Fünf Minuten – länger braucht man nicht bis zur Rundum-Erfrischung durch eine Coke. So lange brauchen wir auch für unser erfrischendes Interview mit Neven Subotic, Fußballprofi beim Bundesligisten Borussia Dortmund. Coke im Gespräch mit Neven Subotic.

Neven Subotic – zum Frühstück gibt es bei ihm immer Eier

Trainingsfreier Tag. Wir treffen Neven Subotic in einem Dortmunder Bistro. Es ist neun Uhr morgens – andere BVB-Profis schlafen um diese Zeit vermutlich noch. Der 25-jährige Verteidiger und Nationalspieler Serbiens ist bestens gelaunt. Neven Subotic spricht über seine Stiftung, seinen Kreuzbandriss im vergangenen Jahr – und kriegsähnliche Zustände in Mainz.

Neven Subotic – der BVB-Star
Bild: Borussia Dortmund

Was trinkst Du lieber: Coke, Coke light oder Coke Zero – was darf es für Neven Subotic sein?
„Ich trinke privat tatsächlich nur Leitungswasser – und mal einen Kaffee.“

Wir treffen uns zum Frühstück. Was isst ein Fußballprofi normalerweise morgens?
„Also ich esse immer Eier. Heute Rührei, meistens mache ich mir zuhause zwei Spiegeleier und einen Kaffee.“

Aber ihr müsst natürlich auf gesunde Ernährung achten. Wie sieht es im Einkaufswagen von Neven Subotic aus?
„Meine Einkäufe bestehen größtenteils aus Eiern, Obst, Gemüse und Küchenrollen.“

Deine Eltern sind aus dem kriegserschütterten Bosnien nach Pforzheim geflohen, als du ein Jahr alt warst. Zehn Jahre später seid ihr in die USA ausgewandert und 2006 kamst du nach Mainz, weil du dort deinen ersten Profivertrag bekommen hast. Welchen Ort würdest du als Heimat bezeichnen?
„Mittlerweile Dortmund, wo ich 2008 hingezogen bin. Ich habe noch nie so lange alleine an einem Ort gelebt. Es ist immer wieder schön, die anderen Städte zu besuchen, in denen ich gewohnt habe. Aber Heimat ist mein Zuhause hier in Dortmund.“

Gibt es etwas, das du aus den USA vermisst, wo du den Großteil deiner Jugend
verbracht hast?
„Ja, alltägliche Technologie, die das Leben vereinfacht. Ich kann dort zum Beispiel alles mit Kreditkarte zahlen und muss nicht immer mein Geld raussuchen. Das geht schneller, und ich kann die Zeit für andere Dinge nutzen. Ich weiß, das sind nur Kleinigkeiten. Aber die addieren sich halt...“

Wie war deine erste Begegnung mit der Mainzer Fastnacht damals? Kulturschock?
„Ja, das war lustig. Ich wohnte in der Altstadt und konnte den Umzug vom Fenster aus
beobachten. Es war wie im Krieg. Die Leute sind links in die Innenstadt marschiert, und von der anderen Seite kamen die 'Kriegsopfer' und mussten nach Hause getragen oder mit dem Krankenwagen gefahren werden.“

Apropos Karneval: Du wurdest von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur 2009 für den Spruch des Jahres ausgezeichnet. Du meintest über einen Gegenspieler, den du gefoult hast: „Er muss ja nicht unbedingt dahin laufen, wo ich hingrätsche.“ Der Spruch hätte auch aus einer Büttenrede stammen können...
„Na ja, ob ich das Zeug zum Komiker hätte, müssen andere bewerten. Den Satz habe ich damals nach einem Spiel gegen Hoffenheim gesagt. Der Stürmer wusste genau, dass ich in der Situation – wenn ich grätsche – den Ball auch bekomme. Das ist in 99 Prozent aller Zweikämpfe so. Er ist weitergelaufen und über mich gestolpert. Der Schiedsrichter hat trotzdem gepfiffen...“

Dein Lieblingsspruch von Jürgen Klopp?
„Das kann ich gar nicht sagen, dafür haut er zu viele Sprüche raus. Er ist in dieser Hinsicht ja sehr kreativ und seine Aussagen nach dem Spiel in der Kabine oder in Interviews sind oft Highlights.“

Über was kann Neven Subotic sonst noch lachen?
„Die einzige TV-Show, die ich schaue, ist 'Southpark'. Ich liebe schwarzen Humor. Darum verpasse ich keine Folge.“

Du hast 2012 die „Neven-Subotic-Stiftung“ gegründet und sammelst Spenden, um etwa in Äthiopien Brunnen und Schultoiletten zu bauen. Kinder haben dort oft keinen
Zugang zu sauberem Trinkwasser. Würdest du dir dieses Engagement von mehr Fußballern wünschen?


