JONAS ENTSCHULDIGT SICH per Handy: Die S-Bahn kommt ein paar Minuten später. Kein Problem. Wir sind schließlich in Berlin. Genauer: Im Büro von Studio 71, einem Unternehmen der ProSiebenSat.1-Group. Hier, in den Räumen der multimedialen Ideenschmiede gehen YouTuber und Influencer ein und aus. Jonas gehört zu den rund 100 Partnern, die das Netzwerk vermarktet. Der 20-jährige Internetstar hat auf seinem YouTube-Kanal „Jonas“ fast 1,5 Millionen Abonnenten. In seinen Videos versprüht er immer gute Laune, macht Witze über Lehrer und die Schule, erzählt peinliche Geschichten aus seinem Leben und spricht offen über Liebe und Sex.

Auch in unserem Interview nimmt Jonas kein Blatt vor den Mund. Er verrät, wie er seine Freundin Denise kennenlernte, warum Fans auch manchmal nervig sind und dass er sich ein Leben auch ohne YouTube vorstellen kann.

Coke, Coke Light, Coke Zero Sugar oder Coke Life?

„Coke Zero Sugar. Die trinke ich auch bei den Dreharbeiten zu Coke-TV immer. Ich finde, sie schmeckt am besten.“

Du sitzt gleich auf einer Bühne und beantwortest Fragen. Bist du bei sowas aufgeregt?

„Ich finde es umgekehrt viel schlimmer. Wenn ich jemanden interviewen muss und keine verkehrten Fragen stellen darf. Wenn ich meine eigenen Antworten gebe, kann ich nichts falsch machen.“

Gab es schon mal peinliche Interview-Situationen?

„Peinlich nicht. Aber bei 'The Voice Kids' habe ich Nena oder Mark Forster interviewt und war schon angespannt. Man will nichts falsch machen und lacht auch mit, wenn man den Witz nicht verstanden hat.“

Jonas Ems - Selfie
Snapchat-SELFIE: Jonas Ems

Du hast dich in deinem noch jungen Leben viel mit Peinlichkeiten befasst - in deinen Videos und in einem Buch. Was war dir zuletzt peinlich?


„Eben vor diesem Interview war ich kurz auf der Toilette. Und vielleicht kennt man die Situation: Du kommst auf ein Klo, das schon versifft ist. Du benutzt es, machst es aber natürlich nicht groß sauber. Ich bin dann wieder rausgekommen, und wer kommt mir entgegen? Der Geschäftsführer dieses Unternehmens, der genau diese Toilette benutzen will und jetzt wahrscheinlich verkehrt über mich denkt.“


Jonas versucht, eine Coke zu öffnen – ohne Öffner:

Wie hoch ist eigentlich deine Peinlichkeitsschwelle? Ist sie gesunken durch deine Erfahrungen der letzten Jahre?

„Das sollte man meinen, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch noch mehr peinliche Situationen anziehe.“

Dein peinlichstes Erlebnis beim Sport?

„Ich hatte mal mehrere Dates mit einem sehr attraktiven Mädchen. Beim dritten Mal sind wir zusammen Joggen gewesen. Leider hatte ich ein paar Stunden vorher etwas gegessen, was den Darm sehr anregt. Jedenfalls habe ich gespürt, dass ich mal Luft lassen muss. Und man kann das beim Joggen auch nicht wirklich kontrollieren. Und dann ist es tatsächlich passiert – und auch sehr laut. Wir haben darüber geschwiegen, was das Allerschlimmste ist. Ich hätte es einfach locker ansprechen müssen. Das war unangenehm. Es war unser letztes Treffen.“

Jonas und Mark Forster:

...bei Coke-TV?

„Bei meinem allerersten Dreh habe ich 13 oder 14 Anläufe gebraucht, um den ersten Satz richtig zu sagen, weil ich so nervös war. „Hi Leute, ich bin Jonas“ - diesen einfach Satz habe ich nicht hinbekommen. Schrecklich. Aber wenn man dann moderiert und Gags macht, ist einem eigentlich nichts mehr peinlich. Ich bin jemand, der ultraschlecht in allem ist. Ein generell untalentierter Mensch. Außerdem hab ich auch noch vor allem Angst. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, es ist halt ein Charakterzug.“

Wenn die Worte fehlen...

Ist dir noch ein weiteres Erlebnis bei Coke-TV im Kopf geblieben? 

