Jeden Monat gibt’s auf Journey erfrischende Interviews mit Promis aus Show und Sport. Heute: Lost Frequencies. Hinter dem DJ-Projekt steckt der junge Belgier Felix De Laet. Wir sprechen mit ihm über plötzlichen Ruhm – nach seinem Nummer-Eins-Hit „Are You With Me“.
Es muss ihm immer noch erscheinen wie ein Traum: Vor vier Jahren bekommt Felix De Laet seinen ersten Laptop geschenkt. Der musikbegeisterte Belgier nimmt sich längst vergessene Songs vor und bastelt daraus tanztaugliche Versionen mit dem Sound von heute. Er stellt seine Remixes online und nennt sich „Lost Frequencies“. Als der Student 2014 den Country-Song „Are you with me“ im Netz findet und seine eigene Version verbreitet, ändert das sein Leben: Nummer Eins in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien, Gold, Platin und fast täglich Gigs in ganz Europa. So geht von Null auf Hundert! Wir begleiten den 21-Jährigen beim Elektro-Festival BigCityBeats World Club Dome in Frankfurt. Beim Interview trägt Felix eine Sonnenbrille. Bald wissen wir, warum.

 Coke, Coke Light, Coke Zero oder Coke Life?
„Ich trinke nicht oft Coke, aber wenn, dann die Normale mit Eis und etwas Zitrone.“
Wann bist du heute Morgen aufgestanden?
„Um acht Uhr, weil ich zwei Stunden später von Paris nach Frankfurt fliegen musste. Und ich bin erst um sechs Uhr ins Bett gekommen!“
Du hast nur zwei Stunden geschlafen?
„Ja, das ist nicht viel. Normalerweise schlafe ich sechs Stunden. Aber ich habe momentan halt viele Auftritte.“

Wachst du zu einem speziellen Song auf?
„Nein, ich habe einen langweiligen Weckton auf meinem Handy. Ich checke dann immer im Bett meine soziale Medien und stehe eine Viertelstunde später auf.“
Musik spielt eine wichtige Rolle in deinem Leben. Hörst du rund um die Uhr Musik?
„Nein, das kann ich gar nicht. Ich wohne in Brüssel noch bei meinen Eltern, und die würden durchdrehen. Denn wenn ich Musik höre, dann gerne richtig laut.“
In 30 Minuten, trittst du auf. Bist du nervös oder ist das für dich mittlerweile Routine?
„Nervös bin ich vielleicht fünf Minuten vor dem Auftritt. Aber dann gehe ich auf die Bühne und spiele den ersten Track – und alles ist in Ordnung.“
Lost Frequencies: Mit „Are you with me“ auf Platz Eins nicht nur in Deutschland
Lost Frequencies: Mit „Are you with me“ auf Platz Eins nicht nur in Deutschland 

Vor vier Jahren hast du damit angefangen, Remixes zu erstellen und eigene Songs zu produzieren. Das war am Anfang eher ein Hobby...
„Ich hätte nie erwartet, dass es so groß werden würde. Ich wollte eigentlich mein Studium zu Ende bringen. Aber ich habe es vor drei Monaten abgebrochen, weil ich mittlerweile fast jeden Tag Auftritte habe.“
Grund für diesen Wahnsinnserfolg ist der Remix eines bei uns völlig unbekannten Country-Songs aus den USA. Du hast „Are you with me“ zufällig im Netz entdeckt. Konntest du dich in irgendeiner Weise darauf vorbereiten, dass der Song so durch die Decke geht?
„Nein, auf keinen Fall. Es ist eine völlig neue Welt, die ich momentan entdecke. Ich lerne jeden Tag dazu. Als meine heutige Plattenfirma mir eine E-Mail schrieb und mich unter Vertrag nehmen wollte, dachte ich, es wäre ein Fake. Das war Wahnsinn.“
Wie war das Gefühl, deinen Song zum ersten Mal im Radio zu hören?
„Ich bin verrückt geworden. Ich war mit meinen zwei Brüdern im Haus und wollte gerade in den Garten gehen, um zu arbeiten. Plötzlich sagt der Typ im Radio: ‚Und hier ist ein neuer Track von Lost Frequencies, ein junger Mann aus Belgien' und wir sind alle ausgeflippt.“
Mit dem Erfolg steigen auch oft die Anfragen für ein Date...
„Das hält sich in Grenzen. Nach einem Gig kommen schon mal Mädels und wollen, dass ich mit ihnen feiern gehe. Aber da lehne ich dankend ab. Ich habe eine Freundin, auch wenn ich sie nicht oft sehe.“
Sie begleitet dich nicht bei deinen Auftritten?
„Nein, sie studiert. Aber nächste Woche kommt sie zum ersten Mal mit und begleitet mich für zehn Tage. Sie ist ziemlich happy, weil sie all das nur von Fotos kennt...“

