Fünf Minuten – länger braucht man nicht bis zur Rundum-Erfrischung durch eine Coke. So lange brauchen wir auch für unser erfrischendes Interview mit Schauspielerin und Sängerin Jeanette Biedermann.

Jeanette Biedermann hat schon einiges in ihrem Leben erlebt. Sie war Zirkusakrobatin, „Bild“-Schlagerkönigin, „GZSZ“-Star und Pop-Sternchen. Mit Mitte 30 steht die Berlinerin auch beruflich mitten im Leben. Theater statt Daily Soap, melodischer Folk-Pop statt elektronische Disco-Beats. Mit ihrem Ehemann, dem Gitarristen Jörg Weißelberg und Christian Bömkes (Bass) gründet Jeanette 2012 die Band „EWIG“. Ihr zweites Album heißt „Indianerehrenwort“. Wir treffen Jeanette und ihren Bassisten Christian in einem Hotelzimmer in Berlin-Friedrichshain.
 

Auf 'ne Coke mit Jeanette Biedermann
EWIG: Jeanette Biedermann, Gittarist Jörg Weißelberg und Bassist Christian Bömkes

Coke, Coke Light oder Coke Zero?

Jeanette: „In der Regel keine der drei. Manchmal trinke ich Coke Zero.“

Schläfst du gern in Hotels, wenn du auf Tour bist?
Jeanette: „Nein, ich bin Heimschläferin. Ich schlafe lieber eine Stunde weniger, dafür aber in meinem eigenen Bett. Ich habe eine super Matratze. Es fühlt sich an, als ob ich ganz gemütlich auf dem riesengroßen Bauch eines Riesen liegen würde.“


Das kann ein Hotel nicht bieten, schon gar kein Tourbus...

Jeanette: „Stimmt. Auf der nächsten Tour werde ich auch nicht mehr im Nightliner schlafen. Ich kann im Bus einfach nicht pennen. Das ist gemein. Jörg und Christian legen sich hin und schlafen direkt ein. Ich kann nicht mal bis fünf zählen, da höre ich sie schon schnarchen. Das ist nichts für mich. Zuhause schnurren mich außerdem meine Katzen in den Schlaf.“
 

Jeanette Biedermann über ihr neues Album

Ende Januar ist euer neues Album erschienen. Wie entstehen bei euch neue Songs? Sitzt Ihr alle drei gemeinsam an den Texten und nickt sie ab?

Jeanette: „Ja, genau. Wir könnten jeder für sich Texte schreiben, aber da kommt nicht der Sound von EWIG raus. Das klappt nur, wenn wir zu dritt zusammensitzen.“

Christian: „Wir finden uns gegenseitig toll, das ist unser großes Glück. Aber wir geben uns erst zufrieden, wenn alle drei absolut einverstanden mit einem Song sind.“
 

 
Jetzt anhören: Die vier Lieblingssongs von Jeanette Biedermann und der Band EWIG.

   
Beim Fotoshooting für das neue Album bist du vom Pferd gefallen, Jeanette. Die entsprechenden Fotos habe ich im Booklet aber nicht gefunden...


Jeanette: „Das Pferd ist rausgeflogen aus dem Projekt. Wer sich so daneben benimmt, muss damit rechnen. Ein befreundeter Fotograf meinte, es wäre eine schöne Idee, wenn wir Motive mit einem Pferd hätten. Das ging aber nach hinten los. Wir haben noch nicht mal EIN Bild machen können...“

Der Sturz war schmerzhaft, oder?

Jeanette: „Ja, das hat sehr weh getan. Sich den Arm zu brechen, ist supermies. Auf der Fahrt zum Krankenhaus habe ich geweint, weil der Arm immer krummer wurde und anschwoll. Aber das Pferd war natürlich nicht Schuld.“

Sondern?

Jeanette: „Na ja, Hanni und Nanni vom Pferdehof. Das Pferd kannte das Set nicht und hatte noch nie einen Blitzschirm gesehen. Es hatte offensichtlich Angst und hätte vorher an die Szenerie gewöhnt werden müssen. Ich wäre als Pferd auch durchgedreht bei dieser Vorbereitung. Bei einem Filmdreh hat mich schon mal ein Pferd durch den Wald gezogen. In Zukunft lasse ich das mit den Pferden.“
 

Auch beruflich ein Dreamteam: Jeanette Biedermann und ihr Mann Jörg Weißelberg

Wie ist es, mit deinem Mann Jörg in einer Band zu spielen? Könnt ihr im Urlaub oder abends auf der Couch abschalten oder geht das nicht?

Jeanette: „Es kommt schon vor, dass wir im Urlaub die Instrumente rausholen und eine Jam-Session hinlegen, klar. Bei uns zuhause steht alles voll mit Instrumenten. Wir können jederzeit eins greifen.“
Christian: „Wenn ein Künstler anfängt, seine Berufung als Arbeit aufzufassen, wird es schwer. Es macht einfach Spaß, sich weiterzuentwickeln.“

Im Netz spekulieren Fans und Medien immer wieder über Dinge wie angebliche Schönheits-OPs. Hast du dich an so etwas nach über zehn Jahren im Geschäft gewöhnt?