„Ich war mal bei einem Konzert. Das allererste Konzert meines Lebens. Ich habe da gemerkt, dass ich absolut kein Konzertmensch bin. Ich stand wie angewurzelt zwischen hunderten kreischender Fans, die alle zur Musik abgegangen sind. Das hat mich so eingeschüchtert, dass ich nur noch gerade stand. Beim Ansehen der Folge hat man das nachher gar nicht so bemerkt. Aber für mich war es ein unangenehmer Moment und ich konnte mich nicht auf die Musik konzentrieren.“

Jonas und OK KID:

Du warst sonst noch nie bei einem Konzert?

„Nein. Ich bin generell nicht der krasse Musikfan. In Clubs tanze ich aber schon, wenn ich was getrunken habe.“

Welche Challenges würdest du vielleicht nicht unbedingt machen wollen?

„Ich bin mittlerweile so abgehärtet, ich würde fast alles machen.“

Aber du hast Angst vor Insekten...

„Stimmt. Vor allem, was krabbelt und kriecht, habe ich ultra Angst.“

Jonas Ems - Angst
HILFE! Obwohl schon krasseste Challenges hinter ihm liegen, hat Jonas noch immer Angst vor Insekten

Du hast gesagt, dass du generell ein ängstlicher Mensch bist. Woher kommt das? Sind alle in deiner Familie so?

„Eigentlich nicht. Meine Schwester ist richtig tough. In meinen ersten Freefall-Tower bin ich mit 15 Jahren gegangen, meine Schwester mit sechs oder sieben. Mir hat es dann schon Spaß gemacht. Aber die Überwindung kostet unfassbar viel Energie.“

Das ist wie beim Bungeespringen...

„Das würde ich nie machen, das ist ja das Schlimmste überhaupt.“

Hast du deine Freundin Denise aus einem speziellen Grund öffentlich gezeigt?

„Das hat sich einerseits ergeben, war aber auch nicht mehr vermeidbar. Es gab schon Gerüchte auf Instagram und es kam auch schon vor, dass jemand ein Foto von uns auf der Straße gemacht und hochgeladen hat. So breitet sich das dann schnell aus. Aber man muss daraus ja kein Riesengeheimnis machen.“

Habt ihr euch eigentlich im Internet kennengelernt?

„Ja, tatsächlich. Aber nicht auf YouTube, sondern Instagram.“

Ich denke beim Kennenlernen im Netz eher an Tinder und andere Apps...

„Nein, eine Dating-App war nicht im Spiel. Aber ich muss dazu sagen, dass Instagram insgeheim auch eine Art Dating-Plattform ist. Man kann dort unglaublich gut Leute kennenlernen.“

Jonas und Denise:

Du wirst auf der Straße oft erkannt. Wie ist das für dich?

„Na ja, Schulklassen sind schon der Horror. Wenn ich die sehe, warte ich lieber auf die nächste Bahn. Es gab schon peinliche Situationen. Wenn dich ein Jugendlicher mit großen Augen anstarrt und losschreit: 'Du bist doch Jonas!' Alle anderen gucken plötzlich auf dich, als ob du etwas angestellt hättest. Und die Älteren fragen dann, ob ich Schauspieler bin.“

Ist dir in solchen Situationen lieber, die Fans sprechen dich an oder machen heimlich Fotos?

„Es gibt YouTuber, die ihren Fans sagen, sie können sie immer ansprechen. Aber dazu würde ich die Leute ungern einladen. Es kommt mittlerweile so oft vor, dass es manchmal nervt, wenn man privat unterwegs ist. Da ist es mir schon lieber, wenn die Leute kurz schauen und dann weitergehen. Was ich überhaupt nicht mag, wenn sie einfach Bilder von mir machen, ohne zu fragen. Das ist oft so. Ich wollte kürzlich mit dem Auto losfahren. Plötzlich fuhr eine Mutter mit ihrer Tochter an die Parklücke ran, ließ die Scheibe runter, machte Fotos von mir und fuhr weiter. Das ist crazy, was manchmal auch bei Eltern abgeht. Wenn Bedarf besteht, kann man gerne um ein Foto fragen. Aber heimlich Fotos machen oder quer über die Straße meinen Namen brüllen, das muss einfach nicht sein.“

„Ich war mir der Konsequenzen bewusst und könnte jederzeit den Stop-Button drücken.“

Wie hat sich das bei dir entwickelt?