„Ich würde mir allgemein wünschen, dass sich die Menschen stärker öffnen. Ich gehe auch in Schulen, um den Kids von unseren Projekten zu erzählen. Ich finde es traurig, die Augen vor Themen wie Armut und Wassermangel zu verschließen, nur, weil wir das Glück haben, in einem Land wie Deutschland zu leben.“

Neven Subotic – der Fußball-Profi mit dem großen Herzen

Jürgen Klopp hat mal erzählt, er habe dich nach dem Training in der Kabine gesehen, wie du ein Buch über die Techniken des Brunnenbaus gelesen hast...

„Ja, ich versuche meine Zeit optimal zu nutzen und bilde mich auch gern weiter. In der Mittagspause fahre ich nicht nach Hause, sondern bleibe auf dem Trainingsgelände. Ich der Zeit kann ich mich um meine Stiftung kümmern. Für mich ist das Hobby und Arbeit zugleich.“

Du bist vor ein paar Jahren mit Freunden durch Europa gereist, und zwar mit einem Bulli. Was war dein Highlight?
„Einfach mit meinen Freunden zusammen zu reisen. Wir haben tagsüber Fleisch eingekauft, uns einen schönen Strand ausgesucht, an dem wir abends gegrillt und übernachtet haben. Ich will im nächsten Jahr, wenn ich wieder mein Projekt in Äthiopien besuche, zelten. Da bin ich noch näher bei den Menschen und kann sie besser kennenlernen.“

Du bist als Fußballprofi vor und während eines Spiels hochkonzentriert. Gibt es trotzdem Momente, in denen du Gänsehaut bekommst?
„Auf jeden Fall bei Choreografien vor Champions-League-Heimspielen. Da lassen sich unsere Fans immer was Schönes einfallen. Und natürlich nach jedem Tor. Da bebt der Boden.“

Wie sehr regen dich eigentlich Niederlagen auf?
„Mich regt eigentlich nichts wirklich auf. Der Moment, in dem ich mir letztes Jahr den Kreuzbandriss zugezogen habe, war sehr schwer. Ich wusste sofort, dass ich sechs Monate pausieren muss. Ich habe dann erstmal meine Mutter in New York angerufen und sie beruhigt. 'Denk an das Positive, ich kann dich jetzt auch mal besuchen'.“

Neven Subotic über Fußballklischees und Bill Gates

Wer hat das musikalische Sagen in der Kabine?
„Da gibt’s mehrere Spieler. Ich hab' der Mannschaft zuletzt den Song „Marilyn“ von G-Eazy vorgestellt. Ein nahezu unbekannter Sänger, den Song habe ich in Amerika zum ersten Mal gehört. Mein Musikgeschmack ist eher Hip-Hop-lastig. Ich liebe einfach Wortakrobatik. Viele Texte wären auch ohne Musik ein Highlight.“

Zum Schluss noch ein paar Klischees: Fußballprofis bekommen die schönsten Frauen...
"Um es in die Bundesliga zu schaffen, brauchen wir Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit. Das sind Dinge, die ich auch an Frauen anziehend finde.“

Fußballer sind eitel...
„Ich glaube, dass viele Menschen heutzutage eitel sind, auch Fußballer. Ich persönlich binde mir zwar vor den Spielen die Haare. Aber nicht, um bei Frauen zu punkten, sondern weil sie mir sonst während des Spiels ins Gesicht fallen.“

Fußballer sind überbezahlt...
„Dabei muss man bedenken, dass Fußball heute Sportart Nummer 1 in Deutschland ist. Die Fenrsehpräsenz ist massiv gestiegen. Dadurch gibt es für uns auch mehr Verpflichtungen, etwa Presse- oder Werbetermine. Es ist außerdem schwer für uns, unerkannt zu bleiben, wenn wir privat unterwegs sind. Bei Spielern wie Marco Reus ist es wahrscheinlich noch heftiger. Natürlich werden wir dafür sehr gut bezahlt. Die Chefs großer Unternehmen verdienen in der Regel aber noch besser. Im Gegensatz zu uns arbeiten sie aber mehrere Jahrzehnte und haben auch noch mehr Privatsphäre.“

Fußball ist homophob....
„Ich glaube und hoffe, dass sich dieses Problem legen wird. Vor vielen Jahren gab es im Fußball Rassismusprobleme, die es heute zum Glück auch nicht mehr gibt. Thomas Hitzlsperger hatte nach seinem Coming Out fast ausschließlich positive Reaktionen. Der schwule US-Profi Robbie Rogers auch. Wenn sich zwei Leute lieben, zwei Männer, zwei Frauen, dann wünsche ich ihnen nur alles Gute.“

Mit wem würde sich Neven Subtotic gerne auf 'ne Coke treffen?
„Ich würde gerne Bill Gates kennenlernen und mit ihm über seinen Werdegang sprechen. Er hat sich ja komplett von Microsoft zurückgezogen und kümmert sich ausschließlich um seine Stiftung. Das finde ich sehr spannend.“

Mehr Neven Subotic?

Mit Neven Subotic würdet ihr euch auch gern mal auf’ne Coke treffen?! Nun, das können wir derzeit leider nicht ermöglichen. Mehr über Neven Subotic haben wir dennoch für euch: 
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Und die fünf Lieblingssongs von Neven Subotic haben wir auch! Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören! Wir wünschen viel Spaß!

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