Heute wird Felix von François begleitet, einem Freund aus Brüssel. Auch für ihn ist es das erste Mal, dass er bei einem Festival backstage dabei ist. Wir machen uns auf den Weg zur „Neonsplash“-Bühne. Felix nimmt zum ersten Mal die Sonnenbrille ab.
Wovor hast du mehr Angst: Dass der Strom ausfällt oder es einen Wolkenbruch gibt?
„Ganz klar vor einem Stromausfall. An einem Gewitter kann man mir keine Schuld geben. Bei einem Stromausfall können die Besucher aber sagen: 'Der DJ kriegt es nicht gebacken'.“
Ich habe gestern Abend gesehen, dass ein Fan auf YouTube deinen Track hochgeladen hat und zwar in einer Wiederholungsschleife von einer Stunde: mehr als 800.000 Aufrufe!
(lacht) „Ja, das habe ich auch gesehen. Das ist Wahnsinn, oder? Das Lied ist sehr kurz und manche wünschen sich eine längere Version – aber eine Stunde ist sehr, sehr lang...“
Es gibt auch viele, die deine Songs neu mixen und ins Netz stellen. Gefällt dir das?
„Ich bin äußerst kritisch. Oft frage ich mich bei diesen Remixes, was der Sinn dahinter ist. Was ist das Spezielle? Ich spiele in meinem Set auch eine andere Version von 'Are you with me'...aber eine, die ich mag.“
Das kannst du uns jetzt zeigen, denn es ist so weit. Du musst auf die Bühne. Sag uns bitte noch: Mit wem würdest du dich gerne mal auf 'ne Coke treffen?
„Flume, ein DJ aus Australien, der mich schon immer inspiriert hat. Er hat seine eigene Handschrift, bei allem, was er macht.“

Felix betritt in weißem Shirt und Jeans die Bühne. Eine Stunde lang bringt er die Crowd in dem ohnehin heißen Partyzelt zum Kochen. Er selbst lacht, tanzt und heizt die Menge an. François steht neben der Bühne und schüttelt immer wieder ungläubig mit dem Kopf, als er sieht, wie die Masse tobt.
DIE MENGE kocht: Lost Frequencies an den Decks
DIE MENGE kocht: Lost Frequencies an den Decks

Dann verabschiedet sich Felix von schweißgebadeten, mit Wasser und Farbe bespritzten Fans, steckt USB-Stick und Kopfhörer ein und verlässt die Bühne. Als Erstes trinkt er eine kleine Flasche Wasser auf Ex und macht noch ein paar Selfies mit den Festivalbesuchern.
Bist du immer noch überrascht, wenn du nach einem Autogramm oder Selfie gefragt wirst?
„Nicht, wenn ich auflege. Hier geht’s ja schließlich um meine Musik. Aber wenn Menschen mich im Alltag danach fragen, etwa am Flughafen, bin ich schon noch überrascht.“
Wie fühlst du dich nach dem Auftritt?
„Auf der Bühne war ich überhaupt nicht müde. Es war großartig. Die Leute haben die ganze Zeit gesungen und getanzt. Sie kannten alle Tracks, die ich gespielt habe. Ich bin sehr glücklich.“
Du konntest kurz vergessen, dass du nur zwei Stunden geschlafen hast...
„Ich werde versuchen, jetzt im Auto etwas zu schlafen...auf dem Weg zum nächsten Auftritt.“

François kommt mit zwei Koffern dazu. Die beiden müssen weiter. 200 Kilometer entfernt wartet der nächste Gig. In Hofgeismar, Hessen, spielt Felix vor 30.000 Besuchern. Danach freut er sich aufs Bett.

Die fünf Lieblingssongs von Lost Frequencies: Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!

1) Major Lazer – Lean on
„Ich mag das Projekt einfach. Sie können Deep House, Dub Step, was immer sie wollen. Alle mögen es. Sie haben es verdient, in so vielen Ländern auf Platz Eins zu stehen.“
2) Oliver Heldens – Melody
„Er hat seinen ganz eigenen Stil. Die Melodie ist einfach toll. Ich spiele es in meinen Sets und verknüpfe es mit einem anderen Song. Das hört sich sehr cool an.“
3) Asaf Avidan – One Day (Wankelmut Remix)
„Dieser Song hat mich inspiriert, als ich meinen Remix zu 'Are you with me' produziert habe.“
4) Armin van Buuren – In and Out of Love
„Ich liebe den Track und hatte die Chance, einen Remix davon zu produzieren. Ich habe Armin während einer Radioshow getroffen, wo er zum ersten Mal meinen Remix gehört hat. Ich war verdammt aufgeregt. Aber er mochte ihn.“
5) Flume – Some Minds
„Ich habe ja schon erklärt, dass ich ein großer Fan von Flume bin. Das gilt natürlich auchfür seinen aktuellen Song.“
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