„Im Grunde äquivalent zur eigenen Reichweite. Je mehr Leute meine Channels abonnieren, desto mehr sprechen mich auf der Straße an. Aber das weiß man vorher natürlich auch, wenn man Videos macht. Es gibt für YouTuber viele Vorteile, aber auch diesen Nachteil. Aber ich habe eigentlich kein Recht, mich darüber aufzuregen. Ich war mir der Konsequenzen bewusst und könnte jederzeit den Stop-Button drücken.“

Kannst du Superstars wie Justin Bieber verstehen, der sagt: Bitte keine Selfies mehr!

„Ja, auf jeden Fall. Ich war kürzlich in einem Freizeitpark. An einem Tag, wo offenbar ausschließlich Schulklassen unterwegs waren. Ich konnte nicht von einem Geschäft zum anderen gehen, ohne dass ich 1000 Fotos machen musste. Das war echt ätzend, weil ich mit Freunden unterwegs war. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich keine Fotos mehr mache. Und am Ende habe ich viele Instagram-Nachrichten bekommen, wie arrogant ich doch geworden sei. Klar: Wenn ich Fan von jemanden bin und der zeigt mir die kalte Schulter, wäre ich auch enttäuscht. Aber sie müssen auch ein bisschen nachvollziehen, dass ich etwas Spaß im Park haben möchte und nicht nur Fotos machen will.“

Jonas Ems - Hysterie
BITTE KEINE SELFIES mehr? Manchmal möchte auch Jonas einfach mit Freunden unterwegs sein

Beeinflusst dich das in deinem Tagesablauf? Gehst du zu bestimmten Zeiten nicht an bestimmte Orte?

„Am Alexanderplatz oder Checkpoint Charlie sind halt viele Leute, die meide ich. Aber abends kann ich entspannt raus, weil nur Ältere unterwegs sind, die sich gar nicht für mich interessieren. Abends im Kino passiert nichts, in Kneipen auch nicht. Aber ich habe vorher in der Nähe von Köln an einem Schulzentrum gewohnt. Viele Schüler sind mir gefolgt und wussten, wo ich wohne.“

Gehst du immer noch nachts ins Fitnessstudio?

„Nein, ich habe eine bessere Methode gefunden. Ich gehe relativ früh morgens, gegen neun Uhr. Dann sind wirklich nur Rentner da. Das macht super Spaß.“

Jonas Ems - Fitness
MORGENS um neun ist die Welt noch Ordnung, jedenfalls in Jonas’ Fitnessstudio

Du hast in der Schule angefangen, Videos auf YouTube zu stellen, erstmal nur für deine Mitschüler. Wie merkt man: Damit kann ich ja auch Geld verdienen...

„Mit 17 waren die Einnahmen so hoch, dass ich mir dachte, dass man davon leben kann. Mit 19 konnte ich in meine eigene Wohnung ziehen. Das hat sich aber langsam gesteigert.“

Hast du mal Stress mit deinen Eltern bekommen, wenn du zum Beispiel in Klausurphasen ständig am Rechner gesessen hast?

„Das gab es nie. Ich war eigentlich immer recht diszipliniert, auch was die Schule angeht. Ich war immer schon ein Riesenfan von Zeitplänen. Wann ich für die Schule lerne und wann ich Videos drehe. Das hat mir immer gut geholfen.“

„Man kann als 17-Jähriger nicht kommen und sagen: Ich will Geld verdienen. Man muss Spaß und eine Idee haben.“

Hast du Tipps für Einsteiger, die YouTuben wollen?

„Sie müssen auf jeden Fall Lust dazu haben. Wenn man direkt fragt, ab wann man damit Geld verdienen kann, sollte man es gleich vergessen. Man kann so wirtschaftlich denken, wenn man ein Unternehmen hat und Videos produziert. Aber man kann als 17-Jähriger nicht kommen und sagen: Ich will Geld verdienen. Man muss Spaß und eine Idee haben. Die Leute merken, ob man seine Sachen halbherzig hinrotzt oder Herzblut in seine Videos steckt. Man sollte authentisch und eine interessante Persönlichkeit sein. Aber auch eloquent und vor der Kamera nicht wie eine Schlaftablette wirken.“

Jonas als Meerjungfrau:

Warum sprechen YouTuber eigentlich immer so schnell und aufgeregt?

„Das ist eines der Dinge, die von ganz allein kommen. Man darf halt nicht langweilig wirken. Das Schnelle, Aufgeregte, Polarisierende braucht man eben.“

Ist das – trotz Authentizität – dann eine Art Rolle, in die du in den Videos schlüpfst?

