ihm steht. Ein Gespräch über das Vatersein.

Coke, Coke light, Coke Zero oder Coke Life?

„Wasser.“

Omar, deine Figur Samuel zieht von Frankreich nach London und der Film spielt immer wieder mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden. Du selbst lebst seit vielen Jahren in Los Angeles. Spielen da kulturelle Unterschiede nach wie vor eine Rolle?

„Natürlich. Wenn du in einem Land lebst, dann unterhalten sich die Menschen auf eine andere Art und Weise. Sie leben in einer anderen Kultur. Aber das ist doch auch das Schöne an dieser Welt – oder? Ihre Unterschiede.“

Im Film wandelt sich dein Charakter vom Partyhengst zum fürsorglichen Vater. War das ein Prozess, den du auch durchlebt hast, als du zum ersten Mal Vater wurdest?

„Auf jeden Fall. Deine Aufgabe als Vater ist es, deine Kinder zu beschützen. Der Film zeigt verschiedene Möglichkeiten, wie man sich um sein Kind kümmern kann. Du machst das auf deine Art und Weise – mit deinen Werkzeugen und Fähigkeiten. Samuel macht das in einer tollen und poetischen Art. Ich liebe es, mit wieviel Fantasie er an die Sache rangeht, um seine Tochter zu beschützen.“

Omar Sy

VATER, MUTTER, KIND: Kristin (gespielt von Clémence Poésy, links) sucht wieder Kontakt zu ihrer Tochter

Aber wie lernt man als junger Mann, plötzlich Verantwortung für ein Kind zu übernehmen? Dafür gibt es keine Formel…

„Ganz genau, das sagt auch der Film: Es gibt kein Buch und kein Rezept dafür, Vater oder Mutter zu sein. Es gibt nicht die perfekten Eltern. Meistens erzieht man das zweite Kind dann auch anders als das erste. Weil man das Vatersein erst mit dem Kind erlernt. Das ist das Schöne an unserer Geschichte. Samuel lernt durch Gloria, Verantwortung zu übernehmen. Durch seine Beziehung zu seiner Tochter wird er ein anderer Mensch.“

Gloria hilft ihrem Vater, erwachsen zu werden…

„Richtig. Du hast Recht. Das ist interessant, denn so ist es ja auch im wahren Leben. Du erziehst dein Kind, und dein Kind hilft dir dabei, erwachsen zu werden. Du lernst manchmal Dinge von deinen Kindern. Das ist ein Austausch. Wir müssen uns dafür öffnen, dass Kinder uns etwas beibringen können.“

Wie hast du dich durch deine Kinder verändert?

„Ich weiß nicht, ob ich dafür der richtige Ansprechpartner bin. Du siehst dich selbst immer anders. Deshalb sollten meine Kinder diese Frage beantworten. Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, wenn ich sage, ich möchte beides sein: der strenge und der lustige Vater. Aber ich bin sicher, dass ich das nicht bin. Ich habe nicht die richtige Antwort darauf.“

Omar Sy - Selfie

SELFIE beim Interview: Omar Sy

Samuel hat keine Familie, die er um Rat fragen kann. Hattest du jemanden, dem du dich anvertrauen konntest, den du um Hilfe bitten konntest?

„Nein. Aber als Vater liegt es ohnehin nur an dir selbst. Du siehst dein Kind jeden Tag, du lernst es richtig einzuschätzen. Du hast auch die Erfahrungen und Werte deiner eigenen Erziehung. Aber am Ende bist du auf dich alleine gestellt und du musst dein Kind so erziehen, wie du selbst es für richtig hältst. Das ist das Schwere daran, aber nur so geht es. Auch wenn dir deine Eltern, Freunde und älteren Geschwister Tipps geben wollen, wie man das Kind erziehen sollte – gerade als junger Vater. Nein: Mach das mit dir selbst aus.“

In manchen Situationen machst du alles richtig, in anderen machst du Fehler…

„Ja, oder beides zur selben Zeit. Das machen wir doch alle. Es gibt keinen perfekten Weg.“

Auch meine Kinder werden sich später Sorgen um ihre Kinder machen.

Im Film sehen wir Samuel, wie er seine Tochter bekommt, mit ihr lebt und dann droht, sie zu verlieren. Wie war es für dich als Vater, dieses Drehbuch zu lesen?

„Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber genau das wollen wir ja auch bewirken. Es ist ein Auf und Ab, aber die Geschichte bleibt trotzdem voller Hoffnung.“

Plötzlich Papa: Gloria und Samuel

UND ACTION! Gloria und Papa Samuel beim Straßen-Dribbling 

Deine Kinder sind zwischen sieben und fünfzehn Jahren alt. Viele Eltern sind derzeit besorgt über die Welt, in der ihre Kinder aufwachsen: Klimawandel, Terrorismus, Fremdenhass. Geht es dir auch so?

„Das machen wir doch alle. Aber wenn du auf die Geschichte zurückschaust, siehst du, dass das nie anders war. Auch wir wurden nicht in eine perfekte Welt hineingeboren. Die Gesellschaft entwickelt sich permanent weiter. Alle Eltern haben Angst um ihre Kinder, aber das ist ja auch unsere Aufgabe. Wir Eltern müssen besorgt sein um unsere Kinder und ihre Zukunft. So ist das nun mal. Daran können wir nichts ändern. Egal, in welcher Welt wir leben. So sind wir Menschen. Auch meine Kinder werden sich später Sorgen um ihre machen.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf ne Coke treffen?

„Gern noch mal mit dir!“

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ANCM Omar Sy

 

„Plötzlich Papa“ läuft ab 5. Januar 2017 in den deutschen Kinos.


„Ziemlich beste Freunde“ ist unter
anderem auf Netflix und Amazon Prime zu sehen