Jeanette: „Ich habe alles an mir machen lassen, ist doch klar: Zähne, Po, Brüste. Ich habe mir auch den Arm gebrochen, damit er nachher schöner aussieht. Im Ernst: Wenn du nicht mehr zwanzig bist, nehmen sich einige Leute einfach raus, dir so etwas zu unterstellen. Da schreiben dann drei Leute in einem Internetforum etwas von Liften, und Online-Portale übernehmen das. Da kannst du machen, was du willst. Ich weiß selber am besten, dass ich nichts dergleichen gemacht habe, das genügt.“

Du hast zumindest einen neuen Look..

Jeanette: „Klar, damit haben die Leute recht. Ich hatte vorher halblange, dunkle Haare, jetzt sind sie wieder blond. Für das Albumcover habe ich mich hippiemäßig in Schale geworfen, weil der Titel ja „Indianderehrenwort“ heißt.“

Aber du holst dir keine Tipps mehr von Udo Walz, bei dem du ja eine Friseurlehre gemacht hast?

Jeanette: „Ich rufe ihn jeden Tag an, natürlich!“

Dich nerven diese Fragen, oder?

Jeanette: „Ja. Weil viele Leute offenbar davon ausgehen, dass Udo und ich jeden Tag Kaffee trinken gehen. Dem ist nicht so. Wir sehen uns ab und an und verstehen uns gut. Denn er war ein wirklich netter Chef. Ich hatte eine tolle Zeit in seinem Laden und habe viel gelernt. Das war ja quasi das erste und letzte Mal, dass ich einen normalen Angestelltenjob hatte.“
 

Auf 'ne Coke mit Jeanette Biedermann
Das zweite Album von Jeanette Biedermann und der Band EWIG heißt "Indianerehrenwort" 

Jeanette Biedermann ist angekommen

Du singst auf einem Song des neuen Albums: „Du bist meine letzte Festung“. Gilt das auch für EWIG oder könntest du dir vorstellen, wieder als Solokünstlerin englischen Pop-Rock zu machen?

Jeanette: „Ich glaube, ich habe mich ganz gut gefunden. Ein Album ist immer auch ein Zeitdokument. Ich bin jetzt Mitte 30 und in dem gefestigt, was ich mache und denke. Die letzte Festung bezieht sich in unserem Song eher auf das eigene Zuhause. Dort hat niemand etwas zu suchen. Das versuche ich auch privat umzusetzen.“

Obwohl das in Zeiten von Facebook ja immer schwerer wird...

Jeanette: „Genau, darum muss man sich das umso mehr bewahren und Grenzen ziehen. Unsere Fans akzeptieren und schätzen das auch. Es gibt nicht täglich irgendwelche Schlagzeilen über mich.“

Christian: „Es wurde uns von vielen Seiten empfohlen, auf unserer Facebook-Seite zu posten, was wir gerade essen oder Ähnliches. Das haben wir von Anfang an abgelehnt.“

Jeanette: „Da verzichten wir lieber auf hundert unehrliche Likes und haben dafür fünfzig von Leuten, die unsere Musik wirklich schätzen.“

Apropos Privatleben. Als du im vergangenen Jahr dein erstes Kinderbuch rausgebracht hast, kamen sicher auch Fragen wie: Wann bekommst du denn dein erstes Kind?

Jeanette: „Richtig“

Ich nehme an, du hast deine Standardformeln, 'Es muss sich natürlich anfühlen'…

Jeanette: „Das ist eine davon, stimmt.“


Es kommt, wie es kommt. Ich setze mich nicht unter Druck....

Jeanette: „Wahnsinn. Du hast sie alle genannt.... Aber im Prinzip war ich schon einmal Mutter...“


Ach so?

Jeanette: „Ja, Mutter eines Marienkäfers. Ich war damals mit meinen Eltern an der Ostsee. Dort gab's eine Marienkäferplage. Einer ist mir ins Ohr geflogen, ich habe mich geschüttelt und dachte, er wäre sofort wieder rausgeflogen. Wochen später bekomme ich Ohrenschmerzen, lege mich auf die Seite, und es fliegt ein winziger Marienkäfer aus meinem Ohr. Da hatte mir tatsächlich eine Marienkäferbraut ein Ei ins Ohr gelegt und ich habe den Nachwuchs ausgebrütet. Seitdem habe ich eine besondere Beziehung zu Marienkäfern.“

Unabhängig von Ohrwürmern und -Käfern: Mit wem würdest du dich gern mal auf eine Coke treffen?

Jeanette: „Es sind alle irgendwie schon tot, mit denen ich mich gerne treffen würde. Kurt Cobain, Jim Morrison, Marilyn Monroe, Janis Joplin, Elvis Presley…”
 

Die vier Lieblingssongs von Jeanette Biedermann und der Band EWIG: Jetzt in unserer Spotify-Playlist anhören!

Folge Jeanette Biedermann auf Facebook oder TwitterFolge Ewig auf Facebook.

Newsletter Abo