„Sicherlich. Ganz automatisch. Ich habe das nicht geskriptet, sondern einfach meine YouTube-Persönlichkeit entwickelt. Aber das gefällt den Leuten und ich habe auch nicht das Gefühl, schizophren zu sein.“

„Ich schaue eigentlich selten YouTube, sondern bin eher der Netflixer.“

Was sind deine persönlichen Lieblings-YouTuber?

„Ich bin nach wie vor großer Fan von Gronkh, auch wenn ich jetzt nicht mehr so viele Videos schaue. Aber in meiner Jugend habe ich viele 'Let'sPlay’-Videos geschaut. Ansonsten ist Julien Bam der vorbildlichste YouTuber für mich, weil er einfach den besten Content produziert. Er ist einer der wenigen, die diesen Erfolg wirklich verdienen. Ansonsten schaue ich eigentlich selten YouTube, sondern bin eher der Netflixer.“

Was schaust du dir da am liebsten an?

„Meine Lieblingsserien sind nach wie vor Lost, Breaking Bad und Prison Break. Ich habe zuletzt Tote Mädchen lügen nicht und Stranger Things gesehen, die haben mir auch sehr gut gefallen. Ich bin einfach Fan von Video on Demand, um ganze Staffeln am Stück gucken zu können. Es hat mich nie geflasht, im Fernsehen eine Woche zu warten und dann noch Werbung zu sehen. Ich finde es cooler, eine Staffel in drei Tagen durch zu suchten.“

Du willst in diesem Jahr anfangen zu studieren, in Richtung Film. Kann es sein, dass du YouTube auf lange Sicht den Rücken kehrst?

„Das wird zwangsläufig sicher mal passieren. Es wird aber wahrscheinlich erstmal ein Prozess sein, bei dem beides nebeneinander läuft. Mal sehen. Es gibt ja Tendenzen, dass YouTube irgendwann auch in Richtung von Netflix oder Amazon geht. Es kann also sein, dass ich in ein paar Jahren für meinen Kanal etwas Aufwändigeres produziere.“

„Gerade bei meinen Kurzfilmen versuche ich, den Leuten eine gewisse Moral mit auf den Weg zu geben.“

Gibt's für dich als YouTuber Themen, die du lieber ausklammerst? Politik zum Beispiel...

„Sowohl Politik, als auch Religion sind auf meinem Hauptkanal fast nie zur Sprache gekommen. Warum auch? Das wollen die Leute nicht hören, die meine Videos schauen, und ich will auch nicht in irgendwelche Fettnäpfchen treten. Man kann sich zwangsweise nur unbeliebt damit machen.“

Es gibt aber auch Stimmen, die sagen: Wer so viel Reichweite hat, der hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung...

„Es gibt Dinge, die man natürlich vermitteln kann. Geht wählen! Das kann in keinem Fall verkehrt sein. Aber es geht unheimlich schnell, dass man sich auf sehr glattes Eis begibt und dann doch vielleicht irgendeine politische Aussage trifft, die irgendeiner Partei zugeschrieben werden könnte und man bekommt Probleme. Ich hatte mal ein Interview mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf meinem Kanal, das war auch spannend und kam sehr gut an. Da habe ich die Fragen der Community weitergegeben, war also mehr Sprachrohr. Aber es ist nicht so, dass ich gar keine Werte vermittle. Gerade bei meinen Kurzfilmen versuche ich, den Leuten eine gewisse Moral mit auf den Weg zu geben.“

Mit wem würdest du dich mal gerne auf 'ne Coke treffen?

„Ich sage das an dieser Stelle immer bei Interviews, damit ich irgendwann vielleicht mal die Chance bekomme: Bear Grylls, ein britischer Survival-Experte, der oft auf DMAX zu sehen ist. Mit ihm einmal in Survival-Abenteuer erleben, auf einer Insel ausgesetzt werden, fände ich sehr spannend.“

Die aktuellen Lieblingssongs von Jonas Ems:

„Musikgeschmack ist für mich unfassbar schwer zu beschreiben. Das sind fünf Songs aus den Charts, die ich gerade gerne höre. Aber es ändert sich. Ich bin generell Fan von elektronischer Musik, die auch oft in Clubs läuft.“

1. Imagine Dragons: „Thunder“
2. Shawn Mendes: „There's Nothing Holdin' me back“
3. Charlie Puth: „Attention“
4. Chainsmokers: „Something just like this“
5. Zedd & Alessia Cara: „Stay“


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